Technische Daten:
Original Cast CD mit Steve Balsamo, Eric Woolfson, Fred Johanson
Concept-Album
Musik: Eric Woolfson
Texte: Eric Woolfson
47 min, 07 sec
LimeLight Records 2003
Musical POE auf CD
Musical-Diva Barbra Streisand entschuldigte sich einmal bei ihren Fans für die horrenden Eintrittspreise eines ihrer Wohltätigkeitskonzerte mit den Worten, dass jede Note, die sie singt, im Durchschnitt nur 50 Cent kosten würde und einige Noten sogar drei Dollar wert wären. Ob diese Rechnung auch für Eric Woolfsons neues Konzeptalbum “Poe” aufgeht, muss sich noch herausstellen, hat die Produktion dieser Musical-CD in den letzten sechs Jahren ein Budget von 1.000.000 Euro verschlungen.
Der ehemalige Kopf des Alan Parsons Project hat bereits langjährige Erfahrung im Bereich Musical und wer eins seiner Werke wie “Freudiana”, “Gaudi” und “Gambler” bereits in Wien, Alsdorf, Köln oder Mönchengladbach auf der Bühne erleben konnte, der weiss, dass man sich bei Eric Woolfson auf hochwertige Qualität mit besonderem künstlerischen Anspruch freuen kann.
Die Idee, ein Musical über die Träume und Visionen des Dichters Edgar Allen Poe zu schreiben, existierte bereits in den 70`er Jahren in Woolfsons Kopf. 2 Jahre nach Gründung des “Alan Parsons Project” erschien 1976 das Album “Tales of Mystery and Imagination”, an dem 300 Musiker teilnahmen und das sich weltweit über 8,5 Mio. Mal verkaufte. Kritiker wie Publikum waren gleichermassen von der perfekten Symbiose aus Rock und Sinfonie begeistert - technisch auf höchstem Niveau kam beim Grusel-Gothic -Song “The Raven” erstmals der digitale Vocoder zum Einsatz.
Und was damals begonnen wurde, wird jetzt konsequent weitergeführt: "Als ich vor fast 30 Jahren 'Tales of Mystery and Imagination' geschrieben und aufgenommen hatte, war mir sehr wohl bewusst, dass das Thema weit mehr hergibt, als ich zu dem damaligen Zeitpunkt erkundet hatte. Heute ist die Zeit reif, meinem alten Helden Edgar Allan Poe erneut einen Besuch abzustatten.", so Komponist Eric Woolfson. Er engagierte einen Chor von 80 Sängern, ein 40-köpfiges Orchester, den Musical-Star Steve Balsamo, der sich durch seine gefühlvolle Interpretation von Sir Andrew Lloyd Webbers “Jesus Christ Superstar” einen Namen gemacht hat, sowie exzellente Gastmusiker wie Laurena Cottle (Sting, Cher, Seal), Simon Chamberlain (Björk, Pet Shop Boys, Paul McCartney), Ralf Salmus (Madonna, Van Morrison, Mike Oldfield) und John Parricelli (Film "Corellis Mandoline"), um sein ehrgeiziges Projekt von damals fortzuführen.
„‘Tales Of Mystery And Imagination‘ war der Anfang meiner musikalischen Karriere“, sagt Woolfson, „trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hatte ich oft das Gefühl, dass ich meine Idee zu einem Konzeptalbum über Edgar Allan Poe nicht konsequent zu Ende geführt habe und dass der beste Teil des Werkes noch aussteht. Diese Lücke habe ich nun, nach mehr als dreißig Jahren, mit diesem Album geschlossen. Es enthält drei von Poes Erzählungen und eines seiner Gedichte, aber auch Einblicke in Episoden seines Lebens. Ein Leben, das oft bizarrer und unheimlicher war als sein literarisches Werk.“
Und musikalisch hat “Poe” einiges zu bieten: das opulente Werk ist irgendwo zwischen Musical und Rockoper angesiedelt, besticht durch die wogenden Klänge eines ganzen Symphonieorchesters, dem gewaltigen Chor und nicht zuletzt durch die schier unglaubliche Stimme von Ausnahmetalent Steve Balsamo , dessen Schlussakkorde sicherlich ebenfalls 3 Streisand-Dollar wert sind! Nach instrumentaler Einführung “Angel Of The Odd” führt Steve Balsamo uns bei “Wings Of Eagles” gleich in die luftigen Höhe seiner Rock-Röhre, bevor es nach einer Überleitung, die direkt aus Dr. Chakov´s Praxis bei “Freudiana” stammen könnte, hypnotisierend tickend in den souligen “Train Of Freedom” führt (da muss sich Poppa “Starlight Express” ernsthaft um Konkurrenz sorgen!).
Wunderbar balladig und gefühlvoll geht es “Somewhere In The Audience” weiter, bis “The Bells” fast weihnachtliche Gefühle eines durch Schneegestöber rauschenden Schlittens erweckt. In bester Alan Parsons Manier geht es dann wesentlich härter im dreiteiligen “The Pit And The Pendulum” für die Freunde des Rocks weiter, das in “The Murders In The Rue Morgue” gipfelt, wobei sich Woolfson hier hörbar am reisserischen Ambiente von “Murder” in “Jekyll & Hyde” inspirieren liess. Der “Tiny Star” versöhnt dann erneut die Freunde lyrisch-leichter Balladen, bevor Woolfson bei “Goodbye To All That” alle Register bester Ohrwurm-Unterhaltung zieht: dieser Chor-Titel mit den überraschenden Country-Einlagen fesselte mich gleich von der ersten Note und kann nur vom Final-Song “Immortal” übertroffen werden, bei dem Steve Balsamo träumerisch-verschlafen im stimmigen Refrain erwacht und sich bis zur übermenschlichen Unsterblichkeit ins Herz des Zuhörers singt. Tatsächlich ertappe ich mich immer wieder dabei, den CD-Player gleich mehrmals hintereinander mit den Titeln 11 und 12 zu programmieren!
Aufgenommen wurde "Poe - More Tales of Mystery and Imagination" im Studio 2 der legendären Abbey Road Studios, in dem auch schon die Beatles alle ihre Alben aufgenommen haben. Für die Weltpremiere der Aufführung der CD am 5.-8. November 2003 hatten die Abbey Road Studios zum allerersten Mal in ihrer Geschichte zugestimmt, Studio One in eine Konzerthalle mit 300 Sitzen, Bühne, Licht und Soundsystem zu verwandeln. Noch steht die Umsetzung für die Musicalbühne aus, doch nach diesem legendären Start kann man auf die “musical”ische Umsetzung gespannt sein!
Fazit: “All That We See Or Seem Is But A Dream Within A Dream”
Zur Weltpremiere der Show erscheint am 28.08.09 eine Neuauflage des Albums, welchen zum ersten Mal alle 17 Songs des Musicals komplett auf einer CD vereint.
Zu hören sind neben 9 Songs der Studio-Version eine neu orchestrierte Version des Stückes Tiny Star, sowie 7 weiterer Live -Tracks der spektakulären Vorführung in den Abbey-Road Studios.
Mehr zur Weltpremiere von POE im Theater lesen Sie hier!
© by Stephan Drewianka
Alles zum Thema Poe bei Sound Of Music.





