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Am 14.09.01, 3 Tage nach den tragischen Terrorakten in New York, wurde das Publikum in Dortmund vor Beginn der Vorstellung vom gesamten Ensemble des Theaters mit einer Rede von Musicalstar und Hauptdarsteller Andreas Bieber begrüßt. Gerade ein Stück wie Tommy, in dem ein Kind durch brutale Gewalt den Kontakt zur realen Welt verliert, könne in diesen Zeiten zum Nachdenken anregen, auch wenn es in erster Linie unterhalten soll. 1944 muss Captain Walker seine junge Frau in der Hochzeitsnacht wegen eines Einsatzes, bei dem sein Flugzeug abgeschossen wird,
verlassen. Neun Monate später bekommt Mrs. Walker ihren Sohn Tommy. Da der Vater noch 4 Jahre später vermisst wird, sucht die vermeintliche Witwe Trost bei ihrem Liebhaber. Doch genau zum 21. Geburtstag kehrt Captain Walker
gesund und munter zu seiner Frau zurück, es kommt zum Streit mit dem neuen Liebhaber und der vierjährige Tommy muss im Spiegel mit ansehen, wie sein Vater in Notwehr vom Liebhaber ermordet wird.
Bestürzt schreit die Mutter Tommy an, er solle alles vergessen, was er gesehen und gehört hat und niemals darüber sprechen: von diesem Moment an ist Tommy blind, taub und stumm. Die Rock-Oper Tommy der provokanten Gruppe “The Who” hat seit dem ersten Konzeptalbum von 1969 über Konzerte, Ballettfassungen und dem berühmten Film von 1975 mit Eric Clapton, Jack Nicholson, Oliver Reed und Tina Turner viele Änderungen erfahren, bis sie 1993 mit neuem Co-Autoren Des McAnuff in der endgültigen Fassung als Musical am Broadway Premiere hatte. Das ambitionierte Projekt zwischen epochalem Rock und Revolution heimste 5 Tonys für Beste Regie, Beste Choreographie, Beste Musik, Bestes Bühnenbild und Beste Lichtgestaltung ein und auch in Deutschland durfte sich in einer großartigen Inszenierung ein Theater in Offenbach allabendlich in einen überdimensionalen Flipperautomaten verwandeln. Nun hat es Tommy nach Dortmund verschlagen. Die Presse urteilte nach der Premiere eher negativ und
verurteilte insbesondere die hektischen Kostümwechsel in der zu überfrachteten Inszenierung. Doch ist es nicht gerade die grell-bunte und groteske Überzeichnung der Realität, die gleich einem LSD-Trip das
Wesen von Tommy ausmacht? Dank einer großartigen Besetzung mit Ex-Joseph Andreas Bieber und Andreas Ströbel in der doppelten Titelrolle werden Songs wie “Amazing Journey”, “See Me, Feel Me”, “Sensation”, “I´m Free” und “Pinball Wizard” zu einem Erlebnis. Auch wenn Susanne Panzner nach Victor/Victoria immer noch nicht ihre perfekte Stimmlage gefunden hat, sind auch ihre Duette mit Partner Holger Hauer, insbesondere die emotionsgeladenen Stücke “Twenty-One” und “I Believe My Own Eyes”, echte “Hinhörer”. Besonders stimmgewaltig fallen Walter Louis (Cousin Kevin), Lemuel Pitts (Pinball Wizard) und Valerie Simmonds (Acid Queen, bei deren Performance in der besuchten Vorstellung leider das Mikro mehrmals Störungen hatte) aus dem Ensemble angenehm auf. Hannes Brock präsentiert seinen Onkel Ernie mit humorvollem Witz, so daß man ihm fast seine perversen Abartigkeiten verzeihen will. Fazit: Gelungene, nachdenklich stimmende Hardrock-Oper mit Musicalstar Andreas Bieber.
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