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Interview mit Nicolaus Hagg: Amadeus trifft Falco

Nicolaus Hagg im Musical Falco meets Amadeus © Stage Holding

Schauspieler Nicolaus Hagg im Musical Falco meets Amadeus

Musical-World meets Amadeus - um genau zu sein: den Mann hinter der Maske Nicolaus Hagg, der die Rolle des exaltierten Genies im Rock Musical Falco meets Amadeus verkörpert, das nach der Spielzeit 2002 in Oberhausen im TheatrO CentrO ab Herbst 2004 wieder mit Nicolaus Hagg auf Deutschlandtournee gehen wird.

Musical-World: Herr Hagg, Sie sind hauptsächlich Schauspieler.

Nicolaus Hagg: Ja, leider! Wenn ich mir die Kolleginnen und Kollegen so ansehe, würde ich auch gerne besser singen und tanzen können; aber auf der Schauspielschule wurden mir diese Aspekte nicht vermittelt. Wir haben in Deutschland praktisch kaum echte Musical Schulen, wie in anderen Ländern, in denen man alles lernen kann.

Musical-World: Wie sind Sie dann zum Musical Falco meets Amadeus gekommen?

Nicolaus Hagg: Es gibt immer diese Zufälle: da fragt dich jemand, ob du dir vorstellen kannst, diese Rolle als Amadeus zu spielen und nach Berlin zu ziehen, da habe ich einfach ja gesagt. Falco meets Amadeus lief bereits in Berlin, als ich dazugestossen bin. Seitdem habe ich den Amadeus in über 370 Vorstellungen gespielt, in München, Graz, noch mal acht Monate in Berlin und jetzt in Oberhausen. Das Musical ist schon eine eigene Welt. Vom Theater in ein Berliner Musical zu wechseln ist schon eine enorme Umstellung.

Vorbereitung auf die Rolle des Amadeus bei FMA

Musical-World: Wie bereitet man sich auf die Rolle des Amadeus vor?

Nicolaus Hagg: Ich habe mir das Musical vorher angesehen und mit dem Regisseur Elmar Ottenthal gesprochen, was ich an der Rolle anders machen würde. Ich habe viel Kabarett geschrieben, da liegt die Rolle des quirligen Amadeus recht nahe. Falco meets Amadeus ist kein Disney Musical, in dem jede Geste durch viele Assistenten vorgeschrieben und festgelegt ist: Unsere Show ist das Ergebnis der Menschen, die auf der Bühne stehen – das ist es, was an Falco so viel Spaß macht. FMA kann man sich fünfzig mal in den verschiedenen Besetzungen anschauen und es ist immer anders. Die Persönlichkeit der Rolle entwickelt sich durch das Spielen auf der Bühne und die Kombination mit den Schauspielkollegen ist deshalb an jedem Abend anders. Wir sind ein perfektes Team, deshalb ist FMA auch nicht mit irgendeinem Cast irgendwo anders so leicht zu machen.

Musical-World: Ihre Rolleninterpretation erinnert an Milos Forman´s Film „Amadeus“...

Nicolaus Hagg: Ich habe den Film sehr lange nicht gesehen, aber so ist die Rolle eigentlich gedacht. Es gibt Anleihen aus dem Film, aber auch aus der Pop-Kultur. Es wird immer wieder über das besondere Zusammenspiel zwischen Axel Herrig und mir gesprochen, aber bei FMA geht es um viel mehr: es gibt nicht eine Figur, die nicht wichtig ist – das Ensemble mit den Tanznummern und die Schauspieler bilden ein Team, ohne das FMA nicht funktionieren kann. Wenn nur Falco und Amadeus Monologe führen würden, würde das keinen Menschen interessieren.

Musical-World: Probt das Ensemble zusammen mit den Hauptdarstellern?

Nicolaus Hagg: Obwohl im Ensemble zwanzig Leute synchron das gleiche spielen, sind dort immer auch zwanzig individuelle Persönlichkeiten. Wenn dann jemand die Chance bekommt, aus der Masse herauszutreten, bemerkt man plötzlich, wie er förmlich explodiert und das ist absolut bemerkenswert. Aber es macht keinen Sinn, wenn die Hauptdarsteller nicht auch regelmässig an den Proben teilnehmen. Wir müssen schon schauen, dass wir in die Tanzszenen mit integriert werden, dass jeder genau seinen Platz kennt und nicht wie ein Fremdkörper wirkt.

Pannen beim Musical Falco meets Amadeus

Musical-World: Gab es einmal Pannen? Mir ist aufgefallen, dass beim Finale im Himmel Amadeus nicht immer in luftigen Höhen über den Köpfen des Publikums seine Kreise zieht, sondern neuerdings einfach auf der Nebenbühne erscheint.

Nicolaus Hagg: Wir hatten einmal Probleme mit dem Flugwerk. Ich bin einfach an den Stahlseilen hängen geblieben und plötzlich ging es nicht mehr vor oder zurück. Gott sei dank war ich in einer Höhe, in der man mich mit einer langen Leiter gerade erreichen konnte. Eigentlich war es ein Albtraum für mich, aber das Publikum hat prächtig reagiert, auch weil die Regie schnell die Mikrophone geöffnet hat und Falco und ich unsere Späße machen konnten - eigentlich war es einer der lustigsten Abende, die wir jemals gespielt haben. Ich bin danach drei Tage nicht geflogen, in denen das Flugwerk überarbeitet wurde, aber jetzt ist wieder alles beim alten und ich fliege wieder.

Musical-World: Die Rolle des Amadeus ist ja eher textlastig...

Nicolaus Hagg: Nun, verglichen mit meiner Arbeit als Schauspieler, in der ich schon 90 minütige Monologe abgehalten habe, ist die Rolle des Amadeus eher harmlos – so viel Text war gar nicht zu lernen. Aber für eine Musicalrolle habe ich tatsächlich viel Text.
 
Musical-World: Und leider kann der Zuschauer der szenenhaften Handlung nicht immer problemlos folgen.

Nicolaus Hagg: Ich habe auch sehr lange gehadert mit dem Stück. Als ich damals in Graz mit den Proben begann, sagte man mir: “Fangen wir an mit der Szene im Penthouse, danach die Szene im Schloß.“ Mir war zu Beginn nicht klar, wohin welche Szene gehörte. Auch die Sprache ist etwas besonderes. Ich habe mir das Drehbuch durchgelesen und dachte, das kann doch kein Mensch spielen – und das kann auch kein Mensch begreifen! Die Geschichte ist trotzdem irgendwie genial erzählt, alles reimt sich und du hast über grosse Strecken keine Idee, worum es eigentlich geht. Wenn Martin Moss spielte, verstand nicht einmal ich ein Wort – eine Sache, die für einen normalen Theaterbesuch fürchterlich wäre. Aber am Ende hat das Stück funktioniert. Auch wenn man sagt, man hat nicht alles verstanden, hat man sich doch prima unterhalten!

Mit der Fernbedienung durch Falcos Leben

Musical-World: Ich hatte das Gefühl, mit einer Fernbedienung durch Falcos Leben zu zappen.

Nicolaus Hagg: Das ist ein guter Vergleich, den ich auch wählen würde. Und damit heben wir uns auch von dem normalen Musical ab, wo man zwei Stunden nur darauf wartet, dass sich die zwei Hauptdarsteller kriegen. Eigentlich weiß der Zuschauer auch bei FMA, dass Falco sterben wird. Das ist ja nichts Neues. Aber wie die Story erzählt wird – in welcher Abgehobenheit – das ist das Faszinierende und das gefällt mir mittlerweile sehr gut. Aber vielleicht habe ich mich auch schon daran gewöhnt.

Musical-World: Spätestens im zweiten Akt wird der Zuschauer für die literarischen Längen mit den grandiosen Tanzszenen mehr als entschädigt!

Nicolaus Hagg: Der zweite Akt kann in seinem Rausch mit den großen Bildern nur deshalb so gut funktionieren, weil man im ersten Akt die Personen kennen gelernt hat. Der erste Akt ist eine emotionalere Geschichte, um Falcos Handeln besser verstehen zu können. Handlung und Dialoge müssen noch gestrafft werden, aber diese emotionalen Momente zwischen Falco, Jeanny, Konny und Garbo müssen einfach bleiben.

Musical-World: Das Musical Falco meets Amadeus setzt aber auch auf optische Reize und oft wünscht man sich noch längere Tanzsequenzen.

Nicolaus Hagg: Wenn „Push! Push!“ auch nur fünf Sekunden länger dauern würde, wären die Tänzer und Tänzerinnen sicher tot! Gerade diese Sequenz ist auch enorm erotisch und die Nähe zum Publikum vertieft noch das Erlebnis, das eigentlich schon gar nicht mehr jugendfrei ist.

Nicolaus Hagg über die Entwicklung des Musicals in Deutschland

Musical-World: Was sagen Sie zu der STELLA-Insolvenz, nach der so viele Musicals in Deutschland geschlossen werden mussten?

Nicolaus Hagg: In Deutschland spielt man nicht einfach nur ein Musical, man baut dafür ja gleich ein ganzes Haus! Und wenn es schon ein Theater gibt, muss man es für mindestens 20 Millionen Euro umbauen! Das ist so weit davon entfernt, einfach eine Geschichte mit Musik zu erzählen, was ja eigentlich das Musical ausmachen sollte. Als ich vom Wiener Volkstheater kam, um zum ersten mal in einem Musical zu spielen, wurde mir dieser gewaltige finanzielle Unterschied bewusst. Es ist heute z.B. gar nicht möglich, mit einer herkömmlichen Lichtanlage ein Musical zu beleuchten, obwohl schon ein Verfolgerspot bei guten Darstellern und guter Musik ausreichen könnte. Aber in den Köpfen der Produzenten muss immer alles noch größer und schöner sein, bis der Preis dafür so hoch wird, dass man das Risiko nicht mehr tragen will. Ohne Idealismus wird Musical nur noch als Geschäft gesehen, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Berlin entwickelt sich langsam zu einer Kultur-freien Zone, da auch dort viele Theater geschlossen haben; das ist der Gedanke, wenn man aus Berlin herauskommt. Trotzdem kann Kultur nicht sterben, das ist undenkbar. Genauso könnte man behaupten, wir würden bald keine Autos mehr fahren. Es wird immer wieder etwas Neues geben. Es wäre schön, wenn sich mal wieder zwei Menschen allein auf eine Bühne stellen und etwas Ursprüngliches schaffen könnten, die einfach nur gutes Theater machen, ohne das ganze Drumherum. Die Produzenten denken sich eine Show aus und errechnen sich, dass man 2000 Leute am Tag oder 50000 Zuschauer im Monat benötigt, um schwarze Zahlen zu schreiben. Aber so viele Besucher kann eine Show über einen langen Zeitraum einfach nicht ins Theater locken. Gerade der zweite Teil der Show ist von der Begeisterung des Publikums sehr motivierend für die Schauspieler. Ich habe den Amadeus jetzt über 370 mal gespielt, aber die Zuschauerreaktion motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Sicher werde ich eines Tages genug von Falco haben und dann werde ich gehen, bevor mich die Rolle langweilt.

Musical-World: Welches Publikum wollen Sie mit Falco meets Amadeus ansprechen?

Nicolaus Hagg: Schon in Berlin waren eigentlich alle Altersgruppen vertreten. Bei Falco meets Amadeus geht es um die 80er Jahre und alle diejenigen, die diese Zeit intensiv miterlebt haben, werden sich von FMA besonders angesprochen fühlen. Die 80er Jahre sind gerade ungeheuer in, obwohl ich persönlich die 70er viel cooler fand.

Musical-World: Was gehört neben den Auftritten noch zum Alltag eines Schauspielers?

Nicolaus Hagg: Es ist schon ein anstrengender Job. Ich habe noch einen kleinen Sohn und fahre meist direkt nach der Vorstellung zu meiner Familie. Aber manchmal ist man so geschafft, da reicht es dann noch nicht mal mehr in der Freizeit zum Sport, obwohl man sich gerade als Musicaldarsteller immens fit halten muss.

Musical-World: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Nicolaus Hagg: Ich drehe im Herbst einen Kinofilm, in dem ich in einer Nebenrolle zu sehen sein werde, und schreibe gerade an einer neuen Fernsehserie. Ich sitze am Computer, mein Kind schreit im Hintergrund, deshalb wird es was Lustiges!

Musical-World: Vielen Dank für dieses Interview und auch weiterhin viel Erfolg!

Berufliche und private Stationen von Nicolaus Hagg

Berufliche Stationen: Schauspielerausbildung (1991-1994 am Konservatorium der Stadt Wien), Engagements am Stadttheater Klagenfurt, am Wald4tler Hoftheater, der Studiobühne Villach, Mitglied des Ensembles Porcia und des Wiener Volkstheaters, Rollen in Film und Fernsehen (z.B. in „Heller als der Mond“, „Lieben wie gedruckt“, „Schlosshotel Orth“)

Privat: das schönste Hobby ist der kleine Sohn Julius
Autor für „Graumanns night mehr“, „Kabarett Simpl“ und zahlreiche Ö1-Rundfunksendungen, Drehbücher für „Money, Money“, „Kranke Schwester“ (Sternstunden Film), „Unser täglich Barok gib uns heute“ (Donauklöster) und den Kinofilm „Ginger und Frosch“ (Drehstart 2002)

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© Interview & Fotos by Stephan Drewianka

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