spamalot[Ankündigung] [Premierenkritik]

Monty Python’s SPAMALOT
Das total verrückte Musical

Nach dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“
Die Originalproduktion in deutscher Sprache: Ab Januar 2009 im Kölner Musical Dome / Deutschlandpremiere: 25. Januar 2009

Knallhartes Training für die Lachmuskeln: Nach Riesenerfolgen in New York und London kommt das urkomische Musical SPAMALOT der weltbekannten britischen Komikergruppe „Monty Python“ jetzt erstmals nach Deutschland! Ab Januar 2009 zeigt der Kölner Musical Dome das witzige Comedy-Spektakel, das direkt nach seiner Uraufführung für 14 Tony Awards nominiert und unter anderem als „Bestes Musical“ ausgezeichnet wurde. Das preisgekrönte Original-Kreativ-Team vom Broadway freut sich auf die neue Herausforderung, in der Rhein-Metropole das Publikum zum Lachen zu bringen.

SPAMALOT ist ein Erlebnis der Extraklasse und für jeden Musicalliebhaber ein Muss: Mehr als 20 großartige Ohrwurm-Hits, intoniert von einem erstklassigen Live-Orchester, tragen die amüsante Handlung – ein höchst vergnüglicher Theaterbesuch! Das herrlich schräge Musical, das auf dem Monty Python -Filmklassiker „Die Ritter der Kokosnuss” basiert, ist ein wahres Feuerwerk an Gags und begeistert, ganz nach Monty Python-Tradition, mit skurrilen Sketchen und kultigen Einfällen – und nimmt sich augenzwinkernd selbst auf die Schippe. Liebhaber außergewöhnlicher Unterhaltung und Fans des britischen Humors kommen garantiert auf ihre Kosten – und können spätestens beim weltbekannten Kult -Hit „Always Look on the Bright Side of Life“ nach Herzenslust mitsingen.

spamalot2Wir befinden uns in Britannien, mitten im Jahre 932 nach Christi: SPAMALOT erzählt auf humorvolle und sehr freie Weise die legendäre Geschichte von König Artus auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Unterstützt wird der liebenswert-schrullige Monarch von seinem treuen Diener „Patsy“ und den Rittern der Tafelrunde, die er jedoch zunächst einmal finden muss. Die ereignisreiche Reise durch das Königreich gerät zu einem höchst heiteren Unterfangen. Garniert wird das absurde Unternehmen mit köstlichen Kuriositäten und schrägen Einfällen: Scharen von Showgirls mischen die Truppe auf, die Tafelrunde tagt in einem glitzernden Las Vegas-Casino und Ritter Lanzelot entpuppt sich als leidenschaftlicher Copacabana-Tänzer. Ein ereignisreiches Abenteuer mit einer großen Portion Showbiz nimmt seinen Lauf ...

Entstehungsgeschichte des Musicals
Welturaufführung feierte Monty Python’s SPAMALOT am 17. März 2005 am Broadway in New York, bevor es im Oktober 2006 in London und im April 2007 auch in Las Vegas Premiere hatte. Das Musical ist preisgekrönt: Es erhielt 2005 gleich mehrere „Tony Awards“ – u.a. als „bestes Musical“ –, die „Silberne Rose“ von Montreux und den „Boston’s Elliot Norton Award“.
Monty Python-Mitglied Eric Idle zeichnet für Buch und Texte verantwortlich, die Musik stammt von ihm und John Du Prez und die Regie führt Mike Nichols – der sich ebenfalls schon über einen „Tony Award“ für SPAMALOT freuen durfte.
Die Handlung von SPAMALOT ist „liebevoll geklaut“ (so der O-Ton der Python’s) vom Filmklassiker „Die Ritter der Kokosnuss“ (im Original: „Monty Python and the Holy Grail“ (Monty Python und der Heilige Gral)) und mit weiteren bekannten Monty Python-Sketchen und Songs angereichert.
Der Titel SPAMALOT ist augenzwinkernd an „Camelot“ angelehnt, spielt aber auch mit der Doppel-Bedeutung des Wortes „Spam“ – so heißt das bekannte britische Dosenfleisch, dessen Name in einem „Spam-Sketch“ der Monty Python’s rund 100 Mal genannt wurde – und seitdem international für unerwünschte, massenhafte Werbe-E-Mails steht.

Hintergrundinformationen zu Monty Python
Die britische Komikergruppe Monty Python wurde mit ihrem unvergleichlich-schrägen Humor und ihren burlesken Filmen weltbekannt. Das sechsköpfige Team bestand aus den Schauspielern Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin. Die Erfolgsgeschichte begann 1969 mit der BBC-Serie Monty Python’s fliegender Circus, die Sketche mit Trickfilmszenen mischte. In den Siebzigern wandte sich die Comedytruppe dem Film zu und verbuchte einen Erfolg nach dem nächsten: Monty Python’s wunderbare Welt der Schwerkraft (1971), Die Ritter der Kokosnuss (1974), Das Leben des Brian (1979) und Der Sinn des Lebens (1983) lösten international einen wahren Fankult aus.

© Stephan Drewianka; Pressetext & Fotos: Musical DOME Köln

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Rasse und Klasse: Amber Schoop ist als die „Schöne aus dem Schilf“ die überragende Akteurin der verrückten Inszenierung. Foto: Jens Hauer

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Comin-out im Samba-Reigen: „Lanzelot (Dominik Schulz/hinten Mitte) hat es nicht auf die Prinzessin, sondern den Prinzen Herbert (Michael Kargus/vorne)abgesehen. Foto: Herbert Schulze

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Ritter ohne Fehl und Tadel, aber mit türkischem Proleten-Dialekt: Serkan Kaya beschützt die Schilf-Schöne. Foto: Jens Hauer

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Mit „Sir Robin“ (Julius Arends) lässt sich kaum ein Krieg gewinnen. Im entscheidenden Moment hat der musisch begabte Tafelrunden-Rambo immer die Hosen voll – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber seine Band trifft den Ton. Foto: Jens Hauer

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Der Schein trügt: Fred ist noch nicht hin. Auch die anderen Leichen sind offenbar quicklebendig. Foto: Jens Hauer

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Falsche Baustelle: Die finnischen Folklore-Gruppe hat sich ganz offenbar verkaufen und wirkt am Hof von König Arthur etwas fehl am Platze. Foto: Jens Hauer

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König Arthur (Michael Flöth) ist entzückt: Die Schöne aus dem Schilf (Amber Schoop) ist kein mystisches Wesen, sondern entpuppt sich als Rassefrau aus Fleisch und Blut. Foto: Jens Hauer

[Ankündigung] [Premierenkritik]

Spamalot in Köln: Anarchistischer Klamauk zwischen Gralsburg und Casino
Abgedreht, schrill und kurzweilig, aber sicher nicht jedermanns Ding

Entweder man mag diese Art von Humor, oder man mag sie nicht. Und wenn nicht, sollte  man/frau sich weder einen alten Monty Python -Film, noch das neue Musical in Köln anschauen. Das kommt aufs Gleiche heraus. Ratlosigkeit und Unverständnis auf der einen, Schenkel klopfende Begeisterung auf der anderen Seite. Das Lager jener,die total auf diesen britischen Anarcho-Klamauk abfahren, ist ebenfalls groß. Dazwischen ist nichts – oder halt nur wenig. Das ist wie bei und mit Helga Schneider. Die Fans feiern ihn als Genius, andere fragen sich offen oder insgeheim, was der Stuss soll. Die Grenze zwischen Schwach-und Blödsinn ist halt (oft) fließend – und die Geschmäcker sind verschieden.

Zurück nach Köln: Wo bis Herbst vergangenen Jahres die Bohemians rockten, fliegen neuerdings die Kühe tief. Und die sind nicht lila. Der Musical Dome ist zur mittelalterlichen, quietsch-bunten Gralsburg mutiert, wobei nicht ganz klar ist, ob das Gemäuer aus Pappmaschee nun in Britannien des Jahres 932 nach Christi Geburt oder im Las Vegas der Neuzeit steht. Die blinkende Festung ist das Hauptquartier von König Arthur und seiner schrulligen Tafelrunden-Streitmacht und wird in den nächsten Wochen und Monaten zum Ausgangspunkt abenteuerlicher Expeditionen werden. Die Suche nach dem heiligen Kelch hat begonnen. Die Order, nach diesem Jackpot zu fahnden, gab Reich-Ranicki. Aber davon später.
„Spamalot“, das laut Eigenwerbung „schrägste Musical der Welt“, hat am Rheinufer Einzug gehalten. 1700 geladene Gäste füllten den „blauen Müllsack“ zur Premiere bis unters Dach. Und die meisten von ihnen spendeten schließlich auch artig stehend Applaus, wenngleich sich die Begeisterung in Grenzen hielt. Der Premierenbeifall ist an gleicher Stelle und bei anderer Gelegenheit auch schon mal enthusiastischer ausgefallen.
Aber egal. Entscheidend ist und wird sein, was hinten herauskommt, wie sich Kanzler Birne weiland auszudrücken pflegte. Hält sich das Stück über die angedachte Spielzeit von einem Dreivierteljahr, oder hält es sich nicht? Zumindest in New York und London war „Spamalot“ ein (großer) Publikumserfolg. Ob die Nonsens-Rakete auch in Germanien zündet, muss und wird sich zeigen. Die Mentalitäts-Unterschiede sind ja nicht ganz unerheblich.

Immerhin war und ist es eine Deutschland-Premiere gewesen, und das mag dem Image Kölns als Musical-Standort nach diversen Rückschlägen gut tun. Dahingehend hatten sich die Stadtväter in den vergangenen Monaten nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Das Ende vom Hick-Hack-Lied war ja, dass das überaus erfolgreiche „We will rock you“ ins Schwäbische abwanderte, weil die Spielstätte hier keine Zukunft für „Globalsoft“ versprach. Der Abriss des „Domes“ ist nun erst mal hinaus geschoben, doch das Risiko, dort eine richtige große En-Suite-Show zu platzieren, mag kein Produzent mehr eingehen. Insofern ist „Spamalot“ auch nur eine Art Zwischen- und Übergangslösung. Wagen wir ganz einfach auch mal die These, dass das Stück, wenn überhaupt, dann auch nur hier, in der deutschen Jecken-Hochburg, einschlagen kann.

Eine Aneinanderreihung von alten Sketchen
Inhaltlich hangelt sich der abgedrehte Spaß ziemlich frei an der Gralslegende entlang, wobei die Storyline in der Python’schen Diktion erwartungsgemäß keinerlei logischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Streng genommen gibt es gar keine Handlung. Das Ganze ist eine in mehr oder weniger gefällige Melodien verpackte Aneinanderreihung von Sketchen aus früheren Filmen und TV-Sendungen der chaotischen Komikertruppe um Eric Idle. Pate stand als Vorlage dabei vor allem der Film „Die Ritter der Kokosnuss“ aus dem Jahre 1974. Wobei die lose verbundenen Enden der Geschichte oft in grelle Nummernrevuen in Las Vegas Casino-Manier ausfransen. Von Eric Idle stammt auch das Buch. Zusammen mit John Du Prez schrieb er darüber hinaus die Musik zum Stück.
Die große Leistung des Kreativteams vor Ort liegt in der „Germanisierung“ der angelsächsischen Bühnenadaption. Den skurrilen Witz und die haarsträubenden Wortspiele des Originals ohne Reibungsverlust ins Deutsche zu transportieren bzw. noch um einige zusätzliche Varianten zu ergänzen, dürfte den Verantwortlichen so manch schlaflose Nacht bereitet haben. Aber es ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, geglückt. Da hat vor allem Karlheinz Freynik einen tollen Job hingelegt.

Kleine und große Boshaftigkeiten
Für ihn war es mitunter eine Gratwanderung, denn mit „Political correctness“ hatten die  „Pythons“, mit denen ihn seit deren Anfängen eine enge Freundschaft verbindet, noch nie etwas am Hut. So bekommen die französischen „Erbfeinde“ ebenso gnadenlos ihr Fett ab wie die Schwulen. Und selbst vor Juden machte der Spott der Autoren nicht halt. Und das in Deutschland?  Aber das geht schon o.k.. Selbst der streitbare Zentralrat dürfte an den tanzenden Davidsternen und den Seitenhieben auf jüdische Broadway-Finanziers keinen Anstoß nehmen.

Mit Fürzen gegen den Feind
Die Bühne wird von einem ganzen Panoptikum verquerer Individuen bevölkert, von denen nahezu jedes einzelne ihren ganz eigenen Klatschen an der Backe (oder anderswo) hat. Wir begegnen albernen Rittern, die niemals nie sagen, dem legendäre Killer-Hasen, einer nach Katzenpisse müffelnden Zitterpappel, dem schwarzen Ritter, der niemals aufgibt (auch dann nicht, nachdem ihm Arme und Beine abgeschlagen wurden), einem krakeelenden Franzosen, der sein Chateau mit Fürzen und wüsten Beschimpfungen verteidigt, und schließlich dem lieben Gott, von dem nur die großen Füße sichtbar sind und der genau so lispelt wie Marcel Reich-Ranicki. Was der Kritiker-Papst selbst wohl von dem Ganzen halten würde, wäre vielleicht auch mal ganz interessant zu erfahren.

Stark: Amber Schoop
Die Cast ist, von einigen Ausnahmen abgesehen, wenig prominent, aber ambitioniert und gut. Ex-Titanic -Käpt’n Michael Flöth erleidet mit seinem neuen Dampfer zumindest auf bzw. am Rhein keinen Schiffbruch und verleiht Seiner Majestät dem König schrullige Würde. Serkan Kaya ragt als Sir Dennis Galahad deutlich aus dem kuriosen Figurenkabinett heraus, und das nicht nur deshalb, weil er zum ersten türkische Kreuzritter der Geschichte wird. Die Lacher sind ihm gewiss, wenn er beispielsweise im türkischen Migranten-Idiom fragt: „König? Krass, wie wird man das?“ Um sich gleich darauf zu beschweren: Mich stinkt voll, dass Du mich direkt wie Untergebenen behandelst“. Wie Kaya war auch Martin Berger (Sir Bedevere) schon in der Vorgänger-Produktion engagiert. Und als ehemalige Killer-Queen macht Amber Schoop das Trio der exponierten „We-will-rock-you“-Veteranen komplett. In „Spamalot“ wird die gebürtige Niederländerin als „Schöne aus dem Schilf“ zur überragenden Akteurin und fährt, völlig zu Recht, auch den größten Schlussapplaus ein. Starke Stimme, brillantes Spiel von zickig bis zauberhaft - aber sich dann beschweren „Warum hab’ ich so wenig Text“?

Comin-out mit Samba
Ach ja, da wäre auch noch Alfred Biolek, der in seiner Sprechrolle als Historiker (Erzähler) glücklicherweise weder singt noch tanzt. In weiteren Rollen Dominik Schulz als „Lanzelot“ , der statt der Prinzessin lieber den Prinzen vernascht und sein Comin-out im Rahmen einer furiosen Samba-Revue hat. Bernd Julius Arends ist „Sir Robin“, der, tapfer durch und durch, ständig die Hosen voll hat – im wahrsten Sinne des Wortes; Marco A.Billep hat als des Königs treuer Diener „Patsy“ schwer zu tragen und klappert unermüdlich mit den Kokosnusshälften, um so das Hufgetrappel des nicht vorhandenen Pferdes seines Herren zu simulieren.

Im Orchestergraben machen Heribert Feckler und seine neun Mannen mächtig Dampf und sorgen für eine packende Umsetzung der Partitur, der es allerdings an wirklichen Highlights mangelt. Gut, „Always look on the bride Side of Life“ („Das Leben ist ein Scheiß / wie gut, dass man es weiß…“) ist natürlich der Mitsing -Hammer-Hit schlechthin, aber, vom „Lied, das jeder liebt“ mal abgesehen, letztendlich auch der einzige Song, der haften bleibt. Ein paar gefällige Balladen und Up-Tempo-Nummern gibt es zwischendurch zwar auch, aber ein echter Showstopper ist nicht darunter. War ja vielleicht auch gar nicht beabsichtigt  - oder auch nicht notwendig. Denn: Auf irgendeine geheimnisvolle Art und Weise funktioniert die Show trotzdem – auch wenn sie den gemeinen, konventionell gepolten Musicalfreund vielleicht etwas verstört und ratlos macht. Sie ist schnell, rasant, grell-bunt, mitunter derb, albern, makaber und absurd. Aber eins ist es nicht: langweilig. 

 

 

 

 

 


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© Text: Jürgen Heimann

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