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Das Musical, das weltweit Geschichte schrieb, kommt nach Berlin Premiere des vielfach ausgezeichneten Musicals von Alain Boublil und und Claude-Michel Schönberg Mitte September – aufwändige Neugestaltung des traditionsreichen Theaterhauses – Berlin neben Hamburg auf dem Weg zur Musical-Hauptstadt Das THEATER DES WESTENS produziert, nach der Übernahme durch die STAGE HOLDING – The Theatre Company, eine international bedeutende Bühnenproduktion mit Weltruf. Ab Mitte September 2003 bis 31. Dezember 2004 wird sich in dem traditionsreichen Berliner Theaterhaus der Vorhang für das Musical LES MISÉRABLES heben. Die imposante Produktion hat weltweit Geschichte geschrieben: aufgeführt in 21 Sprachen und 38 Ländern hat LES MISÉRABLES bis heute mehr als 50 Millionen Menschen begeistert und tief bewegt. Für die Premiere der mit 50 hochkarätigen Preisen ausgezeichneten Musical-Produktion wird das THEATER DES WESTENS bis zur Premiere aufwändig neu gestaltet.
Claude-Michel Schönbergs Kompositionen reichen von romantischen Liebesduetten bis hin zu ergreifenden Chorpassagen. 42 Darsteller, 30 Kinder und ein 18-köpfiges Orchester werden für das klassische Ensemble-Musical engagiert und garantieren große Emotionen. LES MISÉRABLES ist die aufwändigste Bühnenproduktion, die jemals im THEATER DES WESTENS realisiert wurde. Musicalproduzent Cameron Mackintosh freut sich über die Entscheidung, das Musical endlich in Berlin aufführen zu können: „Diese Stadt atmet Geschichte. Deshalb war es immer mein Wunsch, LES MISÉRABLES - neben Weltstädten wie New York und London – in Berlin aufzuführen. Mit dem THEATER DES WESTENS ist nun auch ein geschichtsträchtiges Bühnenhaus mit einer großen Musical-Tradition gefunden.“
Die Story Die Geschichte von LES MISÉRABLES beruht auf dem Roman von Victor Hugo und wurde von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg sensationell aufbereitet. Frankreich, 1815: Jean Valjean wird nach 19jähriger Haft entlassen. Acht Jahre später hat er es geschafft, sich unter falschem Namen eine neue Existenz als Fabrikbesitzer und Bürgermeister in einer Stadt vor den Toren von Paris aufzubauen. Doch er hat einen Erzfeind; Inspektor Javert. Als dieser Valjeans wahre Identität entlarvt, scheinen dessen Tage gezählt. Valjean muss fliehen. Seine Verbundenheit zur völlig verarmten Arbeiterin Fantine hindert ihn daran, sich dem fanatischen Gesetzeshüter zu stellen. Fantine stirbt und hinterlässt ihre uneheliche Tochter Cosette, die in der Spelunke der Familie Thénardier Unterschlupf findet, wo sie all die Arbeiten verrichten muss, die für Eponine, die Tochter der Wirtsleute, zu schmutzig sind. Valjean nimmt Cosette zu sich und flieht mit ihr nach Paris. Er schenkt dem Kind seine ganze Liebe, spricht jedoch nie offen über seine Vergangenheit. Während der Revolutionswirren in Paris verliebt sich Cosette in den Revolutionär Marius, der von Javert gejagt wird - so gerät Jean Valjean erneut ins Fadenkreuz seines alten Widersachers. In den Wirren des Juli-Aufstandes von 1832 kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen den beiden. Einzig die Konfrontation von Jäger und Gejagtem kann der noch jungen Liebe den Weg ebnen.
[Berlin] [Story] [Ursprung] [Fakten] [Premierenfotos] [Abschied] [Staatz] [Tecklenburg] [Bad Hersfeld] Von der Idee zu einer der erfolgreichsten Musicalproduktionen weltweit Mitte September findet im Theater des Westens die Premiere von LES MISÉRABLES statt. Vorlage für das Musical war Victor Hugos Roman LES MISÉRABLES, der mit seiner melodramatischen Ereignisfolge vor historischem Hintergrund immer schon zu Adaptionen angeregt hat.
Um den Stoff für die Bühne adaptieren zu können, arbeiteten die Autoren sorgfältig die Charaktere und Handlungsstränge heraus, die die Geschichte vorantrieben. Schönberg sagte über diese Arbeit: „Man muss das Buch einfach lieben. Es ist wie ein Strom – man hat das Gefühl, mit dem Strom ins Meer zu fließen. Als ich das Buch las, hörte ich bereits die Musik.“ Von dem 1980 veröffentlichten Doppelalbum LES MISÉRABLES wurden eine Viertelmillion Platten verkauft. Boublil und Schönberg legten damit den Grundstein für den Siegeszug der Produktion durch die ganze Welt. Der nächste Schritt auf diesem Weg war eine zweistündige Bühnenshow im Pariser Palais des Sports, die eine halbe Million Zuschauer hatte.
Überzeugt von Stoff und Musik, bat er den Theaterkritiker James Fenton darum, die englische Version des Stückes gemeinsam mit Boublil und Schönberg zu erarbeiten. Mackintosh verpflichtete Trevor Nunn für die Regie, der durchsetzte, dass John Caird Co-Regisseur wurde und die Premiere von LES MISÉRABLES im Londoner Barbican Theatre unter der Schirmherrschaft der Royal Shakespeare Company stattfinden solle. Herbert Kretzmer, der für James Fenton als Librettist kam, kommentierte die Arbeit am Text so: „Woran ich arbeitete konnte man auf keinen Fall eine Übersetzung nennen, ... Ein Drittel der Arbeit bestand aus reiner Übersetzung, ein weiteres Drittel war freie Adaption und der andere Teil bestand daraus, komplett neue Songs zu schreiben.“
Die Premiere in den Hallen der Royal Shakespeare Company wurde vom Publikum enthusiastisch gefeiert und die dortige Vorstellungsserie
war komplett ausverkauft. LES MISÉRABLES erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Die Show hat über 50 internationale Preise gewonnen, darunter sind zwei Grammy- und acht Tony-Awards (unter anderem für das beste Musical).
[Berlin] [Story] [Ursprung] [Fakten] [Premierenfotos] [Abschied] [Staatz] [Tecklenburg] [Bad Hersfeld] Zahlen, Daten und Fakten zu LES MISÉRABLES ALLGEMEINES
Das Buch “History in the Making” über die Entstehungsgeschichte von Les Miserables online bestellen bei Amazon.de - mehr dazu auch hier! Das “10th anniversary concert live in der Royal Albert Hall” auf Doppel-CD online bei Amazon.de bestellen. Alles zu Les Miserables bei Sound Of Music © by Stephan Drewianka (© Produktionsphotos+Pressetexte Stage Holding GmbH)
[Berlin] [Story] [Ursprung] [Fakten] [Premierenfotos] [Abschied] [Staatz] [Tecklenburg] [Bad Hersfeld] Offizielle Premierenfotos vom Theater des Westens in Berlin am 26. September 2003:
© Photos Stage Holding GmbH
[Berlin] [Story] [Ursprung] [Fakten] [Premierenfotos] [Abschied] [Staatz] [Tecklenburg] [Bad Hersfeld]
Die Sammlung des Berliner Ensembles von „Les Misérables“ hat dem Berliner Verein KINDerLEBEN
eine großzügige Spende beschert: Harald Pignatelli nahm einen Spendenscheck über 31895,49 Euro in Empfang. So konnten die Darsteller an Krebs erkrankte Kinder und ihre Familien für einen Moment
auf andere Gedanken bringen, zum Träumen und Hoffen einladen. Ein großes Dankeschön galt allen Besuchern des Musicals für ihre Unterstützung!
Die Musical Sensation auf der Felsenbühne Staatz Nachdem das auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo aus dem Jahr 1862 basierende Musical in 21
Sprachen übersetzt wurde, in 38 Ländern in über 38.000 Vorstellungen über 50 Millionen Zuschauer begeisterte und über 50 internationale Preise gewann,
erlebt LES MISÉRABLES nun endlich – 16 Jahre nach dem letzten Vorhang im Wiener Raimundtheater – seine offizielle Wiederkehr nach Österreich.
©by Stephan Drewianka, Pressetext: Werner Auer, Fotos: H. Schillhammer
Packend und großartig: „Les Misérables“ erstmals als Freilichtinszenierung
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Ohne Bombast und visuelle Reizüberflutung
Helga Wolf hat aus der Not eine Tugend gemacht. Eine Freilichtbühne setzt einer Inszenierung nun mal
gewissen Grenzen und verfügt nicht über die technischen Möglichkeiten eines festen Hauses. Aber das
muss, wie sich in diesem aktuellen Fall zeigt, kein Nachteil sein. Im Gegenteil: Die Frau hat das Stück von
seinem high-technischen Bombast befreit, es in gewisser Weise entschlackt. Es geht auch ohne visuelle
Reizüberflutung und Ausstattungsorgien. Der Mensch, die Story, die Handlung stehen wieder eindeutig im Mittelpunkt.
Stimmungen und Emotionen lassen sich auch auf eine andere Art erzeugen bzw. verstärken, und sei es
unter (geschickter) Nutzung der naturgegebenen Zeitabläufe. Der Übergang zwischen Dämmerung, Abend
und Nacht ist ein durch kein noch so ausgeklügeltes Lichtdesign zu kopierendes Schauspiel, dem man sich
in Tecklenburg beim Timing willig unterwirft. Ein weiteres Pfund, mit dem die Verantwortlichen hier
wuchern, ist der große Personalfundus. Chor und Laienspieleriege des Vereins lassen die Massenszenen
des Stücks noch grandioser wirken, als man/frau sie in Erinnerung hat. Wenn bis zu 130 Leute auf der
Freilichtbühne agieren, kann man sich dieser Wirkung kaum entziehen. Da stellt sich Gänsehaut-Feeling ein.
Mit viel Sensibilität und Detailliebe in Szene gesetzt
Aber es sind vielleicht auch die kleinen Momente oder Regieeinfälle, die die Tecklenburger Produktion so
interessant machen. Man muss halt loslassen können und bereit sein, den alten Les-Mis-Film im Hinterkopf
(etwas) auszublenden. Die Barrikade, das Kulissen-Herzstück einer jeder Les-Mis-Aufführung, puzzelt
sich aus zwei phantasievoll und aufwändig dekorierten Leiterwagen zusammen, die mit Muskelkraft vom
rechten und linken Bühnenrand ins Zentrum geschoben werden und daselbst bis zum Ende stehen bleiben. Das stört in den späteren Szenenabfolgen überhaupt nicht.
Aber bereits die Eröffnungssequenz zeigt, dass sich hier jemand seine eigenen Gedanken gemacht hat. Die
Gefangenen im Knast kloppen nicht, was beispielsweise in Duisburg immer etwas lächerlich gewirkt hat,
mit imaginären Werkzeugen auf imaginären Steinen herum, sondern mühen sich unter der Knute der
brutalen Aufseher mit veritablen Baumstämmen ab. Mit seinem schlichten Bühnenbild beweist Jan Bammes
, dass weniger allemal mehr sein kann, zumindest und vor allem in diesem Falle. Und unter den Händen von Karin Alberti wurden die Kostüme wieder zu echten Hinguckern.
Chris Murray ein Glücksgriff
Was freilich wäre das stimmigste Konzept in seiner gelungenen, finalen Umsetzung ohne eine adäquate
Darstellerriege. Dahingehend haben die für das Casting Verantwortlichen ein glückliches Händchen
bewiesen. Sie konnten aber auch aus dem Vollen schöpfen und hatten insofern die Qual der Wahl. Nahezu
alles, was in der bundesdeutschen Musical-Szene über Rang und Namen verfügt, hatte in Tecklenburg
angeklopft. Darunter viele, die bereits in den vorangegangenen Inszenierungen des Stücks, sei es in
Duisburg, Bonn, Berlin oder anderswo, mitgewirkt hatten. Und deshalb verwundert es nicht, dass das Publikum hier mit vielen alten Les-Mis-Bekannten Wiedersehen feiern konnten.
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Solisten und Ensemble agieren souverän
Die Solisten (wie auch das gesamte Ensemble) zeigen sich bestens disponiert und agieren absolut souverän.
Als Jean Valjean liefert Chris Murray eine beeindruckende Leistung ab, schauspielerisch wie gesanglich.
Der vokalstarke Künstler hat seit seinen Berliner Tagen als Ex-Sträfling noch deutlich zugelegt und ist in
dieser Rolle schlicht und ergreifend zur Idealbesetzung gereift. Das wurde vor allem bei den lyrischen
Passagen offenkundig. Er dürfte auf den Musical-Bühnen hier zu Lande künftig sowieso zu den
dominierenden Figuren zählen. Als Inspektor Javert, Valjeans gnadenloser Gegenspieler, gab sich Dean
Welterlen keine Blöße und machte mit sonorer Stimme und großer Bühnenpräsenz als pflichtbesessener
Bulle eine eindrucksvolle Figur. Seine Ehefrau Jana Werner hatte als „Fantine“ schon zu Duisburger Tagen
Pluspunkte sammeln können und, wie ihr nahe gehendes „Ich hab’ geträumt vor langer Zeit“ zeigte, nichts
verlernt. Welterlen hatte freilich in Folge Pech. Auf Grund einer Kehlkopfentzündung musste der Fahnder
noch vorzeitiger, als es das Script vorsah, seinen Dienst quittieren. Schade. Doch in Marc Clear, Athos
und Riechelieu i.R., fanden die Tecklenburger einen adäquaten Ersatz. Der Künstler, der den „Kommissar“
bereits in Berlin alternierend gegeben hatte, fügte sich nahtlos in die hoch motivierte Riege ein und ließ in
Folge keine Wünsche offen. In der Rolle des Javert wird er auch für den Rest der Spielzeit zu erleben sein.
„Scaramouche“ Vera Bolten hatte als „Eponine“ schon in Bonn und Berlin überzeugen können. So auch in
Tecklenburg Mit ihrer attraktiven, individuellen Stimmfärbung weiß sie die Gefühlswelt des unglücklichen
Mädels kraftvoll zu vermitteln. Ihr „Nur für mich“, die Wehklage ihrer unerfüllten Liebe zu Marius, gehört zu den eindringlichsten Momenten der Aufführung.
Martin Bergers kleine Kneipe
Martin Berger liefert als schlitzohriger Gauner-Kneipier „Thénardier“ mit die überzeugendste Partie. Es ist
ja eigentlich auch die dankbarste Rolle dieses Stücks. Seite an Seite mit Madame (Katja Berg) ist der
Österreicher für die wenigen lustig-amüsanten Passagen der Inszenierung zuständig, was dem
Publikumsliebling wie auf den Leib geschnitten scheint. Das in Tecklenburg (leider) ziemlich schnell
vorangetriebene „Herr im Haus“ wird aber auch so (zwangsläufig) zum Showstopper. Mit Frau Wirtin
scheint es die Regie hingegen etwas zu gut gemeint zu haben. Die komödiantische Dosis wirkt überladen
und zu dick aufgetragen. Aber das ist Geschmackssache. Dem Publikum gefällt’s.
Michael Eisenburger fühlt sich in der Rolle des kämpferischen Studentenführers Enjolras sichtlich wohl und
verleiht dem Revoluzzer im Rahmen des vorgegebenen Profils das Größtmögliche an Kontur. Ein Marius
andererseits hat es dahingehend immer etwas schwerer, weil es für ihn kaum Spielraum gibt, sich zu
entfalten. Der Charakter ist nun mal blass und farblos angelegt. Alen Hodzovic bekleidet als stimmschöner,
jugendlicher Held diesen undankbaren Part. Als liebliche Cosette an seiner Seite: Elisabeth Ebner.
Mit „Les Misérables“ gehen die Freilichtspiele Tecklenburg ihren Weg konsequent weiter. Sich an dem
Credo orientierend, neue Herausforderungen zu suchen und sich ihnen zu stellen, fährt man im Theater auf
der Burg zunehmend erfolgreich. Das zeigen die Wagnisse „Camelot“ im vergangenen Jahr und „Dracula“
in der Spielsaison davor. Das Publikum ist, wie die Erfahrung zeigt, für derlei spielplantechnische
Innovationen empfänglich und dankbar. Die Tecklenburger als größtes Freilichttheater Deutschlands haben
ihre „Marktposition“ damit ausbauen können und dürfen unangefochten als Nr. 1 gelten.
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Spannendes Experiment wird zum mitreißenden Musical-Erlebnis
„Les Misérables“ als „Oben-Ohne“-Inszenierung ist ein spannendes Experiment, das sich in seiner finalen
Umsetzung als packendes, mitreißendes Musical-Erlebnis präsentiert, und das bei einer anhaltend „sozial
-verträglichen“ Preisgestaltung. Mehr fürs Geld bekommt man/frau auch beim etablierten Branchenprimus
nicht, eher weniger. Und die Freilicht- „Konkurrenz“ in Bad Hersfeld hat ja jetzt auch ein Jahr geschlafen,
bemüht sich aber darum, 2007 mit eben dem selben Stück den Anschluss wieder zu finden. Um es mit dem Kaiser zu formulieren: Schaun mer mal“.
In Tecklenburg leiden die „Elenden“ noch bis zum 26. August. Damit kommt man hier in dieser Saison auf
26 Aufführungen des Hauptstücks. Als zweite Produktion dieses Jahres steht unter der Regie von Hans
Holzbecher „Der kleine Horrorladen“ mit Norbert Kohler, Natalie Hammer, Patrick Stanke und Thorsten Thinney auf dem Programm. Premiere war am 28. Juli.
©by Jürgen Heimann, Fotos: Heiner Schäffer
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Regen fällt, die Bühne glänzt wie Silber…
»Les Miserables« Open-air in der Stiftsruine Bad Hersfeld
Der Romanklassiker »Die Elenden« von Victor Hugo konnte in Deutschland in der Musicalversion von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Text) als Megaproduktion nur mäßige Erfolge feiern. Nach der Spielzeit in Duisburg 1996-1999 im eigens für dieses Musical gebauten >Theater am Marientor< und der Berliner Produktion im >Theater des Westens< 2003-2004 hatte die Stage Entertainment kein Interesse mehr an den original Londoner Lizenzrechten von Cameron Mackintosh. Das Musical wurde daraufhin in Deutschland für die Stadttheater freigegeben, wo es sich seither in neuen Inszenierungen einer hohen Beliebtheit erfreut. Im Sommer 2006 schickte man die Rivalen Jean Valjean und Inspektor Javert erstmals unter freiem Himmel auf der Felsenbühne Staatz in Niederösterreich und auf der Freilichtbühne in Tecklenburg auf die Barrikaden. Am 14. Juni 2007 folgte die Premiere von »Les Miserables« bei den Bad Hersfelder Festspielen.
Diese Produktion schien von Beginn an unter einem schlechten Stern zu stehen: Publikumsliebling Yngve Gasoy-Romdal, der die Hauptrolle des Jean Valjean übernehmen sollte, erkrankte während der Proben und bekam wegen einer Thrombosegefahr für seine Augen striktes Spielverbot. Festspielintendantin Elke Hesse konnte den Norweger schnell durch den Ukrainer Olegg Vynnyk ersetzen, der »Les Miz«-Fans bestens aus über 300 Vorstellungen in Berlin bekannt sein dürfte, bei denen er bereits eindrucksvoll den Jean Valjean spielte. Doch am Premierenabend zogen sprichwörtlich weitere dunkle Wolken am Himmel auf, stand das Barometer auf >Gewitter mit ergiebigem Niederschlag<. Zwar sitzt das Publikum in der Stiftsruine unter einem schützenden Zeltdach, jedoch sind die Darsteller und das Orchester auf der Freilichtbühne komplett >oben ohne< den Wetterkapriolen gnadenlos ausgesetzt, was wegen des stark geneigten Bühnenbodens auch sicherheitstechnische Risiken birgt und bei stärkerem Regen zur Unterbrechung der Aufführung zwingt. Aber am Premierenabend zeigte sich Petrus von seiner gnädigen Seite und ließ es nur während des Epilogs zu Beginn der Show regnen, sowie später sehr stimmungsvoll auf den Barrikaden und in der Kanalisation. Wie von der Regie bestellt, erhellte genau bei Javerts Selbstmord ein ferner Blitz die Szene. Erst als der Schlussapplaus vorbei war, setzte der sintflutartige Regen ein. Doch nun genug vom Wetter geredet: »The show must go on!«
Schauspieler und Regisseur Helmuth Lohner inszenierte das Stück aufgrund der räumlichen Gegebenheiten der Stiftsruine in einem Guss ohne Pause. Eigentlich sollte die ursprüngliche Mammutspielzeit von 195 Minuten der Originalproduktion auf ca. zwei Stunden gekürzt werden, doch hat man sich wohl aufgrund der dramaturgischen Verständlichkeit des durchkomponierten Werkes auf satte 150 Minuten geeinigt, die schon sehr nah an die Spielzeit der deutschen Aufführungen heranreicht. So gibt es nur geringe Abstriche bei einigen Reprisen zu verzeichnen. Die Gerichtsszene, in der Valjean seine wahre Sträflingsidentität vor Javert bezeugt, wurde vereinfacht und die Barrikadenschlachten sind wesentlich straffer inszeniert worden. Die Freilichtbühne kommt von Natur aus mit anderen Gegebenheiten daher wie eine fest installierte Bühnenproduktion in einem eigens für diesen Zweck umgebauten Theater. Umso mehr Respekt kann der Bühne von Paul Lerchenbaumer gezollt werden, dem es mit einfachen Mitteln und der natürlichen Architektur der Stiftsruine gelingt, immer wieder das passende Sujet zu den häufig wechselnden Bildern zu kreieren. Hier wird deutlich, dass »Les Miz« nicht die obligatorische Drehbühne der Großproduktion benötigt, sondern mit den geschickt zum Einsatz kommenden Seitenbühnen viel Raum für die Handlungsorte schafft. Das passende Licht von Lukas Kaltenbäck taucht die Bühne niemals in komplettes Dunkel, so dass es eine weitere Herausforderung war, die zahlreichen Leichen handlungsgebunden von der Bühne verschwinden zu lassen. In die rund drei Meter hohen Barrikaden schließlich waren zwar zu viele Türen eingebaut, dafür erstreckten sie sich imposant über die gesamte Breite der Hauptbühne. Die Maske von Anja Kietzmann verunstaltete manche attraktive Darstellerin mit künstlichen Zahnlücken zu heruntergekommenen Bettlern und wilden Huren. Einzig das Kunstblut hätte sparsamer eingesetzt werden können: Im feinen Nieselregen spritzten beim Sturm der Barrikaden im Gegenlicht viele rote Fontänen auf, die eigentlich eine FSK -Jugendschutzfreigabe von 18 Jahren erforderten, und auch beim Tod von Eponine haftete so viel Blut an den Händen des geliebten Marius, dass er bei der anschließenden Hochzeitsszene mit Cosette noch deutlich rosa Hände hatte. Gelungen war das Spektrum der Kostüme von Tina Hinteregger, das sich von heruntergekommen-ärmlich der Elenden über schlicht-zweckdienlich der Studenten bis hin zu elegant-glamourös der Hochzeitsgesellschaft und herrlich-schrill bei dem violetten Kleid von Mme. Thenardier als Möchtegern-Adlige spannte.
Doch der eigentliche Pluspunkt der Bad Hersfelder Produktion sind die hochkarätigen Darsteller, die den Charakteren Leben einhauchen. Wie bereits erwähnt, verkörpert Olegg Vynnyk erneut bravourös den Titelhelden Jean Valjean. Im Gegensatz zu anderen Produktionen ist Valjean hier jedoch ein durch seinen 19 jährigen Gefängnisaufenthalt wegen des Diebstahls von einem Brot schwer gezeichneter Mann, der keinerlei Lebensfreude verspürt und den Kampf ums Überleben eigentlich schon längst aufgegeben hat. Durch seine Besinnung zur christlichen Nächstenliebe durch den Bischof von Digne (Jon Geoffrey Goldsworthy) sieht er den Sinn seines Lebens nur noch in der Unterstützung seiner ehemaligen Arbeiterin Fantine (eine glänzende Barbara Köhler), die durch seine unterlassene Hilfe ins Hurenmilieu gedrängt wird. Auf ihrem Totenbett schwört er ihr, sich ihrer Tochter Cosette anzunehmen. Hier kommt es zur Auseinandersetzung mit Inspektor Javert, der sein Leben der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung gewidmet hat und deshalb jeden Sträfling hinter Gitter bringen will, insbesondere wenn sich ein Ex-Knackie gar das Amt des Bürgermeisters ergaunert hat. Musicalkennern wird Robert Lamla sicher noch als unnahbarer Diener Max aus dem Andrew Lloyd Webber Musical »Sunset Blvd.« in Niedernhausen unvergessen sein und auch die Rolle des unnachgiebigen Kommissars spielt Lamla mit einer distanzierten Gefühlskälte, die Gesetzestreue über jegliche menschliche Regung stellt. Im krassen Gegensatz dazu steht die aufwühlende Dreiecksliebesgeschichte zwischen dem Studenten Marius (Patrick Schenk als gefühlvoller Herzensbrecher ), seiner Freundin Eponine (Janina Goy als stimmgewaltige verschmähte Geliebte) und der zunächst unerreichbar scheinenden eleganten Cosette (Eva Aasgaard). Beide junge Frauen wuchsen gemeinsam in Rivalität bei den Wirtsleuten Thenardier auf, die in jeder »Les Miz« Produktion der ernsten Haupthandlung einen humoristischen Touch verleihen. Als Mme. Thenardier unüblich schlank präsentiert Sunni Luis ein wahres Feuerwerk an abgrundtiefer Boshaftigkeit und gibt ihrem Mann, der von Heinz Kloss als »Herr im Haus« gespielt wird, ordentlich Paroli.
»Les Miserables« bietet jedem Darsteller zumindest eine ganz große Ballade, in der er oder sie das ganze Können präsentieren kann und alle Sänger nutzen diese Chance bis an ihre Grenzen. So präsentiert Olegg Vynnyk ein bis in die höchsten Töne lupenreines »Bring ihn heim«, sinniert Barbra Köhler in »Ich hab geträumt« emotionsgeladen von einem besseren Leben, besingt Robert Lamla in tiefem Bariton seinen »Stern« (leider wegen der zugezogenen Wolkendecke unsichtbar am Firmament), stirbt Janina Goy mit einem fantastischen »Der Regen fällt« (passend zur Wetterlage) und verzweifelt Patrick Schenk mit »Dunkles Schweigen an den Tischen« am gescheiterten Studentenaufstand. Für das weitere Ensemble bietet »Les Miserabes« sehr stimmungsvolle Chornummern, die in Bad Hersfeld durch den großen Cast beeindruckend wiedergegeben werden. Der gute Gesamteindruck der Gesangsleistung wurde am Premierenabend jedoch oftmals durch ein zu spätes Öffnen der Mikrofone der Protagonisten getrübt, während die gefühlvolle Interpretation von Olegg Vynnyk, der den kränkelnden Valjean mit viel Flüstern in der Stimme darstellte, oftmals einfach zu leise war, um verständlich für jeden Zuschauer zu sein. Doch diese Kinderkrankheiten lassen sich in den weiteren Aufführungen sicher schnell beheben. Das Orchester unter der musikalischen Leitung von Christoph Wohlleben ist mit 25 Musikern besser besetzt als manche Großproduktion und trägt dazu bei, dass »Les Miz« in der Stiftsruine Bad Hersfeld zu einem nachhaltig in Erinnerung bleibendem Musical-Ereignis wird – egal bei welchem Wetter!
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