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Blueray / DVD

Technische Daten:

Regionalcode: 2, 3, 4, 5, 6
Sprachen: Englisch Dolby Digital 2.0
Untertitel: keine
Bildschirmformat: 16:9
Länge: 95 min + 8min Interview
Hersteller: Universal 2001

Michael Ball in Concert live - alone together

Michael Ball Concert live DVD

Michael Ball ist einer der berühmtesten und begehrtesten Musicalstars in London. Seit der smarte Engländer in den Rollen des sympatischen Liebhabers als Raoul im Phantom der Oper oder Marius in Les Miserables brillierte, war er der Liebling des zumeist weiblichen Publikums. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er in der Titelrolle des Alex in Webbers “Aspects Of Love”, dessen Titelsong “Love Changes Everything” er wochenlang an die Spitze der britischen Charts katapultierte. Danach war klar, dass Michael Ball beim nächsten Grand Prix De Eurovision De La Chanson sein Heimatland vertreten würde. In einer speziellen BBC-Show wählten die Engländer aus 9 Songs den Titel “One Step Out Of Time”, der den Briten schließlich den 2. Platz beim europäischen Wettbewerb einbrachte. Seitdem ist Mr. Musical seltener auf der Theaterbühne als vielmehr auf der Konzertbühne zu sehen. Neben dem Musical-Repertoire verstärkte Ball seine Songs um Filmmusiken, Pop, Blues, Soul und Elvis-Titel.

Am 27. September 2001 hieß es mal wieder back to the roots für Mr. Ball: In der Reihe Divas at the Donmar (wie passend) gab Herr Ball mit seiner unvergleichlichen Vibrato-Tenorstimme ein unplugged -Konzert der Spitzenklasse in dem kleinen Londoner Theater “The Donmar Warehouse”. Nur mit Klavierbegleitung begab sich Ball auf eine tour-de-force durch rund 60 Musical-Titel der gehobenen Klasse von Sondheim, Rodgers & Hammerstein, Brel, Gershwin, Leiber & Stoller, Herman, Styne, gemixt mit einem Schuss Lennon und Bowie, abgerundet mit etwas Bach. Michael Ball kannte selbst einen Großteil der anspruchsvollen Songs nicht, die von seiner Klavierbegleitung Jason Carr zu einem Arrangement aneinander gefügt wurden, die den Lebensweg eines West-End-Künstlers nachzeichnet (was nicht zwingend autobiographisch sein muss). Besonders gelungen ist ein Medley zu Beginn des 2. Aktes, in dem 32 Titel in knapp 15 Minuten mit Bravour “heruntergerattert” werden!

Die Kritiker dieses Konzertabends waren begeistert von der Leistung des Sängers und lobten den Mut, einmal gegen den Strom zu schwimmen und Songs zu interpretieren, die nur wenigen Gästen bekannt waren. Wenn ich ehrlich sein soll, ist mir die Musiktitelauswahl für die Dauer eines ganzen 90 minütigen Konzertes zu schwerfällig und anspruchsvoll ausgefallen - wo eine Ballade des Abends sicherlich Begeisterung weckt, langweilen 60 Balladen am Stück selbst den aufgewecktesten Ball-Fan. Zudem ist die Solo-Klavierbegleitung nicht jedermanns Sache: auch wenn die Stimme immens und bewundernswert klar erklingt, hätte mich ein großes Orchester mit sattem Sound wesentlich mehr angesprochen.

Leider hat das exklusive Star-Leben bei Mr. Ball Spuren hinterlassen: der schlanke Gigolo von einst hat durchaus einige Speckröllchen inkl. Doppelkinn angesetzt und so gehört der optische Eindruck eines spuckenden und immens schwitzenden Künstlers, der zwischendurch zu einem in die Ecke geschleuderten Wischmop (den grauen Lappen hat wohl die Putzfrau vergessen, wie ein Handtuch sieht das Teil nicht aus !) greift, um sich das Gesicht zu trocknen, oder der mit einer Sprudelwasserflasche am Hals Gershwin interpretiert, nicht gerade zu den Highlights eines Musicalkonzertes.

Interessanter sind dann noch die Interviewpassagen, in denen der frisch geduschte und mit einer Lederjacke ordentlich gekleidete Künstler (im Konzert trägt Herr Ball ein Schlabber-Hemd über Jeans zu Sakko und Fliege) erzählt, was er sich bei diesem Konzert so gedacht hat.

Fazit: Michael Ball pur - brillante Stimme in einem Konzert nur für Hardcore-Ball-Fans!

© by Stephan Drewianka

Marion Sehr teilte mir per mail mit, wie sie dieses außergewöhnliche Konzert erlebt hat - hier ihr ausführlicher Bericht zum Inhalt:

Zusammenfassung des Donmar-Konzertes, wie ich es beim Erleben des Videos interpretiert habe:

Akt 1:
Die ersten Songs sind für mich so etwas wie eine Einleitung, eine langsame Hinführung auf das, was kommt. Die widersprüchlichen intensiven Empfindungen und Gedanken, die in einem Künstler ablaufen bevor oder wenn er die Bühne betritt.
Where or when  kann ich nicht so ganz einschätzen. Ich denke es betrifft die Bühne, Abläufe Stimmungen, die sich wiederholen ebenso wie Situationen des Lebens, die einem ähnlich, bekannt vorkommen. Vielleicht soll dieses Lied auch aussagen, dass das, was später erzählt wird, Gefühle Erlebnisse widerspiegelt, die jeder in seinem Leben erfahren hat, vielleicht soll es die Ähnlichkeit der Menschen deutlich machen und uns gleichzeitig auffordern nach diesen Gefühlen in uns zu suchen um besser zu verstehen. (in Verbindung zum Schluss würde das den Kreis schließen)
Blue und Padam (sehr ergreifend in Michaels zynischer Interpretation) bringen den Zuhörer schon tief in die Gedankenwelt des Künstlers, dessen Leben Mittelpunkt der Story ist. Seine Kindheit, seine Erfahrungen im Leben und auf der Bühne hinterließen in ihm einen fahlen, bitteren Geschmack des Lebens. Geprägt von einem Gefühl des Allein-gelassen-sein, des Kampfes. Die nächsten Songs stoßen uns auf die Ursache. Seine Mutter und er wurden früh von seinem Vater verlassen, der ihm die Rolle des Familienoberhauptes unbewusst und von einem Moment zum anderen übergeben hat, einem Jungen, der viel zu jung war um sich nicht verantwortlich zu fühlen. Warum wird nicht ausgesprochen, doch dass der Vater nie zurückkehren wird steht deutlich im Raum. Seine Welt und die seiner Mutter verschmelzen irgendwo. Er erlebt die Enttäuschung, die Sehnsucht nach Liebe, Hass und Unsicherheit seiner Mutter und fühlt dies noch zusätzlich zu seiner eigenen. Er übernimmt letztendlich die Rolle, die seinem Vater zugedacht gewesen wäre.
In dieser Situation entwickelt er eine intensive Bindung zu seiner Mutter (If you were the only girl in the world/I say a little prayer for you). Dann stirbt seine Mutter. Schon wieder wird er verlassen... unendliche Traurigkeit und Enttäuschung. Dann der verzweifelte Versuch sich nach außen zu wenden, zu leben, die Ketten der Vergangenheit zu durchbrechen. Er geht in die Offensive.(I've got no strings) Er verdrängt und verarbeitet nicht die inneren Probleme sondern beginnt ein Leben an der Oberfläche und arbeitet sich nach oben, wobei er sich immer wieder selbst ermutigt. Smalltalk, Lächeln, oberflächliche Kontakte, keine Gefühle, kein Schmerz, aber nach außen hin Erfolg. (Stairway to paradise) Er glaubt an diese Art Leben. Er versucht nicht an gestern oder morgen zu denken, sondern nur im Jetzt zu leben (The best of times). Irgendwie habe ich bei Michaels Interpretation das Gefühl, das er aussagen will, dass dieser Mensch sich tief im Innern nicht sicher ist. Er betont so extrem das Jetzt , als wolle er sich durch die eigene Stimme von etwas überzeugen , das er selbst nicht glaubt. Ausgebrannt muss er irgendwann erkennen, dass er verlernt hat zu fühlen (erschreckend: Is that all there is). Die richtige Einstellung sich in die Glamourwelt des schönen Scheins des Showbusiness zu stürzen, in dem echte Gefühle nicht wichtig sind...

Akt2:
Das Medley macht den steilen Weg seines Erfolges deutlich. Ständig wechselnde Orte, ständig neue Menschen, Bekanntschaften, wechselnde Partner, ein Leben in Hektik und ohne Netz. Ich denke, er versucht intensiv seine Karriere zu betreiben, da das etwas ist, woran er sich festhalten kann, wo er Anerkennung bekommt und gleichzeitig im privaten Bereich alles Mögliche versucht, um irgendeine Art von Gefühl zu entdecken, er schwankt wahrscheinlich zwischen Exzessen und tiefer Niedergeschlagenheit. Echte Freunde existieren für ihn nicht. Wenn er sich nach Halt sehnt, ist niemand für ihn da. (Nice dream)
Dann plötzlich eine neue Erfahrung.. .er verliebt sich in eine Frau. Er hat Empfindungen, die er zugibt, wenn er ganz alleine ist, die er nie für möglich gehalten hätte (She touched me/ You' re just in love/Yes, my heart).
Seine Gefühle, die ihn zuerst begeistern, machen ihm plötzlich Angst, er weiß, er wird verletzlich, verdrängte Wunden der Kindheit und der Gedanke daran seinen Willen, seine innere Sicherheit (oder Kälte?!) zu verlieren, (dazu die Angst davor wieder verlassen zu werden und das nicht erneut ertragen zu können) bringen ihn dazu dieses Gefühl von sich schleudern zu wollen wie eine Krankheit. (Remind me)
Er zeigt diese Gefühle der Liebe ihr gegenüber nicht, obwohl sie ihm auch Gefühle entgegenbringt. Ich höre aus den Texten, dass er sich eher reserviert, teilweise auch verletzend ihr gegenüber verhält. Gleichzeitig sehnt er sich nach nichts mehr als endlich Ruhe zu finden, Ehrlichkeit, Wärme. Er kann sie nicht vergessen und kann sich nicht öffnen.
Als sie gegangen ist, fällt er in ein schwarzes Loch und er reflektiert über sein Leben. Wie konnte er sie nur wegwünschen. Sollte er morgen sterben und in anderen Sphären existieren so wird ihre Liebe weiter in ihm leben. (I wish I could forget you/What now) Irgendwie fühlt er, als hätte sie ihn verlassen. Er reflektiert über die zerbrochenen Beziehungen, über seine Sehnsucht und seine Unfähigkeit Liebesbeziehungen und echte Freundschaften einzugehen. Über die oberflächliche, kalte Schönheit von Glamour und Starruhm. Über die Enttäuschungen, die ihm auf seinem Weg begegnet sind, wie ein roter Faden, der sich durch sein Leben zog. Letztendlich warum er sie verloren hat. Er fragt sich wer er war (seine Kindheit, als er noch ein unbeschwerter Junge war), wie er ist und wie er zu dem wurde, was er ist. (What now/ How can I loose you). Er kommt zu dem Schluss, dass sein Leben wertlos war. ( -  die Sterne stürzen aus dem Himmel - Text) Er hat immer nur verloren, Er hat sich die ganze Zeit belogen. Er erreicht einen Punkt an dem er den Gedanken in Erwägung zieht, dieses armselige Leben zu beenden. Und er sagt sich, niemand würde ihn vermissen.
 Der Song „Is there life on mars“ kommt für mich an dem Punkt tiefster Verzweiflung, an dem er nur noch hysterisch lachen kann und den Wahnsinn des Lebens wahrnimmt, in dem jeder nur der Zeit hinterher läuft, nur noch an sich denkt, wie in einer Zeitrafferaufnahme der Rushhour in New York. Egoismus, Habgier, Eitelkeit, keine Zeit, kein Interesse Verständnis und Mitgefühl.
Dann eine Offenbarung am dunkelsten Punkt seines Lebens...
während er sich fragt, was wohl nach dem Tod sein würde... wird ihm bewusst, dass niemand weiß, wie sein Leben verläuft, dass jeder Mensch auf sich gestellt ist und dieser Begriff von ,,alleine zusammen" trifft diese Sache im Kern. Wir gehen, springen und stolpern durch unser Leben, ohne zu wissen, was uns erwartet. Wir können nur versuchen unsere Stärke zu bewahren, in dem wir zusammenhalten, uns um einander sorgen. Wir können „dem großen Unbekannten" standhalten, wenn wir „alleine zusammen“ sind.
Er sagt sich, eigentlich sollte ich den Selbstmord vollziehen...und doch fühlt er mit einem Mal positive Gefühle, wie richtig dass Leben ist, richtig (mir fällt kein anderes Wort ein) in seinen Höhen und Tiefen.
Keine Art von Liebe, sondern eine Art innerer Sicherheit, alles hat seine Ordnung, so wie es ist; er taucht ein in seine Empfindungen, genießt sie. Alleine die innere Erfahrung, dass er nicht alleine ist, dass jeder Mensch die gleichen Emotionen durchlebt, Sehnsucht und Angst verspürt, unsicher ist. Diese komplette Erfahrung beschreibt er als ein Licht, das ihn erfüllt, eine mächtige, starke und klare Sicherheit im Begreifen dieser größeren Zusammenhänge, die seine Ängste und negative Emotionen und Gedanken auflösen und ihm eine ganz neue Kraft verleiht. Ich möchte das Ende auf keinen Fall in einem religiösen Zusammenhang sehen, das würde die Aussage des Stückes für mein Empfinden dämpfen und reduzieren.

© by Marion Sehr