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Produktionsnotizen Das Phantom der Oper

Daten und Fakten zum Musical Phantom der Oper

Andrew Lloyd Webbers Das Phantom der Oper ist mehr als nur ein Musical, es ist ein Phänomen. Mit Einnahmen von mehr als 3,2 Milliarden Euro ist das auf dem gleichnamigen Roman von Gaston Leroux beruhende Musical erfolgreicher als jede andere Theater- oder Kinoproduktionen. Das Musical ist seit seiner Uraufführung am 9. Oktober 1986 in London mehr als 65.000 Mal aufgeführt und schätzungsweise von 80 Millionen Menschen in 18 verschiedenen Ländern gesehen worden. Phantom der Oper-Inszenierungen sind mit mehr als 50 renommierten Theaterpreisen ausgezeichnet worden, darunter auch mit sieben Tony Awards. Die Musik zum Musical Phantom der Oper wurde 1987 erstmals als Album veröffentlicht. Die Rolle des Phantoms wurde dabei von Michael Crawford gesungen und die der Christine von Sarah Brightman. Mit mehr als 40 Millionen verkauften Kopien ist das Album das erfolgreichste Ensemble-Album aller Zeiten. Sowohl in Großbritannien als auch den USA schnellte die Platte sofort auf Nummer Eins in den Album Charts. Ein weiterer Beweis der anhaltenden Popularität dieses Musicals ist das Vorhaben, Das Phantom der Oper als permanente Bühnen-Show im Venetian Hotel-Casino in Las Vegas zu installieren. Die Premiere ist für den Frühling 2006 angesetzt, und derzeit wird an einer 20 Millionen Euro teuren, speziell für Das Phantom der Oper entworfenen Bühne gebaut. Die Las Vegas Show wird eine Reihe an einmaliger, bisher ungesehener Spezial-Effekte enthalten, wie z.B. einen explodierenden Kronleuchter.


Entstehung des Musical-Films von Joel Schumacher

Joel Schumachers opulente Kinoadaption des Phantoms der Oper führt Fans des Musicals in eine Welt, die weit über die Grenzen der Theaterbühne hinausreicht und den Zuschauer mit Romantik, bewegender Musik und einem spannendem Drama verzaubert. Lerouxs Geschichte von dem entstellten musikalischen Genie, das sich in den Katakomben der Pariser Oper vor der Menschheit versteckt und sich in die junge Sopranistin Christine verliebt, wurde erstmals 1911 veröffentlicht. Immer wieder wurde der Stoff in Film- und Fernseh-Adaptionen verarbeitet, doch Joel Schumacher betont, dass sich Andrew Lloyd Webbers Version der Geschichte grundlegend von anderen unterscheidet: „Andrew zeigt das Phantom als tragischen Liebhaber und verwundbaren Romantiker und nicht nur als Monster, vor dem man Angst haben muss. Außerdem hat er die Beziehung zwischen dem Phantom und Christine zu einer glaubhaften Liebesgeschichte werden lassen.“ „Das Phantom  ist für mich von großer persönlicher Bedeutung“ sagt Lloyd Webber, der in seiner Karriere als Komponist und Produzent so legendäre Musicals wie Jesus Christ Superstar, Evita, Cats, Starlight Express und Sunset Boulevard kreiert hat. Für seine Musicals ist er bisher mit sieben Tony Awards, drei Grammys, sowie einem Golden Globe und einem Oscar (für Evita) ausgezeichnet worden.

Andrew Lloyd Webber hatte Joel Schumacher erstmals 1988 angesprochen, ob er daran interessiert wäre, Regie zur Kinoadaption des Phantoms zu führen. Zu diesem Zeitpunkt feierte das Musical gerade Premiere am New Yorker Broadway und Lloyd Webber wollte gerne einen Film daraus machen. Auf der Suche nach einem geeigneten Regisseur war ihm Joel Schumachers Vampir-Thriller The Lost Boys aufgefallen. „Ich war begeistert von Joels umwerfender Bildersprache, seinem visuellen Stil. Auch wie effektiv er Filmmusik einsetzte, fand ich großartig“, erinnert sich Lloyd Webber und fügt hinzu: „Ein Grund, warum mir die Zusammenarbeit mit Joel so viel Freude bereitet ist, dass er einfach ein gutes Ohr für Musik hat. Er versteht, wie die Musik einer Geschichte Dynamik verleiht.“ Dann aber ließ sich Lloyd Webber von Phantom-Star Sarah Brightman scheiden. Sie war seine Muse und die Frau, die ihn zur Figur der Christine inspiriert hatte. Aus diesem Grund entschloss sich Lloyd Webber, die Produktion des Films zunächst einmal aufzuschieben. In den darauf folgenden Jahren fragte Lloyd Webber immer wieder bei Schumacher an, ob er Lust habe, Das Phantom zu verfilmen. Schumacher musste ihm jedoch auf Grund von Zeitmangel immer wieder eine Absage erteilen – er war damit beschäftigt, Blockbuster wie Batman Forever, Die Jury, Der Klient, Falling Down und Nicht Auflegen! zu drehen. Im Dezember 2002 war es dann endlich soweit: Die beiden alten Freunde trafen sich zum Abendessen in London. Lloyd Webber schlug erneut vor, endlich gemeinsam den lang geplanten Film zu produzieren. „Ich hatte gerade eine ganze Reihe an recht dunklen, experimentellen Filmen statt der kommerziellen Blockbuster gedreht, für die ich früher bekannt war,“ erklärt Schumacher und bezieht sich dabei auf Filme wie Makellos, Tigerland, Die Journalistin und Nicht Auflegen!. Letzteren hatte er innerhalb von nur 12 Tagen gedreht. „Phantom war ungefähr das genaue Gegenteil von 12 Tagen in einer Telefonzelle und das das fand ich gut. Ich habe schon an so vielen Filmgenren gearbeitet, aber ich hatte noch nie Regie bei einem Musical geführt. Für mich war das eine echte Herausforderung und genau die habe ich gesucht.“

Für Schumacher waren es die Figuren in Gaston Lerouxs Geschichte, die ihn 1988 am Phantom der Oper fasziniert hatten und die ihn auch Jahre später wieder an diesem „einzigartigen Kinoprojekt“ begeisterten. Schumacher ist der Ansicht: „Der Grund, warum diese tragische Liebesgeschichte so eine Resonanz in unserer Kultur gefunden hat, ist der, dass wir uns mit dem Phantom identifizieren. Das Phantom ist die Verkörperung unseres eigenen Mangels an Selbstliebe. Wir alle haben Seiten, die wir nicht mögen und für die wir uns schämen. Das Phantom ist eine herzzerreißende traurige Figur – ähnlich wie der Glöckner von Notre Dame oder das Biest in Die Schöne und das Biest.“ Ein weiterer Grund, der Schumacher dazu bewegte, an diesem Film zu arbeiten, war, dass „es Millionen von Menschen gibt, die es sich nicht leisten können, das Musical live auf einer Bühne zu sehen. Oder sie wohnen einfach viel zu weit von einer Stadt entfernt, wo das Musical aufgeführt wird. Man denke nur einmal an berühmte Musicals wie Meine Lieder, Meine Träume; West Side Story oder Chicago – wie viel mehr Menschen hatten durch die Verfilmungen die Möglichkeit sich das Musical im Kino und außerhalb der Bühne anzuschauen? Es gibt viele Menschen, die Andrews Musik lieben und das Musical immer schon gerne gesehen hätten – jetzt haben sie die Chance dazu.“ Beim Schreiben des Drehbuchs bauten Schumacher und Lloyd Webber die Handlung des Musicals noch weiter aus. „Im Musical auf der Bühne wird die Vergangenheit des Phantoms erwähnt, aber nie gezeigt“, erklärt Lloyd Webber. „Das war eine wichtige Abweichung vom Original, denn so sind seine Persönlichkeit und seine Handlungsweise viel verständlicher.“ „Das Bühnen-Musical konzentriert sich auf das Phantom, Christine und Raoul“, fügt Schumacher hinzu. „Wir wollten mehr von diesen Figuren zeigen, ihren Hintergrund und ihre Geschichte. Gleichzeitig war es mir aber auch wichtig, dem Zuschauer einen besseren Einblick in das Leben des Opernhauses zu geben und seine Bewohner – die Bühnenbildner, Maler, Perückenmacher, Tänzer und Sänger – mit in die Geschichte einzubauen.“ Schumacher macht für die gute Zusammenarbeit mit Lloyd Webber nicht nur die alte Freundschaft zwischen den beiden verantwortlich, sondern auch die Tatsache, „dass ich mich ums Filmen und er sich um die Musik kümmert. Er ist ein Genie was Musik anbelangt und hat sein gesamtes Talent auf die musikalische Gestaltung des Filmes konzentriert. Aber ansonsten hat er mir enorme Freiheiten gelassen und es mir erlaubt, meine Vorstellungen zu verwirklichen.“ Lloyd Webber ist äußerst zufrieden mit dem Resultat: „Der Film klingt großartig und sieht umwerfend aus. Er weicht nicht zu sehr von dem Original ab, hat aber gleichzeitig eine größere emotionale Tiefe. Auf visueller Ebene ist er komplett anders als das Bühnen Musical, aber die Essenz des Ganzen ist immer noch dieselbe. Und das ist genau das, was ich mir erhofft habe.“


Die Darsteller und Figuren

Die richtige Besetzung für Das Phantom der Oper zu finden, war sowohl für Schumacher als auch Lloyd Webber eine der größten Herausforderungen in der Herstellung des Films.
Schumacher sah den Film als eine junge, sexy Liebesgeschichte und wollte daher unbedingt neue, unbekannte Gesichter für die Hauptrollen finden, insbesondere für die Figur der Christine.
„Christine wirkt vor allem deswegen so bezaubernd, weil sie so unschuldig ist. Ihre Liebe für ihren toten Vater ist bedingungslos und sie glaubt tatsächlich, dass er ihr mit dem Phantom den ‚Engel der Musik’ geschickt hat, den er ihr an seinem Sterbebett versprochen hatte, “ so Schumacher. „Deswegen mussten wir eine junge Frau finden, die genau diese jugendliche Unschuld ausstrahlt. Und gleichzeitig brauchten wir zwei junge, umwerfend charismatische Schauspieler, zwischen denen sich Christine entscheiden muss.“
Schumacher ist berühmt dafür, dass er in seinen Filmen immer wieder jungen Schauspielern eine Chance gegeben und so die Karrieren von einigen der größten Hollywood Stars unserer Zeit ins Rollen gebracht hat, u.a. Julia Roberts in Flatliners, Demi Moore in St. Elmo’s Fire, Kiefer Sutherland in The Lost Boys und Colin Farrell in Tigerland und Nicht Auflegen!.
„Wir alle wissen, dass Joel eine gute Nase für neue Stars hat“, so Lloyd Webber, der beim Casting jegliche Entscheidungen bezüglich der schauspielerischen Talente der Kandidaten Schumacher überließ. Ihn interessierten viel mehr ihre Gesangskünste, und ob der Klang ihrer Stimmen zueinander passte. „Für mich war es absolut ausschlaggebend, dass wir Schauspieler finden, die wirklich singen können“, betont Lloyd Webber, „denn die Lieder sind das Herz des gesamten Stücks.“
Gerard Butler nahm heimlich Gesangsstunden bei dem musikalischen Leiter des Phantoms Simon Lee, um sich auf das Vorsingen bei Lloyd Webber vorzubereiten.  Nichts konnte ihn jedoch wirklich auf den Augenblick der Wahrheit vorbereiten:   „Plötzlich stehe ich da vor Andrew Lloyd Webber in seinem Haus“ , erinnert sich Butler. „Simon begann Klavier zu spielen und ermahnte mich, auf meine Atmung zu achten und ich dachte mir: Ich werd hier jetzt gleich ‚Music of the Night’, eins der berühmtesten Lieder der Welt, dem Komponisten vortragen. Bei dem Gedanken bekam ich butterweiche Knie.“
Butler nahm auch während der Dreharbeiten weiterhin Gesangsunterricht und arbeitete gleichzeitig intensiv an der Körpersprache des Phantoms. „Ich wollte dem Phantom eine ganz spezielle Stimme und Körpersprache verleihen. Kino ist eben ein komplett anderes Medium als Theater. Auf der Bühne kann man übertreiben und dramatisch gestikulieren. Im Kino muss man sich viel realistischer und menschlicher bewegen. Vor der Kamera ist viel weniger Platz für Melodrama als auf der Bühne.“
Die perfekte Besetzung für die junge Chorsängerin Christine Daae zu finden, war eine enorme Herausforderung für die Filmemacher, denn die Rolle erfordert einerseits eine fast schon kindliche Unschuld und andererseits eine perfekt ausgebildete Stimme. Nachdem Schumacher schon ein halbes Dutzend möglicher Christinen hatte vorsprechen lassen, traf er die damals 16-jährige Emmy Rossum.
„Es war als hätte der Blitz eingeschlagen“, erinnert sich Schumacher an die Begegnung mit Rossum. „Sie ist nicht nur eine ausgezeichnete Schauspielerin, sondern hatte schon als Siebenjährige ihre Gesangsausbildung an der Metropolitan Opera in New York begonnen. Sie kam als Letzte zum Casting und hätte die Probeaufnahmen beinahe sausen lassen, weil sie zu einer Familienfeier nach Las Vegas musste. Glücklicherweise konnte ich sie überreden, doch zu den Probeaufnahmen zu kommen!“
„Wir haben uns an einem Donnerstag getroffen, und Joel fragte mich: Kannst du am Samstag zu Probeaufnahmen in New York sein?“ erinnert sich Rossum, die zu dem Zeitpunkt gerade die Dreharbeiten zu Roland Emmerichs Blockbuster The Day After Tomorrow abgeschlossen hatte. „Eine Woche darauf musste ich dann in Andrews Haus vorsingen. Ich war so nervös! Ich war gerade dabei, meine Stimme aufzuwärmen und mich einzusingen, als plötzlich Andrew ins Wohnzimmer kommt, sich ohne sich vorzustellen aufs Sofa setzt und nur kurz sagt: „Soll es los gehen?’“
Das Vorsingen verlief bestens und Rossum konnte Lloyd Webber überzeugen: „Emmy hat eine fantastische Stimme!“ begeistert sich Lloyd Webber.
Rossum sieht Christine vor allem als ein einsames Mädchen, das sich nach der Liebe und Geborgenheit sehnt, die sie durch den Tod ihres Vaters verloren hat. „Christine sehnt sich so sehr nach der Liebe ihres Vaters, dass sie die Stimme des Phantoms für den ‚Engel der Musik’ hält, den ihr Vater ihr am Sterbebett versprochen hatte. Und sie entdeckt, dass das Phantom und sie viel gemeinsam haben: Genau wie sie ist auch er einsam und verwundet. Ihre Beziehung beruht anfangs auf gegenseitiger Zuneigung und Bewunderung für das Talent des anderen. Aber im Laufe der Geschichte wird Emmy erwachsener und gewinnt an Selbstsicherheit. Dadurch verändert sich ihre Beziehung zum Phantom.“
In der Tat: Das Phantom verliebt sich in Christine, wird fast schon süchtig nach ihr. Als Christine sich in den Grafen Raoul de Chagny, den reichen Mäzen der Oper, verliebt, verwandelt sich die Liebe des Phantoms in Besessenheit. Nach Jahren der Einsamkeit kann er die Zurückweisung durch Christine einfach nicht verkraften. „Er ist geblendet vor Eifersucht und Wut und denkt, wenn er eine Oper für sie schreibt, kann er sie zurückerobern“, so Butler.
„Christine und Raoul verbindet eine unschuldige, romantische Liebe. Ihre Beziehung zum Phantom dagegen hat einen sehr erotischen, sehr leidenschaftlichen Unterton“, meint Schumacher. „Wenn das Phantom nicht so gewalttätig und verrückt geworden wäre, hätte es zwischen den beiden vielleicht eines Tages klappen können.“
Für die Rolle des Grafen Raoul de Chagny fanden die Filmemacher Patrick Wilson, der sich am New Yorker Broadway in den Musicals Oklahoma!  und The Full Monty einen Namen gemacht hatte. Für seine Rolle in der HBO Miniserie Angels in America ist er für einen Emmy nominiert worden.
„Ich hatte Patrick auf der Bühne gesehen und wusste, dass er wunderschön singen konnte“, erinnert sich Schumacher. „Er ist ein ausgesprochen talentierter Schauspieler und hat eine Engelsstimme.“
Auch Lloyd Webber kannte Wilsons Broadwayerfolge. „Patrick ist ein Naturtalent, ein klassischer Tenor von der Bühne. Er war einfach großartig in Oklahoma!“
Für die Rolle der Madame Giry, der Leiterin des Ballett Ensembles, konnte Joel Schumacher die vielseitige und zweimal für einen Oscar nominierte, britische Schauspielerin Miranda Richardson gewinnen. 
„Madame Giry ist der eigentliche Auslöser für die Geschichte, denn sie war es, die das Phantom in die Oper gebracht hatte. Nur sie weiß, wer das Phantom wirklich ist“, erklärt Richardson, die erstmals 1992 mit dem Thriller The Crying Game internationales Aufsehen erregte. Richardson fügt hinzu: „Das Leben des Phantoms ist sehr theatralisch und sie liebt das an ihm. Ihre Welt ist die Oper, das ist ihre Familie, ihr Leben.“
Richardson fährt fort: „Im Bühnen-Musical ist Madame Giry eine sehr strenge und harte Person. Sie geht mit ihren Ballett-Tänzerinnen fast schon kaltschnäuzig um. Sie läuft auf der Bühne herum wie ein riesiges Ausrufezeichen. Aber im Innern ist sie eigentlich eine Romantikerin und recht leidenschaftlich. Joel und ich haben viel darüber gesprochen, dass wir im Film mehr von ihrer weicheren Seite zeigen wollten.“
Joel Schumacher über die Figur der Madam Giry: „Ich wollte dem Publikum Madame Girys Beziehung mit dem Phantom besser erklären. Dieser Aspekt der Geschichte war bisher immer unklar und hat mich fasziniert.“
Da Richardson noch nie Ballettunterricht genommen hatte, entschied sie sich dazu, während der Dreharbeiten an den Ballettstunden des Ensemble teilzunehmen. „Ich hatte das Gefühl, dass ich die Strenge der Ballett Welt am eigenen Körper kennen lernen musste. Nur so versteht man sie wirklich. Madame Giry tanzt zwar nicht mehr, aber sie leitet ein Ballett-Corps und deswegen hat sie immer noch die Mentalität und Disziplin einer Ballerina.“
Die einzige Person, die sich mit der Theatralik des Phantoms messen kann, ist die temperamentvolle Diva des Opernhauses: La Carlotta, gespielt von Minnie Driver.  Driver, die vor allem durch Good Will Hunting und Ein Perfekter Ehemann bekannt ist, stellt im Phantom der Oper ihr komisches Talent unter Beweis.
„Carlotta war 1870 was heutzutage David Beckham oder Madonna sind“, beschreibt Driver ihre Rolle. „Sie hatte eine umwerfende Präsenz und sieht sich als Nabel der Welt. Ihre Mitmenschen sind für sie nur Satelliten, die um ihre Sonne kreisen.“
Obwohl Driver selbst eine talentierte Sängerin ist, ließ sie ihre Gesangszenen im Film synchronisieren. „Für diese Rolle braucht man einfach eine Opernausbildung und ich kann nur davon träumen, meine Stimme so hoch hinauf klettern zu lassen wie La Carlotta.“
La Carlottas Dialoge stammen jedoch weitestgehend von Driver. „Joel ließ mich improvisieren und ich hab einfach meine innere Diva heraus gelassen“, lacht Driver und fügt hinzu: „Am Anfang meinte Joel zu mir: ‚Weißt du Darling, die wenigsten Leute wollen Untertreibungen im Kino sehen. Übertreib’ nur schön weiter!’“
„Ich hatte es im Gefühl, dass Minnie eine tolle Carlotta abgeben würde, aber sie hat es sogar geschafft, mich zu überraschen“, sagt Schumacher. „Viele ihrer besten Momente im Film sind Improvisationen, denn sie hat einfach einen erstklassigen Sinn für Humor. Sie war einfach perfekt für diese Rolle – die ultimative Diva!“
Die Figuren der beiden eifrigen Operndirektoren wurden von den beiden Charakterdarstellern Simon Callow (Shakespeare in Love) und Ciaran Hinds (Road to Perdition) gespielt.
Hinds sagt über seine Rolle: „Joel meinte zu mir, ich müsse mir vorstellen, ich würde einen Gebrauchtwagenhändler spielen: ein wenig angeberisch und neureich.“ Callow fügt hinzu: „Die beiden sind wie siamesische Zwillinge. Sie haben ihr Geld als Schrotthändler verdient und sind jetzt ganz begeistert, dass sie es in die Theaterwelt geschafft haben. Aber wie die meisten Leute, bereuen sie diesen Schritt schon bald.“


Die Musik

Das Album mit den Aufnahmen des Original-Ensembles von Das Phantom der Oper wurde weltweit mehr als 40 Millionen Mal verkauft und ist somit das meist verkaufte Album seiner Art. Es war das erste Ensemble Album, das sich direkt an die Spitze der britischen Charts setzen konnte. Der Komponist und Produzent des Musicals Andrew Lloyd Webber hat mit seinen unvergesslichen Melodien zahlreiche Preise gewonnen und weltweites Ansehen erlangt.
„Andrew hat mit seiner Musik Millionen von Menschen bewegt“, so Joel Schumacher.  „Im Phantom jagt ein unvergessliches Lied das andere. Die Melodien gehören zu den schönsten, die jemals geschrieben wurden. Und die Liedertexte von Charles Hart sind wirklich atemberaubend.“
„Diese Musik lässt einen einfach nicht los“, fügt Gerard Butler hinzu. „Ich habe sie jetzt schon so oft gehört, aber ich bekomme jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut.“
Auch wenn einem Lloyd Webbers Melodien nicht aus dem Ohr gehen, so sind die Arien doch schwierig zu singen und eine echte Herausforderung für jeden professionellen Sänger. „Ohne meine Gesangsausbildung an der Met hätte ich diese Rolle nicht meistern können“, so Emmy Rossum, die im zarten Alter von sieben in den Chor der berühmten Metropolitan Oper in New York aufgenommen wurde.
Der Film gab Lloyd Webber die Möglichkeit, sich aufs Neue mit seinen Kompositionen auseinander zusetzen. Dieses Mal hatte er genügend Geld, um seine viel geliebten Melodien mit einem großen Sinfonieorchester aufzunehmen. Da das Drehbuch mehrere neue Szenen aufwies, die nicht im Original -Musical enthalten waren, gab ihm der Film zudem die Gelegenheit, die Partitur zu erweitern und mehr Hintergrundmusik sowie ein neues Lied hinzuzufügen. Es war nicht das erste Mal, dass Lloyd Webber Filmmusik komponierte. Er hatte zuvor schon den Soundtrack zu Auf leisen Sohlen und Der Fall Odessa geschrieben.
Um seine musikalischen Vorstellungen für den Film zu verwirklichen, arbeitete Lloyd Webber wieder mit seinem vertrauten Team zusammen: Musikalischer Co-Produzent Nigel Wright und der musikalische Leiter des Musicals Simon Lee. Wright und Lloyd Webber arbeiten nun schon seit 15 Jahren zusammen und haben gemeinsam viele Soundtracks und Alben produziert, darunter auch den Soundtrack zu Alan Parkers Film Evita (1996). Aber wie Wright betont: „Das Phantom ist das Projekt, auf das wir alle jahrelang gewartet haben. Größer geht’s nicht!“
Simon Lees Arbeit begann im Februar 2003, schon sieben Monate vor Beginn der Dreharbeiten. Er musste die Stimmen der Darsteller trainieren. Nur so konnte sicher- gestellt werden, dass ihre Gesangskünste Lloyd Webbers hohen Anforderungen entsprachen. Besonders die Rolle des Phantoms war dabei eine echte Herausforderung. „Gerry hat keine Gesangsausbildung, aber er hat früher in einer Band gesungen“, so Lee. „Er hat während unserer Zusammenarbeit Unglaubliches erreicht. Ich bin wahnsinnig stolz auf ihn!“
Die Dreharbeiten für einen Film, bei dem Musik im Vordergrund steht, sind nie einfach. Aber beim Phantom der Oper waren sie noch komplizierter als normalerweise bei einer Musical-Verfilmung. Wright erklärt: „Bei jedem anderen Musical, das ich bisher gedreht habe, war der Prozess immer folgender: Man probt das Ganze durch, dann nimmt man die Musik auf und dann benutzt man Playback, um die Szenen zu filmen. Beim Phantom haben wir das anders gemacht. Da haben wir die Musik immer nur kurz vor dem eigentlichen Filmen der Szenen aufgenommen, denn bei den Proben haben sich viele Szenen noch verändert und wir wollten flexibel bleiben.“
Dies bedeutete, dass die Gesangsstücke immer wieder neu aufgenommen wurden.  Im Büro von Lloyd Webber in den Pinewood Studios wurde dazu eigens ein Studio eingerichtet, wo die Schauspieler ohne viel Aufheben zwischen Probe und Dreharbeiten ein Lied noch einmal neu aufnehmen konnten. Sowohl für die Schauspieler als auch die Filmemacher war das ein sehr organischer Prozess. Für Wright und seine Leute wurden die Dreharbeiten jedoch ziemlich kompliziert. „Am Anfang der Dreharbeiten sind wir sehr schnell vorangekommen und hatten drei Wochen Vorsprung. Aber am Ende hatten wir dann gerade noch drei Stunden Vorsprung. Oft war es so, dass wir morgens um 6 Uhr ein Lied neu aufgenommen und gemixt und es dann drei Stunden später um 9 Uhr gefilmt haben.“
Für die meisten Szenen bediente sich Lloyd Webber eines 28-köpfigen Orchesters. Nur in manchen Fällen ließ er die Musik von einem kompletten Sinfonieorchester aufnehmen.
 Die zentralen Melodien des Musicals sind Christines Arie „Think Of Me“, durch die sie von der Chorsängerin zum Opernstar avanciert; „Angel Of Music“, das bewegende Duett zwischen dem Phantom und seinem Schützling; die Titelmelodie „The Phantom Of The Opera“, mit der das Phantom Christine in seine Höhle lockt; „All I Ask Of You“, das romantische Duett zwischen Christine und Raoul auf dem Dach der Oper; „Masquerade“, das den spektakulären Maskenball einleitet und „The Point Of No Return“, das spannungsgeladene Duett zwischen dem Phantom und Christine während der Premiere der vom Phantom komponierten Oper Don Juan Triumphant!.
Patrick Wilson war überrascht, wie eifersüchtig und emotional er reagierte, als er Rossum und Butler beim Filmen von „Point of No Return“ zuschaute: „Ich hatte die letzten drei Monate damit verbracht, romantische Liebeszenen mit Emmy zu drehen und immer wieder nur von diesem anderen Typen gehört. Als ich sie dann endlich zusammen vor der Kamera sah und erkannte, was für eine Leidenschaft da zwischen den beiden existierte, war das einfach herzzerreißend für mich! Genauso muss sich Raoul gefühlt haben!“
Nachdem Joel Schumacher seinen ersten Rohschnitt fertig gestellt hatte, setzte sich Lloyd Webber noch einmal an die Hintergrundsmusik um zu sehen, ob bestimmte Szenen neu geschrieben oder erneut aufgenommen werden müssten. Dabei entschied er sich, die Szenen aus der Kindheit des Phantoms sowie die dramatische Szene auf dem Friedhof noch einmal neu zu untermalen. „Als ich sah, wie Raoul zu dem Friedhof reitet, war mir klar, dass wir hier ein neues musikalisches Motiv brauchten, denn hier erfahren wir mehr über Raoul. Einfach nur ein existierendes Motiv zu wiederholen, wäre im Rahmen der Geschichte nicht richtig gewesen“, so Lloyd Webber.
Zudem komponierte Lloyd Webber noch ein neues Lied für den Abspann des Films.
Die endgültigen Musikaufnahmen fanden in den berühmten Abbey Road Studios statt. Das handverlesene Orchester wurde von Simon Lee dirigiert. Lee ist begeistert von dem Resultat: „Der Sound ist überwältigend. Genau wie Andrew sich das vorgestellt hatte.“

Die Welt des Phantoms der Oper

Genau wie das Musical spielt auch der Film im Paris von 1870, einer Zeit großer Leidenschaft und des Wohlstands. „Diese kurze Ära war wie ein goldener Augenblick der Unschuld“, so Joel Schumacher. „Das war kurz bevor die Preußen vor Paris aufmarschiert sind und der französisch-preußische Krieg begann.“ Diese Ära war perfekt von der mittlerweile verstorbenen Bühnenbildnerin Maria Bjornsson für das Bühnen-Musical eingefangen worden. Der Film musste die Welt des Phantoms jedoch in viel größerem Detail zeigen als es bei einem Musical nötig gewesen wäre. Die einmalige Aufgabe, einerseits den damaligen Zeitgeist darzustellen und andererseits ein stilisiertes Musical-Szenario zu schaffen, fiel auf den Produktionsdesigner Anthony Pratt. „Ich bin schon seit langem ein großer Fan von Tony und seiner Arbeit, und wir hatten unheimlich viel Glück, ihn zu bekommen,“ so Schumacher über Pratt, der 1987 eine Oscar-Nominierung für den Film Hope and Glory – Krieg der Kinder erhalten hatte sowie eine Emmy-Nominierung für die Mini-Serie Band of Brothers – Wir waren wie Brüder. „Einfach allein die Größe dieses Projekts war eine grandiose Herausforderung, die ich nicht an mir vorübergehen lassen wollte“, so Pratt. „Alles an diesem Film und dieser Geschichte ist so romantisch und emotionsgeladen.“ Pratt ließ sich einerseits von Bjornssons Bühnenbildern inspirieren, gleichzeitig aber auch von einer Reihe von Künstlern der damaligen Zeit, u.a. John Singer Sargent, Gustave Caillebotte und Edgar Degas. Außerdem besuchte er die Pariser Oper und entwickelte so ein sehr romantisches, verschwenderisches Design, das die Romantik und Leidenschaft der Handlung unterstreichen sollte.

Das Set zu Das Phantom der Oper wurde auf acht Bühnen in den legendären Pinewood Studios bei London gebaut. Im Laufe von 40 Wochen verbrauchte Pratt 73 Tonnen Stahl, 15.000 Liter Farbe, 150.000 Metern Holz und 82.000 Metern Gerüste. Die Opera Populaire, der Handlungsort der Geschichte, ist gestalterisch angelehnt an das größte Opernhaus der Welt, der Pariser Oper, auch Opera Garnier genannt, nach ihrem Architekten Charles Garnier. „Die Pariser Oper ist atemberaubend schön, aber sie ist auch etwas steril. Sie hat irgendwie etwas Amtliches und Offizielles. Für die Opera Populaire wollte ich eine intimere Atmosphäre kreieren. Das Gebäude sollte sich anfühlen wie eine attraktive, sexy Frau“, so Schumacher. Zusätzlich zu Schumachers Vorstellungen verwirklichte Pratt auch seine eigenen Ideen für das Set: „Die Geschichte hat auch etwas sehr Unheimliches, man hat ständig die Vorahnung, dass etwas Schreckliches passieren wird. Deswegen wollte ich dem Set auch eine gewisse makabre Stimmung geben.“ Ohne die Garnier Oper nachbauen zu wollen, wollte Pratt dennoch ihre opulente Atmosphäre wiedergeben. Sein Team konstruierte einen Zuschauersaal mit 886 Sitzen, einschließlich mehrerer Logen. Der tiefrote Samtvorhang, passend zu den Sitzen wirkt umso prunkvoller durch den Kontrast zu der strahlend goldenen Vorbühne.

Der Kronleuchter

Eins der spektakulärsten Details des Filmsets – und auch ein wichtiges Handlungselement – ist der prächtige Kronleuchter im Zuschauerraum. In einer der Schlüsselszenen des Films lässt das Phantom den Kronleuchter auf die Zuschauer stürzen, woraufhin das Opernhaus in Flammen aufgeht. Für die Dreharbeiten mussten drei verschiedene Kronleuchter gebaut werden: ein „Glanzstück“ für die normalen Dreharbeiten, ein „Stunt“-Leuchter für die Sturz-Szenen sowie ein modernisierter Leuchter für die Rahmenhandlung, die im Jahre 1919 spielt.  Pratt richtete sich im Design des Kronleuchters weitestgehend nach dem Leuchter, der im Zuschauerraum der Garnier Oper hängt. „Der Garnier Kronleuchter ist überwältigend schön. Allerdings ist bei ihm auch viel Metall zu sehen und Joel wollte, dass der Leuchter nach außen hin nur aus Kristall und Glas besteht, ohne aufwendige Metallverzierungen. Aber die Silhouette ist die gleiche.“ Der Kronleuchter wiegt 2,2 Tonnen und hat einen geschätzten Wert von 1.1 Millionen Euro. Er besteht aus mehr als 20.000 geschliffenen Swarovski-Kristallen, die weltweit für ihre Brillianz bekannt sind. Swarovski-Kristalle bestehen aus optisch purem Glas und Swarovski-Kronleuchter lassen u.a. die New Yorker Metropolitan Opera sowie das Schloss von Versailles in ihrem einzigartigen Glanz erstrahlen. Der Bau des Kronleuchters dauerte vier Monate und Pratts Handwerker brauchten vier volle Tage, um das gute Stück an der Decke der Pinewood Studios zu befestigen. Der Rest des Sets wurde erst gebaut, nachdem der Kronleuchter angebracht war.

Der Maskenball

Für den spektakulären Maskenball im majestätischen Opernfoyer ließ Pratt ein Set bauen, das sich zwar an die Garnier Oper anlehnt, dessen Proportionen jedoch speziell für die Filmkamera konstruiert sind. „Das Foyer der Garnier Oper strebt nach oben, aber die Kamera macht horizontale Aufnahmen. Deswegen ist das ganze Set horizontal ausgelegt. Aber wir haben uns von Garniers wunderbaren Treppenläufen inspirieren lassen, nur eben dass unsere Treppe über zwei Etagen verläuft und mit zusätzlichen kleinen Balkons und provokativen Marmorstatuen ausgestattet ist.“ Auf Schumachers Vorschlag hin wurde der Bereich hinter der Bühne der Opera Populaire in dem so genannten Nord Tunnel der Pinewood Studios gebaut. Der Nord Tunnel ist ein Durchgangsbereich, der normalerweise nicht für Dreharbeiten benutzt wird. Hier ließ Schumacher das Labyrinth an Garderoben, Werkstätten und Ankleideräumen errichten, das sich hinter den Opern-Kulissen verbirgt. Dadurch, dass der Nordtunnel direkt an das Set mit dem Zuschauersaal und der Opernbühne angeschlossen war, konnte Schumacher gemeinsam mit dem Kameramann John Mathieson (Gladiator) nahtlose Kamerafahrten zwischen den verschiedenen Bereichen der Oper durchführen. „Als ich für den Film recherchierte, entdeckte ich, dass früher 750 Leute in der Pariser Oper gelebt und gearbeitet haben“, erklärt Schumacher, der früher selbst als Bühnenbildner tätig war. „Diese Tatsache hat mich sehr inspiriert, denn ich habe mir vorgestellt, was da für interessante Künstler gelebt haben müssen. Eine faszinierende Welt der Boheme, wo Menschen aus aller Welt zusammengekommen sind, um Opern zu inszenieren. Die eigentliche Handlung konzentriert sich auf die drei Hauptfiguren, aber ich wollte dem Zuschauer auch einen Eindruck von der Welt vermitteln, in der diese Hauptfiguren lebten.“

Szene auf dem Dach der Oper

Die Szene auf dem Dach der Oper sollte nach Pratts Vorstellungen „wunderschön und romantisch, aber auch unheimlich“ wirken. Zu diesem Zweck ließ Pratt riesige Statuen auf dem Dach aufstellen, ähnlich wie die, die Garnier für die Pariser Oper geschaffen hatte. Pratt ließ sich beim Design der Statuen auch von den Skulpturen Auguste Rodins inspirieren, einem Zeitgenossen Garniers. Pratt stellte 14 Bildhauer ein, um die Statuen für das Dach, das Opernhaus und  für den Friedhof anzufertigen. „Wir hatten wahnsinniges Glück, so viele talentierte Leute zu finden, die sich auf klassische Skulpturen verstehen“, so Pratt. „Ohne diese Bildhauer wäre ich hilflos gewesen.“

Die Katakomben der Pariser Oper

Als Christine zum ersten Mal in die Höhle des Phantoms, tief in die Katakomben der Oper hinabsteigt, durchlebt sie gleichzeitig eine innere Entwicklung von der naiven Chorsängerin zur Sopranistin, die allerdings unter dem gefährlichen Bann ihres charismatischen Lehrers steht. „Maria Bjornsson hatte in ihrem Bühnenbild eine wundervolle Serie an Effekten geschaffen, die dem Theaterzuschauer den Eindruck geben, dass Christine in den Bauch des Opernhauses vordringt. Wir dagegen mussten ihren Abstieg in die Tiefe viel konkreter und detaillierter zeigen“, so Pratt. Für die erste Etappe des Weges entwarf Pratt einen langen, verwinkelten Korridor und eine ausschweifende Wendeltreppe. Je tiefer Christine steigt, desto makaberer und grotesker wird ihre Umgebung. Im Fackellicht sieht man die feuchten Wände der Katakomben, die mit verrotteten Opernpostern behängt sind. Die Wendeltreppe führt zu einer Lagune, in der das Boot des Phantoms angelegt ist.  Während sie beide das Boot besteigen, drängt er sie zu singen. Und so klingt ihre Stimme hell über die Kerzen hinweg in die Dunkelheit, als sie das innere Sanctum des Phantoms betreten. Das Phantom zündet weitere Kerzen an und in ihrem Schein offenbart sich seine Höhle: Riesige, von schmutzigen Laken bedeckte Spiegel, Kerzenleuchter, eine Orgel und eine zweite Grotte, in der sich ein schwarzes Himmelbett befindet. Die unheimliche Atmosphäre dieser Behausung – Unheil verkündend und sexy zugleich – ist genau das Gegenteil des fröhlichen, lebendigen Opernhauses. „Was die Architektur und das Bühnenbild anbelangt wird Christines Reise nach unten zunehmend bizarrer und befremdlicher. Unheimliche Elemente findet man auch in anderen Teilen des Opernhauses, aber die Höhle des Phantoms ist gewissermaßen eine Konzentration dieser Elemente.“
Bei seinen Recherchen stellte Pratt fest, dass die Garnier Oper in der Tat über einen unterirdischen Fluss gebaut ist, der zu einem See führt: „Aber das Ganze sieht nicht besonders dramatisch aus. Für den Film mussten wir noch einen Schritt weiter gehen und eine richtige Unterwasserwelt bauen, in der sich das Phantom ein opulentes Versteck geschaffen hat.“ Zu diesem Zweck wurde im Studio ein flacher Wassertank errichtet und ein schon existierendes, drei Meter tiefes Wasserbecken wurde aufgefüllt.
Pratt war auch für die Bühnenbilder der Opernaufführungen verantwortlich, die eine zentrale Rolle in der Geschichte spielen. Für Hannibal, einem antiken Epos, bediente er sich einer Farbpalette von „glänzenden Gold- und verschiedenen Rottönen.“ Im Gegensatz dazu ist das Bühnenbild der komischen Oper Il Muto in „lieblichen Pastelltönen“ gehalten. „Das Ganze macht einen viel leichteren, unbeschwerten Eindruck.“ Die letzte Inszenierung, Don Juan Triumphant!, ist eine vom Phantom geschriebene Oper, die in Spanien spielt. Pratt hielt sich bei diesem Bühnenbild genauestens an Schumachers Anweisungen, der das gesamte Set in Scharlachrot, Schwarz und Braun gehalten haben wollte. So sollte das Drama und die Intensität der Szene akzentuiert werden.
„Das gesamte Konzept von Don Juan ist – aus der Perspektive des Phantoms – eine Falle für Christine“, erklärt Schumacher. „Es ist sein letzter verzweifelter Versuch, Christine für sich zu gewinnen. Das Bühnenbild musste sehr modern sein, denn das Phantom ist ein Genius und seiner Zeit voraus. Don Juan ist keine niedliche kleine Oper, sondern ein gefährliches, leidenschaftliches und unheilvolles Unterfangen. Das Phantom hat das Ganze perfekt geplant und als die Musik ihren Höhepunkt erreicht, steht Christine ganz oben auf einer Brücke, wo er sie erst verführt und dann entführt.“
Nach Abschluss der Dreharbeiten der Szenen, die im Jahre 1870 spielen, baute Pratt das Set um bzw. „entkleidete“ es für die Szenen der Rahmenhandlung, die im Jahre 1919 spielten. Das Opernhaus ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner früheren Pracht: heruntergekommen, schmutzig und verstaubt. Da die Rahmenhandlung zudem in schwarz-weiß gedreht wurde, ist der Kontrast zu den Szenen der zentralen Handlung umso extremer.
Pratt: „Wir haben einfach den Gips und den Stuck weg geschlagen, die Vorhänge zerrissen und alles mit Staub bedeckt. So wurde das Set gealtert. Dass die Vögel durch das Dach fliegen ist meiner Meinung nach ein nettes Detail.“

Kostüme & Make-Up:  Der Look des Phantoms

Ähnlich wie die Bühnenbilder sollten auch die Kostüme die opulente, verschwenderische Atmosphäre von Paris im Jahre 1870 nachempfinden. Joel Schumacher fand in Alex Byrne die perfekte Kostümbildnerin, um diese Mammut- aufgabe zu bewältigen. Byrne wurde zweimal für einen Oscar nominiert – einmal für ihre Kostüme zu Hamlet und das zweite Mal für Elizabeth.
„Ich habe enormen Respekt vor Alex“, so Schumacher, der früher selbst Kostüme entworfen hat. „Alex schaffte es, einen Film wie Elisabeth attraktiv aussehen zu lassen, obwohl er in einer Ära spielt, die durch besonders unattraktiver Frauenkleider geprägt ist. Sie hat einfach Talent, ist sehr modern und hat eine sehr ungewöhnliche Herangehensweise. Alex stellt erst einmal immer alles auf den Kopf bevor sie anfängt und das mag ich.“
In ihrer Werkstatt in den Pinewood Studios schneiderten Byrne und ihr Team 300 Kostüme. Weitere 2000 suchte sie aus verschiedenen Kostümverleihen in ganz Europa zusammen.
„Das Schöne an der Zusammenarbeit mit Joel ist, dass er immer ganz genau weiß, was er will,“ so Byrne.  „Er gab mir die Kostüme aus Viscontis Der Leopard zum Vorbild – so stelle er sich die Kostüme vor:  schön und clever, aber keine Museums-Stücke.  Ihm war es nicht so wichtig, dass die Kostüme historisch akkurat waren, sondern viel mehr, dass sie die Handlung und die Figuren unterstreichen.“
Byrne reiste nach Paris, um die Garnier Oper, an der die Opera Populaire angelehnt ist, genauer anzusehen. „Ich habe viel über Paris im Jahre 1870 gelernt, was die Leute damals trugen, ihre Einstellungen und Gewohnheiten. Und dann habe ich das alles beiseite gelegt und wieder von vorne angefangen“, so Byrne.
Byrnes große Herausforderung bestand darin, einerseits eine „hochstilisierte Repräsentation der damaligen Zeit“ zu schaffen und gleichzeitig eine visuelle Balance und Kontinuität beizubehalten. „Der Film beginnt mit einem Duett zwischen zwei Figuren und wächst dann plötzlich zu ausladenden Ensembleszenen. Einerseits durften die Kostüme nicht von der zentralen Liebesgeschichte ablenken, andererseits sollten sie dem Zuschauer auch ein Gefühl für das bunte Treiben hinter und vor den Kulissen der Opera Populaire verschaffen. Außerdem musste man sich in den Kostümen gut bewegen können, denn oft wurde in ihnen auch getanzt. Da wurden schon ziemliche Ansprüche an mein Team und mich gestellt“, so Byrne.
Am schwierigsten war es jedoch, die Kostüme für das Phantom zu entwerfen. Seine Kleidung musste sowohl etwas Mystisches und Gefährliches ausstrahlen und gleichzeitig ein einzigartiges Charisma vermitteln – ein Mann, der in einem Schattenreich lebt. „Bei seinen Kostümen drehte sich alles um Silhouette, Form und Sexualität“, erklärt Byrne. „Am Anfang entschieden wir uns für die Silhouette und dann musste ich sehen, wie sich das Kostüm bewegt und mitschwingt. Alles musste haargenau auf Gerards Körper und seine Proportionen abgestimmt werden.“
Wichtig war dabei besonders die berühmte Maske des Phantoms. Diese musste komplett neu für den Film entworfen und auf das aufwendige Make-Up seiner Missbildung abgestimmt werden. „Wir haben die Maske immer wieder neu entworfen und verschiedene Materialien in Erwägung gezogen“, erinnert sich Byrne, die dabei eng mit der Maskenbildnerin Jenny Shircore zusammen arbeitete, „bis wir uns dann für eine Maske aus feinem Leder entschieden.“
Genau wie seine Kleidung und seine Maske musste auch die Missbildung des Phantoms genauestens durchdacht werden. Sie musste einerseits überzeugend wirken, aber gleichzeitig durfte sie das Publikum auch nicht verschrecken. „Seine Missbildung durfte nicht zu grotesk und monströs sein“, erklärt Byrne. „Es ging darum, den Menschen hinter der Maske zu zeigen. Das Publikum sollte einerseits seine Anziehungskraft sehen, aber gleichzeitig auch seinen Zorn und seine Verwundbarkeit.“
Shircore, die 1999 einen Oscar für „Best Make-Up“ für Elizabeth gewann, fertigte einen Abdruck von Butlers Gesicht an und benutzte diesen dazu, um Prothesen aus Gelatine zu formen. Es dauerte viereinhalb Stunden, um diese Prothesen aufzutragen und das Gesicht des Phantoms zu kreieren.
 Die Kostüme für die Figur der Christine stellten eine komplett andere Herausforderung dar. „Christine trägt fast in jeder Szene ein Kostüm. Wir sehen sie nie wirklich in ihren eigenen Kleidern“, erklärt Byrne. „Eine Figur zu entwickeln und ihr einen eigenen Charakter zu geben, wenn diese Figur fast in jeder Szene in irgendeiner Weise verkleidet ist, ist gar nicht so einfach.“
Der Rivale des Phantoms im Kampf um Christines Liebe ist der neue Mäzen der Opera Populaire, der Graf Raoul de Chagny. In ihn war Christine schon als Kind verliebt. „Joel sah Raoul als einen Gentleman vom Lande. Romantisch und selbstbewusst,“ so Byrne über die Figur, die von Patrick Wilson gespielt wird. Byrne fügt hinzu: „Um die richtigen Kostüme für Patrick zu finden, die genau diese Charaktereigenschaften ausdrücken, hatten wir eine lange Anprobe mit existierenden Kostümen. So haben wir dann die richtigen Farben und Stoffe für ihn ausgesucht.“
Am meisten Freude breiteten Byrne die Kostüme für La Carlotta, die temperamentvolle Diva der Opera Populaire, die von Minnie Driver gespielt wird. „Die Kostüme für La Carlotta haben mir unheimlich viel Spaß gemacht, denn sie ist so eine überdrehte, hoffnungslos egozentrische Person“, so Byrne. „Außerdem ist Minnie sehr groß und ich liebe es, Kleider für große Frauen zu entwerfen. Und weil Minnie eine Ahnung von Kleidern hat, war es sehr schön, mit ihr zu arbeiten. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ihre Kostüme auch nicht ganz so einfach waren. Ich konnte ja nicht jedes Detail übertreiben. Die Proportionen mussten auch bei ihr stimmen.“
Das atemberaubende Outfit, das La Carlottas Vorstellung von einem „Alltagskleid“ entspricht, bedurfte mehr Stoff als jedes andere Kostüm: 27 Meter lilafarbene Seide.  „So viel Seide brauchten wir nicht nur, weil Minnie so groß ist, sondern auch weil wir die Seide raffen mussten. Die Seide, die damals benutzt wurde, war sehr leicht und dünn. Um den Eindruck von Fülle zu erwecken, bedarf es daher eine ganze Menge davon“, erklärt Byrne.
Im Vergleich dazu sollten die Kostüme der Madame Giry der Figur mehr Wärme und Zärtlichkeit verleihen , als man zunächst bei ihr erwarten würde. Sie ist ein künstlerischer Mensch und das muss sich auch in ihrer Kleidung widerspiegeln.“
Im Falle der beiden unbeholfenen Direktoren des Opernhauses, Andre und Firmin, versuchte Byrne, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden zu betonen.  „Joel hat mir mit den beiden zwei sehr unterschiedliche Körpertypen zum Arbeiten gegeben“, so Byrne über den hoch gewachsenen Ciaran Hinds (Firmin) und den offensichtlich wesentlich kleineren und rundlicheren Simon Callow (Andre). „Indem ich Simons Hosen verengt habe, habe ich seine natürliche Silhouette noch betont und er wurde dadurch zu einer Parodie seiner selbst.“
Byrne war auch für die Kostüme der Operninszenierungen der Opera Populaire zuständig. „Die mussten in erster Linie vollkommen abgehoben und irreal wirken.“ Dazu bedruckte Byrne viele der Stoffe selbst, denn , so Byrne „man kann die tollsten Ideen für ein Kostüm haben, aber am wichtigsten sind immer die Stoffe. Wenn man nicht den richtigen Stoff in der richtigen Farbe findet, dann hilft auch kein noch so gutes Design .“
Die erste Oper, die im Film aufgeführt wird, ist Hannibal, ein antikes Epos. „Joels Anweisung lautete ‚vulgär’ und daran hab ich mich auch gehalten“, lacht Byrne. „Wir haben ein Make-Up in Knallfarben entworfen – Rot und Blau – das aussah wie viktorianische Kriegsbemalung. Und die Perücken und falschen Bärte sollten aussehen, als seien sie von den Handwerkern in der Oper angefertigt worden, d.h. etwas grob und nicht so perfekt wie Perücken heutzutage aussehen. Von daher sehen sie alles andere als elegant aus. Das Ganze sollte so richtig übertrieben aussehen.“ Im Gegensatz zu Hannibal ist die zweite Oper Il Muto in zarten Pastellfarben gehalten. „Das sollte wirken wie mit Puderzucker bestreut“ so Byrne.
„Die Perücken waren damals recht dramatisch und groß. Und mit La Carlotta haben wir wirklich Vollgas gegeben. Dadurch wirkt Minnie noch größer als sie normal schon ist“, so Shircore. „Auch das Bühnen Make-Up von damals war sehr dick, fast schon wie Farbe. Nur bei Il Muto haben wir uns zurückgehalten. Joel wollte nämlich, dass alles lieblich und hübsch aussieht. Es war interessant, einen viktorianischen Look zu schaffen, der auch dem heutigen Zuschauer gefällt.“
Die letzte Inszenierung der Oper ist die eigens vom Phantom komponierte Don Juan Triumphant!, für die Byrne und Shircore einen sehr dunklen, sehr auffälligen Look entwickelten. „Wir dachten uns, dass die Kostüme wahrscheinlich vom Phantom selbst entworfen worden waren. Also kamen wir auf die Idee, dass er die Stoffe vielleicht sogar selbst in einer Art Graffiti-Stil angemalt hat. Die Kostüme sehen ziemlich brutal aus, ganz anders als der Rest des Films“, erklärt Byrne.
 Für den großen Maskenball, den die Oper veranstaltet, um das Verschwinden des Phantoms zu feiern, entschied sich Byrne für eine Farbpalette von Schwarz, Weiß, Gold und Silber, um einen „starken Gesamteindruck“ und strahlende Bilder zu kreieren. „Außerdem wirkt das Phantom dadurch um so auffälliger, als er plötzlich auf dem Ball in einem scharlachrotem Kostüm auftaucht“, so Byrne. „Christine haben wir ein rosa Kostüm gegeben, denn zu diesem Zeitpunkt ist sie gewissermaßen verfärbt von seinem Bann.“
Byrne schmückte die 200 Besucher des Maskenballs mit glitzernden Diademen und Halsketten, die vom Kristallhersteller Swarovski zur Verfügung gestellt worden waren. Swarovski lieferte auch die Kristalle für den Kronleuchter der Opera Populaire.
Am Ende der Dreharbeiten, nachdem sie tausende von Kostüme entworfen, geschneidert oder verändert hatte, musste Byrne feststellen: „Ich war noch nie so müde am Ende eines Films. Das Ausmaß dieses Projekts war einfach enorm.“

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© by Stephan Drewianka; Pressetexte und sämtliches Photomaterial © Concorde Filmverleih GmbH / S&L Media Network mit freundlicher Genehmigung