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  • Musical Sister Act im Theater
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Technische Daten:

Original Cast CD mit Zodwa Selele, Daniela Ziegler, Ina Trabesinger, Tetje Mierendorf
Gesamtaufnahme der deutschen Produktion aus dem Operettenhaus Hamburg
Musik: Alan Menken
 Deutsche Texte: Kevin Schröder, Heiko Wohlgemuth
Texte:  Don Black, Christopher Hampton
76 min, 01 sec
Stage Entertainment Studios 2011

Musical Sister Act auf CD

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Jede Nonne eine Wonne!

Basierend auf der Kino-Komödie Sister Act aus dem Jahre 1992 mit Superstar Whoopie Goldberg feierte die gleichnamige Bühnenadaption 2006 im Pasadena Playhouse Premiere, bevor das Stück am 02.06.09 nach London und schließlich am 02.12.10 nach Hamburg kam. Berühmt wurde Sister Act nicht nur durch die grandiose Nonne Whoopie Goldberg, die eigentlich nur Ersatz für die kurzfristig abgesprungene Bette Middler war, sondern auch durch die fantastische Filmmusik der singenden Nonnen, allem voran die Hymne “I Will Follow Him” - einem Hit von Peggy March aus dem Jahre 1963 nach der Melodie von "Chariot" von Petula Clark. Für das Musical, für das Whoopie Goldberg als Co-Produzentin gewonnen werden konnte, orientierten sich Cheri und Bill Steinkellner (Buch) und Glenn Slater (Texte) zwar ganz nah an der Filmvorlage, jedoch wurde die Musik von Musical-Veteran Alan Menken (Der kleine Horrorladen, Die Schöne und das Biest, Arielle, Aladdin, Pocahontas, Der Glöckner von Notre Dame, Hercules, Verwünscht und Rapunzel - Neu verföhnt) komplett neu geschrieben, so dass in der Bühnenadaption nicht ein Song aus dem Kinohit Verwendung findet. Hat man sich einmal damit abgefunden, “I Will Follow Him” eben nicht im Musical zu hören, entdeckt man an der musikalischen Seite von Sister Act, insbesondere auch in der deutschen Fassung, so einige fetzige Rhythmen, die sofort zum Mitklatschen einladen, obwohl sich beim ersten Hören auf der Einspielung kein echter Ohrwurm findet.

Die CD mit der Erstbesetzung aus Hamburg ist keine Live-Einspielung, sondern eine professionelle Studio-Aufnahme. Die Disco-, Soul-, Funk- und Gospel-Musik wurde von einer 15 köpfigen Band eingespielt, wobei die Streicher vom “German Pops Orchestra” oder wohl eher aus dem Synthesizer kommen. Jedoch reicht diese Band vollkommen aus, um den Nonnen den nötigen Dampf unter die Kutten zu blasen, musikalisch ist bei Pop- und Rockrhythmen kein großes Symphonieorchester erforderlich. Die junge Zodwa Selele (Cindy in Hairspray in Köln) ist eine großartige Deloris van Cartier, die als Nachtclubsängerin von einem Auftritt im berühmten Studio 54 träumt, aber dann Zeuge eines Mordes wird. Da ihr Liebhaber der Mörder ist und sie gern ebenfalls ins Jenseits befördern will, flüchtet Deloris zur Polizei, die sie undercover als Nonne in einem Kloster versteckt. Weil Deloris nichts besser kann als Singen, peppt sie den vernachlässigten Kirchenchor auf, so dass plötzlich die Menschen in die finanziell ruinierte Kirche pilgern, um den Schwestern beim Jubilieren zuzuhören. Der Ruhm spricht sich schnell herum und als sich sogar der Papst zu einem Besuch ankündigt und vom Kirchenchor in der Presse berichtet wird, erkennt Ganove Curtis Shank in Chorleiterin Mary Clarence seine gesuchte Deloris und schickt seine Männer ins Kloster, um der Bedrohung ein für allemal das Licht auszuhauchen...

Die 20 Titel der CD ergeben einen guten Eindruck von der Handlung ohne dass es sich um ein durchkomponiertes Musical handelt, bei dem die Songs die Handlung maßgeblich weiterführen. Die Lieder aus Sister Act charakterisieren viel mehr die einzelnen Charaktere der Show. Träumt Deloris in “Zeig Mir Den Himmel” zunächst von Ruhm und Geld als Sängerin, wird dieser Song in der Reprise später mit dem Nonnenchor die rockige Einladung zur heiligen Messe in der Kirche. Ähnlich ist es bei “Fabelhaft Baby”, bei der Deloris mit einer Karriere vor jubelnden Fans liebäugelt, im 2. Akt zu diesem Song jedoch fast ihre Freundinnen in der Kirche im Stich lässt. Schauspielerin Daniela Ziegler, die schon in Niedernhausen als Norma Desmond in Andrew Lloyd Webbers “Sunset Boulevard” beweisen konnte, welch ein Gesangstalent in ihr steckt, gibt als Mutter Oberin mit “Hier An Diesem Ort” den ruhigen und besinnlichen Part des Klosterlebens wieder, der krasse Gegensatz zum überschäumenden Charakter der Deloris.

Das Musical kommt aber erst dann richtig in swingenden Schwung, wenn die liebevoll bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Nonnen ins Spiel kommen. Wenn sie im witzigen “Meine Offenbarung” von ihrer Berufung ins Kloster erzählen, ist es eine Wonne, den Nonnen bei ihrer Beichte zuzuhören, ob nun die fressüchtige Mary Patrick (Martine de Jager) Jesus im Käsekuchen sah, die vom Schicksal um ihre Familie gebrachte Mary Lazarus (Sonja Martin) im Kloster Schutz suchte, oder die kleine Mary Robert (Ina Trabesinger) als Baby einfach auf den Altar gelegt wurde. Noch schöner ist die erste Gesangsstunde “Singt Hinauf Zum Himmel”, bei der Deloris erstmals ihrem Chor die ersten himmlischen Töne entlockt, auf die das Kloster später den unverhofften Ruhm gründet. Im “Sonntagmorgenfieber” beginnen dann die Nonnen sogar zu rappen.

Textlich geht es dabei alles andere als hochheilig her, doch mit einem Augenzwinkern kann man die deutsche Übersetzung von Kevin Schröder und Heiko Wohlgemuth (Die 13,5 Leben des Käptain Blaubär, Der Schuh des Manitu) durchaus als gelungen bezeichnen. Gutes Beispiel für Wortwitz ist dabei auch der von Curtis Shank alias Cusch Jung gesungene Titel “Ich Mach Sie Kalt”, in der sich zu zuckersüßer Melodie der Ganove die brutalsten Misshandlungen für seine Verräterin Deloris ausdenkt oder das schwülstige “Hey Schwester” bei dem die drei ausgeschickten Ganoven Bones (Tetje Mierendorf), TJ (Dave Mandell) und Dinero (Pedro Reichert) fest davon überzeugt sind, die Nonnen im Kloster durch ihre geballte Manneskraft vom Zölibat erlösen zu können. Ein weiteres Highlight ist Eddies Liebesgeständnis “Tief In Mir” von Mathieu Boldron, der zwar einen französischen Akzent besitzt, dieser aber bei d'amour eigentlich passender nicht sein könnte. Etwas besinnlich darf es auch werden: bei “Die Welt, Die Ich Nie Sah” versteht Nesthäkchen Mary Robert, dass sie doch nicht zur Nonne berufen ist und bei Sister Act reflektiert Deloris darüber, wie sie die Zeit im Kloster verändert hat und was ihr ihre Freundschaft zu den Nonnen wirklich bedeutet.

Die Musik zu Sister Act ist leicht, macht gute Laune und unterhält einfach gut. Seit Nonnsense weiß man, dass die religiösen Pinguine ein hohes Unterhaltungspotenzial besitzen und Sister Act schöpft aus allen Klischees und Vorurteilen ohne dabei wirklich beleidigend oder respektlos zu werden. Viel mehr sehnt man sich auch in der Realität nach einem Gottesdienst mit so himmlischen Schwestern, aber den gibt es wohl nur in der Glitzerwelt des Theaters.

© by Stephan Drewianka; Fotos: Stage Entertainment

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