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Das Musical, das weltweit Geschichte schrieb, kommt nach Berlin
STAGE HOLDING präsentiert die Cameron Mackintosh-Produktion LES MISÉRABLES im Theater des Westens

Premiere des vielfach ausgezeichneten Musicals von Alain Boublil und und Claude-Michel Schönberg Mitte September – aufwändige Neugestaltung des traditionsreichen Theaterhauses – Berlin neben Hamburg auf dem Weg zur Musical-Hauptstadt

Das THEATER DES WESTENS produziert, nach der Übernahme durch die STAGE HOLDING – The Theatre Company, eine international bedeutende Bühnenproduktion mit Weltruf. Ab Mitte September 2003 bis 31. Dezember 2004 wird sich in dem traditionsreichen Berliner Theaterhaus der Vorhang für das Musical LES MISÉRABLES heben. Die imposante Produktion hat weltweit Geschichte geschrieben: aufgeführt in 21 Sprachen und 38 Ländern hat LES MISÉRABLES bis heute mehr als 50 Millionen Menschen begeistert und tief bewegt. Für die Premiere der mit 50 hochkarätigen Preisen ausgezeichneten Musical-Produktion wird das THEATER DES WESTENS bis zur Premiere aufwändig neu gestaltet.

LES MISÉRABLES beruht auf der berühmten Romanvorlage von Victor Hugo. Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg schufen aus dem historischen Stoff ein „pulsierendes und ergreifendes Musical“ (Sunday Telegraph), das von Publikum und Kritikern gefeiert wird. „LES MISÉRABLES zeichnet die Schicksale seiner Figuren, verwoben mit dem historischen Augenblick und ihrem Glauben an Werte. Es geht um Liebe, Leben in Freiheit, Ehre und Gerechtigkeit und den Mut sich für seine Überzeugung einzusetzen“, beschreibt Maik Klokow, Geschäftsführer der Stage Holding, das bewegende Musical. Für seine außerordentliche Qualität wurde LES MISÉRABLES unter anderem mit zwei Grammys und acht Tony-Awards ausgezeichnet. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht Jean Valjean, dem es nach 19jähriger Haft gelingt, sich eine neue Existenz als Fabrikbesitzer aufzubauen. Von seinem Erzfeind Inspektor Javert weiter verfolgt, führt Valjean sein neues Leben unter falschem Namen. Das Schicksal bringt ihn mit dem verarmten Arbeitermädchen Fantine zusammen, für die er sich verantwortlich fühlt. Als sie stirbt, hinterlässt sie ihre Tochter Cosette, die Valjean aus den Klauen verschlagener Wirtsleute befreit und um die er sich als dann aufopferungsvoll. Doch sein Erzfeind, Inspektor Javert, ist ihm auf den Fersen, bis es in Paris in den Wirren des Juli-Aufstandes von 1832 zu einer tragischen Begegnung kommt.

Claude-Michel Schönbergs Kompositionen reichen von romantischen Liebesduetten bis hin zu ergreifenden Chorpassagen. 42 Darsteller, 30 Kinder und ein 18-köpfiges Orchester werden für das klassische Ensemble-Musical engagiert und garantieren große Emotionen.

LES MISÉRABLES ist die aufwändigste Bühnenproduktion, die jemals im THEATER DES WESTENS realisiert wurde. Musicalproduzent Cameron Mackintosh freut sich über die Entscheidung, das Musical endlich in Berlin aufführen zu können: „Diese Stadt atmet Geschichte. Deshalb war es immer mein Wunsch, LES MISÉRABLES - neben Weltstädten wie New York und London – in Berlin aufzuführen. Mit dem THEATER DES WESTENS ist nun auch ein geschichtsträchtiges Bühnenhaus mit einer großen Musical-Tradition gefunden.“

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Die Story

Die Geschichte von LES MISÉRABLES beruht auf dem Roman von Victor Hugo und wurde von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg sensationell aufbereitet.

Frankreich, 1815: Jean Valjean wird nach 19jähriger Haft entlassen. Acht Jahre später hat er es geschafft, sich unter falschem Namen eine neue Existenz als Fabrikbesitzer und Bürgermeister in einer Stadt vor den Toren von Paris aufzubauen. Doch er hat einen Erzfeind; Inspektor Javert. Als dieser Valjeans wahre Identität entlarvt, scheinen dessen Tage gezählt. Valjean muss fliehen. Seine Verbundenheit zur völlig verarmten Arbeiterin Fantine hindert ihn daran, sich dem fanatischen Gesetzeshüter zu stellen.

Fantine stirbt und hinterlässt ihre uneheliche Tochter Cosette, die in der  Spelunke der Familie Thénardier Unterschlupf findet, wo sie all die Arbeiten verrichten muss, die für Eponine, die Tochter der Wirtsleute, zu schmutzig sind. Valjean nimmt Cosette zu sich und flieht mit ihr nach Paris. Er schenkt dem Kind seine ganze Liebe, spricht jedoch nie offen über seine Vergangenheit.

Während der Revolutionswirren in Paris verliebt sich Cosette in den Revolutionär Marius, der von Javert gejagt wird - so gerät Jean Valjean erneut ins Fadenkreuz seines alten Widersachers. In den Wirren des Juli-Aufstandes von 1832 kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen den beiden. Einzig die Konfrontation von Jäger und Gejagtem kann der noch jungen Liebe den Weg ebnen.

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Von der Idee zu einer der erfolgreichsten Musicalproduktionen weltweit

Mitte September findet im Theater des Westens die Premiere von LES MISÉRABLES statt. Vorlage für das Musical war Victor Hugos Roman LES MISÉRABLES, der mit seiner melodramatischen Ereignisfolge vor historischem Hintergrund immer schon zu Adaptionen angeregt hat.

Drehbuchautoren und Regisseure ließen sich von dem Stoff inspirieren, aber auch Puccini und andere Komponisten des 19. Jahrhunderts haben darüber nachgedacht, aus LES MISÉRABLES ein Stück Musiktheater zu machen. Erst 120 Jahre später, als der Franzose Alain Boublil das britische Musical „Oliver!“, das auf einem Roman von Charles Dickens beruht, in London gesehen hatte, entschieden sich er und sein Kollege Claude-Michel Schönberg, LES MISÉRABLES als Musical auf die Bühne zu bringen. Und es wurde genauso erfolgreich wie der Roman, auf dem es beruht.

Um den Stoff für die Bühne adaptieren zu können, arbeiteten die Autoren sorgfältig die Charaktere und Handlungsstränge heraus, die die Geschichte vorantrieben. Schönberg sagte über diese Arbeit: „Man muss das Buch einfach lieben. Es ist wie ein Strom – man hat das Gefühl, mit dem Strom ins Meer zu fließen. Als ich das Buch las, hörte ich bereits die Musik.“

Von dem 1980 veröffentlichten Doppelalbum LES MISÉRABLES  wurden eine  Viertelmillion Platten verkauft. Boublil und Schönberg legten damit den Grundstein für den Siegeszug der Produktion durch die ganze Welt. Der nächste Schritt auf diesem Weg war eine zweistündige Bühnenshow im Pariser Palais des Sports, die eine halbe Million Zuschauer hatte.

1982 machte Peter Farago, ein junger Regisseur, den englischen Produzenten Cameron Mackintosh auf das Album der beiden Franzosen aufmerksam. Mackintosh hatte sich bereits einen Namen mit der Produktion von Inszenierungen  wie „My Fair Lady“, „Oklahoma“, „Oliver!“, „Side By Side“, „Little Shop Of Horrors“ und dem internationalen Hit „Cats“ gemacht. Unter Insidern galt er als jemand, der sich auch an schwierige Projekte heranwagte.

Überzeugt von Stoff und Musik, bat er den Theaterkritiker James Fenton darum, die englische Version des Stückes gemeinsam mit Boublil und Schönberg zu erarbeiten. Mackintosh verpflichtete Trevor Nunn für die Regie, der durchsetzte, dass John Caird Co-Regisseur wurde und die Premiere  von LES MISÉRABLES im Londoner Barbican Theatre unter der Schirmherrschaft der Royal Shakespeare Company stattfinden solle.

Herbert Kretzmer, der für James Fenton als Librettist kam, kommentierte die Arbeit am Text so: „Woran ich arbeitete konnte man auf keinen Fall eine Übersetzung nennen, ... Ein Drittel der Arbeit bestand aus reiner Übersetzung, ein weiteres Drittel war freie Adaption und der andere Teil bestand daraus, komplett neue Songs zu schreiben.“

Caird erzählte später: „Wir betrachteten die Arbeit von Anfang an als ein schwieriges Unterfangen, denn wir wussten, dass die einzige Herangehensweise sein konnte, uns Victor Hugos Roman vorzunehmen und neu anzufangen. Wir entschieden uns dazu, das Elend, das Hugo in seinem Buch beschreibt, in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, um so auch seiner Entrüstung darüber Ausdruck zu geben.“
Nunn sagte über seine Arbeit: „Ich habe mich an den Stoff herangetastet als würde ich an einem  Stück von Tschechow oder Shakespeare arbeiten.“
Über den Prozess des Schreibens berichtet Boublil: „Es war eine wunderbare Zusammenarbeit. Nicht nur während des Prozess des Schreibens, auch beim Casting. Wir waren ein neuartiges Autorenteam und wir kreierten eine noch nie da gewesene Show.“

Die Premiere in den Hallen der Royal Shakespeare Company wurde vom Publikum enthusiastisch gefeiert und die dortige Vorstellungsserie war komplett ausverkauft.
Im Dezember 1985 zog die Show ins Palace Theatre um, wo sie immer noch läuft. Die US-Premiere fand im Dezember 1986 im Kennedy Center statt. Die Broadway Premiere war am 12. März 1987.

LES MISÉRABLES erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Die Show hat über 50 internationale Preise gewonnen, darunter sind zwei Grammy- und acht Tony-Awards (unter anderem für das beste Musical).

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Zahlen, Daten und Fakten zu LES MISÉRABLES

ALLGEMEINES

  • Musik: Claude-Michel Schönberg
  • Gesangstexte: Herbert Kretzmer
  • Buch: Alain Boublil, Claude Michel Schönberg nach dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo (1862) und einem französischen Libretto von Boublil / Jean Marc Natel unter Verwendung weiterer Vorlagen von James Fenton.
  • Es werden ungefähr 42 Darsteller gecastet, von denen 28  pro Vorstellung auf der Bühne stehen werden. 30 Kinder werden für die Show engagiert.
  • 18 Orchestermitglieder

ERFOLGSGESCHICHTE

  • Westendpremiere: 8.10.1985 im Barbican Theatre unter der Schirmherrschaft der Royal Shakespeare Company;  ab 4.12.1985 Palace Theatre, dann Imperial Theatre
  • Regie und Choreographie: Trevor Nunn, John Caird
  • Musikalische Leitung: Martin Koch
  • Bühnenbild: John Napier
  • Lichtdesign: David Hersey
  • Kostüme: Andreane Neofitou
  • Orchestrierung: John Cameron
  • Produzent: Cameron Mackintosh/ Royal Shakespeare Company
  • Broadwaypremiere: 12.3.1987, Broadway Theatre
  • Deutsche Erstaufführung: 15.9.1988, Vereinigte Bühnen Wien (Raimundtheater)
  • Deutsch von Heinz Rudolf Kunze
  • Regie: Gale Edward
  • Musikalische Leitung: Caspar Richter
  • Bühnenbild: John Napier
  • Kostüme: Andreane Neofitou
  • Berlin-Premiere Mitte September 2003
  • Seit der Welturaufführung wurde die Show in 38 Ländern präsentiert. Dazu zählen: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, England, Estland, Finnland, Frankreich, Hongkong,  Irland, Island, Israel, Japan, Kanada, Korea, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Nord-Irland, Norwegen, Österreich, Philippinen, Polen, Schottland, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn, USA und Wales
  • In 21 Sprachen wurde die Show gezeigt: Argentinisch, dänisch, deutsch,  englisch, estnisch, finnisch, flämisch, französisch, hebräisch, isländisch, japanisch, kastilisch, kreolisch, mauretanisch, mexikanisches spanisch, niederländisch, norwegisch, polnisch, portugiesisch, schwedisch, tschechisch und ungarisch.
  • In 213 Städten hat es über 36.000 Vorstellungen gegeben.
  • Im Juni 2002 gastierte die US-Tourneeproduktion in Shanghai und war damit die erste Broadway/Westend Show, die jemals in China zu sehen war.
  • Über 50 Millionen Menschen in 213 Städten haben das Musical bereits gesehen.
  • Die Show hat über 50 Internationale Preise gewonnen unter anderem 2 Grammy- und 8 Tony-Awards (unter anderem für das beste Musical).
  • Es gibt 31 Cast-Aufnahmen unter anderem die Londoner, die mehrmals mit Platin ausgezeichnet wurde und das Broadway Cast-Album, das mit dem Grammy prämiert wurde. Außerdem ist ein komplett symphonisches Album produziert worden. Das Video des Gala-Konzerts in der Royal Albert-Hall wurde weltweit über eine Million Mal verkauft und gehört zu den meistverkauftesten Musical Videos in Großbritannien

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Alles zu Les Miserables bei Sound Of Music

© by Stephan Drewianka (© Produktionsphotos+Pressetexte Stage Holding GmbH)

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Offizielle Premierenfotos vom Theater des Westens in Berlin am 26. September 2003:

Das Theater des Westens im Les Miz-Look

Die Darsteller

Texter Hein Rudolf Kunze mit Familie

Produzent Joop van den Ende mit Ehefrau

Komponist Jean Michel Schönberg mit Begleitung
Ornella Muti

Schlussapplaus 1

Schlussapplaus 2

Klaus Wowereith mit Jean Valjean

das Spiegelfoyer mit Premierengästen

© Photos Stage Holding GmbH

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Uwe Kröger, Harald Pignatelli und Thomas Lüdicke (Geschäftsführer des Theater des Westens).
Foto: Manuela Kippes

„Les Misérables“ feiert zum Abschied

Die Sammlung des Berliner Ensembles von „Les Misérables“ hat dem Berliner Verein KINDerLEBEN eine großzügige Spende beschert: Harald Pignatelli nahm einen Spendenscheck über 31895,49 Euro in Empfang. So konnten die Darsteller an Krebs erkrankte Kinder und ihre Familien für einen Moment auf andere Gedanken bringen, zum Träumen und Hoffen einladen. Ein großes Dankeschön galt allen Besuchern des Musicals für ihre Unterstützung!
Aber auch das „Les Misérables“-Team hatte Grund zur Freude: Die Leser des Musicalmagazins Da Capo haben das Erfolgsmusical „Les Misérables“ mehrfach ausgezeichnet. In der Kategorie bestes Musical der Spielzeit 2003/04 wurde „Les Misérables“ ausgezeichnet und das Theater des Westens wurde als beliebtestes deutsches Musicaltheater gewählt. Zudem erhielt Uwe Kröger für seine Interpretation des Inspektor Javert den Preis als bester Darsteller. Auch Vera Bolten (bis 9/2004 als Eponine, seit Dezember in „We will rock you“ zu sehen), Christopher Murray (Zweitbesetzung des Javert und des Jean Valjean) und Oleh Vynnyk (Darsteller des Jean Valjean) sowie die Ohrwürmer "Morgen schon" und "Lied des Volkes" landeten unter den Top drei in dieser Leserwahl. Am 31. Dezember stand das Ensemble zum letzten Mal in Berlin auf der Bühne. Somit steht das weltweit erfolgreiche Musical wieder im Fokus der Stadt- und Staatstheater.


©by Manuela Kippes

LES_MIZ_Felsenbuehne_Staatz[Berlin] [Story] [Ursprung] [Fakten] [Premierenfotos] [Abschied] [Staatz] [Tecklenburg] [Bad Hersfeld]

Die Musical Sensation auf der Felsenbühne Staatz
Les Miserables
von Alain Boublil und Claude Michel Schönberg
Liedtexte Herbert Kretzmer
nach dem Roman von Viktor Hugo
Deutsch von Heinz Rudolf Kunze

Nachdem das auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo aus dem Jahr 1862 basierende Musical in 21 Sprachen übersetzt wurde, in 38 Ländern in über 38.000 Vorstellungen über 50 Millionen Zuschauer begeisterte und über 50 internationale Preise gewann, erlebt LES MISÉRABLES nun endlich – 16 Jahre nach dem letzten Vorhang im Wiener Raimundtheater – seine offizielle Wiederkehr nach Österreich.
Ab 21.Juli 2006 wird LES MISERABLES erstmals in einer aufwendigen Open Air Inszenierung auf der Felsenbühne Staatz aufgeführt. Über 60 Darsteller und ein 25-köpfiges Orchester werden, unterstützt von modernster Licht-, Ton- und Lasertechnik sowie eindrucksvollen Kostümen und Bühnenbauten für die Umsetzung dieses Ausnahmemusicals sorgen. Die imposante Kulisse eines ehemaligen Steinbruchs bietet den idealen Rahmen für die Umsetzung dieses Musicals.
Über zwei Jahre hat Intendant und Hauptdarsteller Werner Auer um die Aufführungsrechte von LES MISÉRABLES gekämpft und nun endlich die Zustimmung erhalten. Ausschlaggebend waren unter anderem die Qualität der Vorjahresproduktionen JESUS CHRIST SUPERSTAR (2004) und JEKYLL & HYDE (2005) sowie der rege Publikumszuspruch auf der Felsenbühne Staatz.
Die 1200 Besucher fassende Naturarena wird sicher auch heuer wieder für ein Besucherplus verzeichen können, sind doch schon jetzt rund 4000 Tickets abgesetzt, freut sich Intendant Werner Auer, der sich mit der Produktion von LES MISÉRABLES einen lang gehegten Traum erfüllt.
Dass der Spagat zwischen Intendant, Regisseur und Hauptdarsteller funktioniert, hat er bei der Vorjahresproduktion Jekyll & Hyde eindrucksvoll bewiesen. Premiere: Fr. 21.07.2006

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©by Stephan Drewianka, Pressetext: Werner Auer, Fotos: H. Schillhammer

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Auf in den Kampf! Der Schlachtgesang der Straßenkämpfer erinnert an das Pfeifen im dunklen Wald. Als Barrikade dienen zwei aufwändig und phantasievoll dekorierte Leiterwagen, die per Muskelkraft auf die große Bühne geschoben werden.

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Chris Murray (links), der es als Valjean vom Sträfling zum Bürgermeister und Fabrikbesitzer bringt, liefert in Tecklenburg einen bärenstarken Job ab. Dank ihres großen Personalfundus’ können die Freilichtspiele vor allem bei den Massenszenen punkten (rechts oben). Rechts unten die Thénadier-Bande.
Fotos: Heiner Schäffer

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Packend und großartig: „Les Misérables“ erstmals als Freilichtinszenierung
Hört ihr wie das Volk erklingt…! Tecklenburg auf den Barrikaden

Wer hätte das gedacht, dass die „Elenden“ auch einmal unter freiem Himmel auf die Barrikaden steigen würden. „Les Misérables“ als Open-Air-Spectaculum wäre noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar gewesen. Bis Ende 2000 hielt das Produzententeam um Cameron Mackintosh seine eiserne Hand über dem auf Victor Hugos gleichnamigen, fast 2000 Seiten starken Epos basierenden Monumentalwerk aus der Feder von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil. Es durfte entweder in der Urfassung gespielt werden, oder halt eben gar nicht. Und so kannte auch das deutsche Publikum bis dahin nur die - zugegeben –mitreißende Version aus dem Duisburger Musicaltheater. Und die ist ja längst Geschichte. Die Politik der Rechteinhaber änderte sich im Frühjahr 2001, als die Bonner Staatsoper unter der Regie des Exzentrikers John Dew die erste wirklich freie Inszenierung von Les-Mis verwirklichen durfte. Die rief zwar unter Puristen durchaus zwiespältige Gefühle hervor, doch der Damm war damit gebrochen. Seitdem hat es zahlreiche weitere, mehr oder weniger gelungene  Versuche gegeben, das 1980 im Pariser Palais des Sports uraufgeführte und längst zum Klassiker avisierte Stück in Szene zu setzen. Die Tecklenburger Freilichtspiele haben diese Reihe jetzt um eigene Version ergänzt – und bereichert.

Ein Wagnis schien es schon, diese dreistündige, durchkomponierte Klassik-Pop-Oper, deren Storyline sich auf den zeitlichen Rahmen zwischen 1815 und der gescheiterten Pariser Revolution des Jahres 1832 konzentriert, auf einer Freilichtbühne zu zeigen. Das hatte in Deutschland bislang noch nie jemand versucht. Regie und Ensemble sahen sich deshalb vor immense Herausforderungen gestellt. Aber auch dabei greift in der vorläufigen Rückschau die Erkenntnis: No risk, no fun. Gut, „Fun“ in des Wortes eigentlicher Bedeutung hat „Les Misérables“ kaum zu bieten. Dafür ist die Story zu bedrückend und in ihrer Ausprägung zu schwermütig. Aber: Wenn man erleben darf, mit welchem Einfallsreichtum und sensiblen Geschick Regisseurin Helga Wolf alle Untiefen in Aufbau, Dramatik und Staging umschifft und ihre Charaktere zeichnet, macht es schon Freude, zu verfolgen, wie sich der Leidensweg der Handelnden entfaltet und sich ihre Schicksale miteinander verweben.

Kraftvoll und bewegend
Die Musik Claude Michel Schönbergs ist, zumindest hierbei, ja sowieso jenseits von Gut und Böse. Dicht und mit viel opernhafter Dramatik angereichert, haben die wunderschönen Melodien in den vergangenen 26 Jahren die Menschen auf der ganzen Welt be- und gerührt. Keiner, der auch nur eine rudimentäre Affinität zum Genre besitzt, kann sich der Kraft und der Feingeistigkeit der prachtvollen und bewegenden, von dramatischen Solosequenzen, romantischen Liebesduetten kraftvollen Ensembleszenen und opernhaften Rezitativen geprägten Partitur entziehen. Für deren Umsetzung zeichnet, wie sollte es anders sein, in Tecklenburg wiederum Klaus Hillebrecht verantwortlich, der „Haus- und Hofkapellmeister“ der Freilichtbühne. Er liefert auch diesmal an der Spitze eines auf fast 60 Musiker aufgerüsteten, volltönenden Groß-Orchesters einen hervorragenden Job ab. Allerdings war die Tonabmischung am Premierenabend stellenweise lausig, worunter vor allem die Streicherpassagen litten. Diese soundtechnischen Kinderkrankheiten mögen in Folge aber sicherlich überwunden worden sein.

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Unter der Regie von Helga Wolf warten die Tecklenburger Freilichtspiele mit einer packenden und hochkarätig besetzten Inszenierung von „Les Misérables“ auf.  V.l.n.r.: Jana Werner als „Fantine“, Chris Murray (Jean Valjean), Michael Eisenburger (Enjolras) und Dean Welterlen als Inspektor Javert. Rechts stirbt Eponine (Vera Bolten) in den Armen von Marius (Alen Hodzovic)

Ohne Bombast und visuelle Reizüberflutung
Helga Wolf hat aus der Not eine Tugend gemacht. Eine Freilichtbühne setzt einer Inszenierung nun mal gewissen Grenzen und verfügt nicht über die technischen Möglichkeiten eines festen Hauses. Aber das muss, wie sich in diesem aktuellen Fall zeigt, kein Nachteil sein. Im Gegenteil: Die Frau hat das Stück von seinem high-technischen Bombast befreit, es in gewisser Weise entschlackt. Es geht auch ohne visuelle Reizüberflutung und Ausstattungsorgien. Der Mensch, die Story, die Handlung stehen wieder eindeutig im Mittelpunkt.
Stimmungen und Emotionen lassen sich auch auf eine andere Art erzeugen bzw. verstärken, und sei es unter (geschickter) Nutzung der naturgegebenen Zeitabläufe. Der Übergang zwischen Dämmerung, Abend und Nacht ist ein durch kein noch so ausgeklügeltes Lichtdesign zu kopierendes Schauspiel, dem man sich in Tecklenburg beim Timing willig unterwirft. Ein weiteres Pfund, mit dem die Verantwortlichen hier wuchern, ist der große Personalfundus. Chor und Laienspieleriege des Vereins lassen die Massenszenen des Stücks noch grandioser wirken, als man/frau sie in Erinnerung hat. Wenn bis zu 130 Leute auf der Freilichtbühne agieren, kann man sich dieser Wirkung kaum entziehen. Da stellt sich Gänsehaut-Feeling ein.

Mit viel Sensibilität und Detailliebe in Szene gesetzt
Aber es sind vielleicht auch die kleinen Momente oder Regieeinfälle, die die Tecklenburger Produktion so interessant machen. Man muss halt loslassen können und bereit sein, den alten Les-Mis-Film im Hinterkopf (etwas) auszublenden. Die Barrikade, das Kulissen-Herzstück einer jeder Les-Mis-Aufführung, puzzelt sich aus zwei phantasievoll und aufwändig dekorierten Leiterwagen zusammen, die mit Muskelkraft vom rechten und linken Bühnenrand ins Zentrum geschoben werden und daselbst bis zum Ende stehen bleiben. Das stört in den späteren Szenenabfolgen überhaupt nicht.
Aber bereits die Eröffnungssequenz zeigt, dass sich hier jemand seine eigenen Gedanken gemacht hat. Die Gefangenen im Knast kloppen nicht, was beispielsweise in Duisburg immer etwas lächerlich gewirkt hat, mit imaginären Werkzeugen auf imaginären Steinen herum, sondern mühen sich unter der Knute der brutalen Aufseher mit veritablen Baumstämmen ab. Mit seinem schlichten Bühnenbild beweist Jan Bammes , dass weniger allemal mehr sein kann, zumindest und vor allem in diesem Falle. Und unter den Händen von Karin Alberti wurden die Kostüme wieder zu echten Hinguckern.
Chris Murray ein Glücksgriff
Was freilich wäre das stimmigste Konzept in seiner gelungenen, finalen Umsetzung ohne eine adäquate Darstellerriege. Dahingehend haben die für das Casting Verantwortlichen ein glückliches Händchen bewiesen. Sie konnten aber auch aus dem Vollen schöpfen und hatten insofern die Qual der Wahl. Nahezu alles, was in der bundesdeutschen Musical-Szene über Rang und Namen verfügt, hatte in Tecklenburg angeklopft. Darunter viele, die bereits in den vorangegangenen Inszenierungen des Stücks, sei es in Duisburg, Bonn, Berlin oder anderswo, mitgewirkt hatten. Und deshalb verwundert es nicht, dass das Publikum hier mit vielen alten Les-Mis-Bekannten Wiedersehen feiern konnten.

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Martin Berger und Katja Berg (links) geben als schmierige Wirtspaar ein urkomisches Gespann ab. Derweil  bereiten sich die Studenten auf den Barrikadenkampf vor. Dean Welterlen (rechts) ist als Inspektor Javert ein „Bulle“ wie aus dem Bilderbuch

Solisten und Ensemble agieren souverän
Die Solisten (wie auch das gesamte Ensemble) zeigen sich bestens disponiert und agieren absolut souverän. Als Jean Valjean liefert Chris Murray eine beeindruckende Leistung ab, schauspielerisch wie gesanglich. Der vokalstarke Künstler hat seit seinen Berliner Tagen als Ex-Sträfling noch deutlich zugelegt und ist in dieser Rolle schlicht und ergreifend zur Idealbesetzung gereift. Das wurde vor allem bei den lyrischen Passagen offenkundig. Er dürfte auf den Musical-Bühnen hier zu Lande künftig sowieso zu den dominierenden Figuren zählen. Als Inspektor Javert, Valjeans gnadenloser Gegenspieler, gab sich Dean Welterlen keine Blöße und machte mit sonorer Stimme und großer Bühnenpräsenz als pflichtbesessener Bulle eine eindrucksvolle Figur. Seine Ehefrau Jana Werner hatte als „Fantine“ schon zu Duisburger Tagen Pluspunkte sammeln können und, wie ihr nahe gehendes  „Ich hab’ geträumt vor langer Zeit“ zeigte, nichts verlernt. Welterlen hatte freilich in Folge Pech. Auf Grund einer Kehlkopfentzündung musste der Fahnder noch vorzeitiger, als es das Script vorsah, seinen Dienst quittieren. Schade. Doch in Marc Clear, Athos und Riechelieu i.R., fanden die Tecklenburger einen adäquaten Ersatz. Der Künstler, der den „Kommissar“ bereits in Berlin alternierend gegeben hatte, fügte sich nahtlos in die hoch motivierte Riege ein und ließ in Folge keine Wünsche offen. In der Rolle des Javert wird er auch für den Rest der Spielzeit zu erleben sein.
„Scaramouche“ Vera Bolten  hatte als „Eponine“ schon in Bonn und Berlin überzeugen können. So auch in Tecklenburg Mit ihrer attraktiven, individuellen Stimmfärbung weiß sie die Gefühlswelt des unglücklichen Mädels kraftvoll zu vermitteln.  Ihr „Nur für mich“, die Wehklage ihrer unerfüllten Liebe zu Marius, gehört zu den  eindringlichsten Momenten der Aufführung.

Martin Bergers kleine Kneipe
Martin Berger liefert als schlitzohriger Gauner-Kneipier „Thénardier“ mit die überzeugendste Partie. Es ist ja eigentlich auch die dankbarste Rolle dieses Stücks. Seite an Seite mit Madame (Katja Berg) ist der Österreicher für die wenigen lustig-amüsanten Passagen der Inszenierung zuständig, was dem Publikumsliebling wie auf den Leib geschnitten scheint. Das in Tecklenburg (leider) ziemlich schnell vorangetriebene „Herr im Haus“ wird aber auch so (zwangsläufig) zum Showstopper. Mit Frau Wirtin scheint es die Regie hingegen etwas zu gut gemeint zu haben. Die komödiantische Dosis wirkt überladen und zu dick aufgetragen. Aber das ist Geschmackssache. Dem Publikum gefällt’s.
Michael Eisenburger fühlt sich in der Rolle des kämpferischen Studentenführers Enjolras sichtlich wohl und verleiht dem Revoluzzer im Rahmen des vorgegebenen Profils das Größtmögliche an Kontur. Ein Marius andererseits hat es dahingehend immer etwas schwerer, weil es für ihn kaum Spielraum gibt, sich zu entfalten. Der Charakter ist nun mal blass und farblos angelegt. Alen Hodzovic bekleidet als stimmschöner, jugendlicher Held diesen undankbaren Part. Als liebliche Cosette an seiner Seite: Elisabeth Ebner.
Mit „Les Misérables“ gehen die Freilichtspiele Tecklenburg ihren Weg konsequent weiter. Sich an dem Credo orientierend, neue Herausforderungen zu suchen und sich ihnen zu stellen, fährt man im Theater auf der Burg zunehmend erfolgreich. Das zeigen die Wagnisse „Camelot“ im vergangenen Jahr und „Dracula“ in der Spielsaison davor. Das Publikum ist, wie die Erfahrung zeigt, für derlei spielplantechnische Innovationen empfänglich und dankbar. Die Tecklenburger als größtes Freilichttheater Deutschlands haben ihre „Marktposition“ damit ausbauen können und dürfen  unangefochten als Nr. 1 gelten.

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Wer ist hier der Herr im Haus und hat die Hosen an???? Frau Wirtin (Katja Berg, links), oder ihr Göttergatte (Martin Berger, rechts).? Die Rolle des kleinen cleveren und mutigen Gavroche (Mitte oben) ist mit Dominic Niedenzu und Nils Ahrens doppelt besetzt. Er muss genau so sterben wie die aufrührerischen Studenten um ihren Anführer Enjolras (Michael Eisenburger, unten)

Spannendes Experiment wird zum mitreißenden Musical-Erlebnis
„Les Misérables“ als „Oben-Ohne“-Inszenierung ist ein spannendes Experiment, das sich in seiner finalen Umsetzung als packendes, mitreißendes Musical-Erlebnis präsentiert, und das bei einer anhaltend „sozial -verträglichen“ Preisgestaltung. Mehr fürs Geld bekommt man/frau auch beim etablierten Branchenprimus nicht, eher weniger. Und die Freilicht- „Konkurrenz“ in Bad Hersfeld hat ja jetzt auch ein Jahr geschlafen, bemüht sich aber darum, 2007 mit eben dem selben Stück den Anschluss wieder zu finden. Um es mit dem Kaiser zu formulieren: Schaun mer mal“.
In Tecklenburg leiden die „Elenden“ noch bis zum 26. August. Damit kommt man hier in dieser Saison auf 26 Aufführungen des Hauptstücks. Als zweite Produktion dieses Jahres steht unter der Regie von Hans Holzbecher  „Der kleine Horrorladen“ mit Norbert Kohler, Natalie Hammer, Patrick Stanke und Thorsten Thinney  auf dem Programm. Premiere war am 28. Juli. 

©by Jürgen Heimann, Fotos: Heiner Schäffer

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Regen fällt, die Bühne glänzt wie Silber…
»Les Miserables« Open-air in der Stiftsruine Bad Hersfeld

Der Romanklassiker »Die Elenden« von Victor Hugo konnte in Deutschland in der Musicalversion von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Text) als Megaproduktion nur mäßige Erfolge feiern. Nach der Spielzeit in Duisburg 1996-1999 im eigens für dieses Musical gebauten >Theater am Marientor< und der Berliner Produktion im >Theater des Westens< 2003-2004 hatte die Stage Entertainment kein Interesse mehr an den original Londoner Lizenzrechten von Cameron Mackintosh. Das Musical wurde daraufhin in Deutschland für die Stadttheater freigegeben, wo es sich seither in neuen Inszenierungen einer hohen Beliebtheit erfreut. Im Sommer 2006 schickte man die Rivalen Jean Valjean und Inspektor Javert erstmals unter freiem Himmel auf der Felsenbühne Staatz in Niederösterreich und auf der Freilichtbühne in Tecklenburg auf die Barrikaden.  Am 14. Juni 2007 folgte die Premiere von »Les Miserables« bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Diese Produktion schien von Beginn an unter einem schlechten Stern zu stehen: Publikumsliebling Yngve Gasoy-Romdal, der die Hauptrolle des Jean Valjean übernehmen sollte, erkrankte während der Proben und bekam wegen einer Thrombosegefahr für seine Augen striktes Spielverbot. Festspielintendantin Elke Hesse konnte den Norweger schnell durch den Ukrainer Olegg Vynnyk ersetzen, der »Les Miz«-Fans bestens aus über 300 Vorstellungen in Berlin bekannt sein dürfte, bei denen er bereits eindrucksvoll den Jean Valjean spielte. Doch am Premierenabend zogen sprichwörtlich weitere dunkle Wolken am Himmel auf, stand das Barometer auf >Gewitter mit ergiebigem Niederschlag<. Zwar sitzt das Publikum in der Stiftsruine unter einem schützenden Zeltdach, jedoch sind die Darsteller und das Orchester auf der Freilichtbühne komplett >oben ohne< den Wetterkapriolen gnadenlos ausgesetzt, was wegen des stark geneigten Bühnenbodens auch sicherheitstechnische Risiken birgt und bei stärkerem Regen zur Unterbrechung der Aufführung zwingt. Aber am Premierenabend zeigte sich Petrus von seiner gnädigen Seite und ließ es nur während des Epilogs zu Beginn der Show regnen, sowie später sehr stimmungsvoll auf den Barrikaden und in der Kanalisation. Wie von der Regie bestellt, erhellte genau bei Javerts Selbstmord ein ferner Blitz die Szene. Erst als der Schlussapplaus vorbei war, setzte der sintflutartige Regen ein. Doch nun genug vom Wetter geredet: »The show must go on!«

Schauspieler und Regisseur Helmuth Lohner inszenierte das Stück aufgrund der räumlichen Gegebenheiten der Stiftsruine in einem Guss ohne Pause. Eigentlich sollte die ursprüngliche Mammutspielzeit von 195 Minuten der Originalproduktion auf ca. zwei Stunden gekürzt werden, doch hat man sich wohl aufgrund der dramaturgischen Verständlichkeit des durchkomponierten Werkes auf satte 150 Minuten geeinigt, die schon sehr nah an die Spielzeit der deutschen Aufführungen heranreicht. So gibt es nur geringe Abstriche bei einigen Reprisen zu verzeichnen. Die Gerichtsszene, in der Valjean seine wahre Sträflingsidentität vor Javert bezeugt, wurde vereinfacht und die Barrikadenschlachten sind wesentlich straffer inszeniert worden. Die Freilichtbühne kommt von Natur aus mit anderen Gegebenheiten daher wie eine fest installierte Bühnenproduktion in einem eigens für diesen Zweck umgebauten Theater. Umso mehr Respekt kann der Bühne von Paul Lerchenbaumer gezollt werden, dem es mit einfachen Mitteln und der natürlichen Architektur der Stiftsruine gelingt, immer wieder das passende Sujet zu den häufig wechselnden Bildern zu kreieren. Hier wird deutlich, dass »Les Miz« nicht die obligatorische Drehbühne der Großproduktion benötigt, sondern mit den geschickt zum Einsatz kommenden Seitenbühnen viel Raum für die Handlungsorte schafft. Das passende Licht von Lukas Kaltenbäck taucht die Bühne niemals in komplettes Dunkel, so dass es eine weitere Herausforderung war, die zahlreichen Leichen handlungsgebunden von der Bühne verschwinden zu lassen. In die rund drei Meter hohen Barrikaden schließlich waren zwar zu viele Türen eingebaut, dafür erstreckten sie sich imposant über die gesamte Breite der Hauptbühne. Die Maske von Anja Kietzmann verunstaltete manche attraktive Darstellerin mit künstlichen Zahnlücken zu heruntergekommenen Bettlern und wilden Huren. Einzig das Kunstblut hätte sparsamer eingesetzt werden können: Im feinen Nieselregen spritzten beim Sturm der Barrikaden im Gegenlicht viele rote Fontänen auf, die eigentlich eine FSK -Jugendschutzfreigabe von 18 Jahren erforderten, und auch beim Tod von Eponine haftete so viel Blut an den Händen des geliebten Marius, dass er bei der anschließenden Hochzeitsszene mit Cosette noch deutlich rosa Hände hatte. Gelungen war das Spektrum der Kostüme von Tina Hinteregger, das sich von heruntergekommen-ärmlich der Elenden über schlicht-zweckdienlich der Studenten bis hin zu elegant-glamourös der Hochzeitsgesellschaft und herrlich-schrill bei dem violetten Kleid von Mme. Thenardier als Möchtegern-Adlige spannte.

Doch der eigentliche Pluspunkt der Bad Hersfelder Produktion sind die hochkarätigen Darsteller, die den Charakteren Leben einhauchen. Wie bereits erwähnt, verkörpert Olegg Vynnyk erneut bravourös den Titelhelden Jean Valjean. Im Gegensatz zu anderen Produktionen ist Valjean hier jedoch ein durch seinen 19 jährigen Gefängnisaufenthalt wegen des Diebstahls von einem Brot schwer gezeichneter Mann, der keinerlei Lebensfreude verspürt und den Kampf ums Überleben eigentlich schon längst aufgegeben hat. Durch seine Besinnung zur christlichen Nächstenliebe durch den Bischof von Digne (Jon Geoffrey Goldsworthy) sieht er den Sinn seines Lebens nur noch in der Unterstützung seiner ehemaligen Arbeiterin Fantine (eine glänzende Barbara Köhler), die durch seine unterlassene Hilfe ins Hurenmilieu gedrängt wird. Auf ihrem Totenbett schwört er ihr, sich ihrer Tochter Cosette anzunehmen. Hier kommt es zur Auseinandersetzung mit Inspektor Javert, der sein Leben der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung gewidmet hat und deshalb jeden Sträfling hinter Gitter bringen will, insbesondere wenn sich ein Ex-Knackie gar das Amt des Bürgermeisters ergaunert hat. Musicalkennern wird Robert Lamla sicher noch als unnahbarer Diener Max aus dem Andrew Lloyd Webber Musical »Sunset Blvd.« in Niedernhausen unvergessen sein und auch die Rolle des unnachgiebigen Kommissars spielt Lamla mit einer distanzierten Gefühlskälte, die Gesetzestreue über jegliche menschliche Regung stellt. Im krassen Gegensatz dazu steht die aufwühlende Dreiecksliebesgeschichte zwischen dem Studenten Marius (Patrick Schenk als gefühlvoller Herzensbrecher ), seiner Freundin Eponine (Janina Goy als stimmgewaltige verschmähte Geliebte) und der zunächst unerreichbar scheinenden eleganten Cosette (Eva Aasgaard). Beide junge Frauen wuchsen gemeinsam in Rivalität bei den Wirtsleuten Thenardier auf, die in jeder »Les Miz« Produktion der ernsten Haupthandlung einen humoristischen Touch verleihen. Als Mme. Thenardier unüblich schlank präsentiert Sunni Luis ein wahres Feuerwerk an abgrundtiefer Boshaftigkeit und gibt ihrem Mann, der von Heinz Kloss als »Herr im Haus« gespielt wird, ordentlich Paroli.

»Les Miserables« bietet jedem Darsteller zumindest eine ganz große Ballade, in der er oder sie das ganze Können präsentieren kann und alle Sänger nutzen diese Chance bis an ihre Grenzen. So präsentiert Olegg Vynnyk ein bis in die höchsten Töne lupenreines »Bring ihn heim«, sinniert Barbra Köhler in »Ich hab geträumt« emotionsgeladen von einem besseren Leben, besingt Robert Lamla in tiefem Bariton seinen »Stern« (leider wegen der zugezogenen Wolkendecke unsichtbar am Firmament), stirbt Janina Goy mit einem fantastischen »Der Regen fällt« (passend zur Wetterlage) und verzweifelt Patrick Schenk mit »Dunkles Schweigen an den Tischen« am gescheiterten Studentenaufstand. Für das weitere Ensemble bietet »Les Miserabes« sehr stimmungsvolle Chornummern, die in Bad Hersfeld durch den großen Cast beeindruckend wiedergegeben werden. Der gute Gesamteindruck der Gesangsleistung wurde am Premierenabend jedoch oftmals durch ein zu spätes Öffnen der Mikrofone der Protagonisten getrübt, während die gefühlvolle Interpretation von Olegg Vynnyk, der den kränkelnden Valjean mit viel Flüstern in der Stimme darstellte, oftmals einfach zu leise war, um verständlich für jeden Zuschauer zu sein. Doch diese Kinderkrankheiten lassen sich in den weiteren Aufführungen sicher schnell beheben. Das Orchester unter der musikalischen Leitung von Christoph Wohlleben ist mit 25 Musikern besser besetzt als manche Großproduktion und trägt dazu bei, dass »Les Miz« in der Stiftsruine Bad Hersfeld zu einem nachhaltig in Erinnerung bleibendem Musical-Ereignis wird – egal bei welchem Wetter!

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©Text & Fotos: Stephan Drewianka; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 04/07; Juli-August 2007

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