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Technische Daten: Immer wieder faszinieren die verunstalteten Bösewichte mit Herz die Zuschauer in ganz besonderer Weise. Nun muß es aber nicht immer ein märchenhaftes Biest oder ein in Kellergewölben hausendes Phantom sein - seit Anfang des Jahres verwandelt sich allabendlich in Bremen ein angesehener Doktor in den mordlüsternden Mr. Hyde (diese Geschichte hat mich als promovierter Chemiker mit dem Hang zur Gentechnik immer schon besonders interessiert, so daß dieses Stück seit Veröffentlichung des englischen Konzeptalbums sehr schnell mein persönliches Lieblingsmusical wurde). Als ich kurz vor der Premiere eine Fernsehdokumentation sah, fiel mir die ultramoderne Ausstattung unangenehm auf: obwohl das Stück 1885 in London spielt, beherrscht ein mit Neonröhren ausgestatteter Kopf als Rahmen die Bühne und das Labor erscheint durch Laserstrahlen kalt und unendlich groß. Doch was zunächst wie ein schriller Anachronismus wirkt, entpuppt sich im Theater als intelligenter und faszinierender Regieeinfall, der zwischendurch zu Szenenapplaus führt, die Schauspieler mit seiner philosophischen Bilderwucht aber nie erschlägt. Hier wurde offensichtlich nicht an Geld gespart - aber der visuelle Eindruck macht bekanntlich noch keinen Musicalhit. Schon bei der Ouvertüre zeigt sich, daß das im Vergleich zur Broadway-Fassung um einige Instrumente aufgestockte Orchester beeindruckend kraftvoll wie selten in Deutschland aufspielen kann. In Kombination mit einem überdurchschnittlichen Cast kann der zweieinhalb stündige Musicalabend zu einem besonderen Erlebnis werden. Jeder Song ist ein kleines Juwel und ist durch die gefällige Partitur zwischen Pop und “klassischem großen Musical” eingängig (“Dies ist die Stunde” ist in der Originalversion schließlich längst ein Showstopper). Auch die Übertragung ins Deutsche ist überdurchschnittlich gut gelungen. Die Texte sind sehr gut verständlich, was bei einem nahezu durchkomponierten Stück von entscheidender Bedeutung ist, und nur selten wirken sie gekünstelt aufgesetzt oder gar peinlich. In Amerika floppte die Show, da bei den sehr schönen und häufigen Balladen auf der Bühne einfach nichts passierte - aber müssen denn gleich immer Kronleuchter zu Bruch gehen oder Hubschrauber landen, wenn Musik so wunderbar sein kann? (bei “Memory” oder “Don´t Cry For Me Argentina” steht schließlich auch minutenlang nur ein einzelner Darsteller auf der Bühne) Aber keine Angst, denn bevor man bei Jekyll & Hyde mit glücklichem und zufriedenem Gesichtsausdruck zu tief im Zuschauersessel versinkt, gibt es immer wieder einen aufmunternden Kracher. Besonders eindrucksvoll gestaltet sich die 8 Minuten-Eröffnungssequenz des zweiten Aktes, in der Jekyll auf kreativste Weise seine Konkurrenten u.a. mit Champagner-Flasche, Zug oder Benzin und Streichholz ermordet (passend dazu kann sich der Besucher im Foyer später dann mit dem Badezusatz “Blutbad” eindecken). Und im Rotlichtmilieu der “Roten Ratte” gibt es für die Herren der Schöpfung auch genug zu entdecken... Fazit: Eine balladenlastige Großproduktion, die ausgezeichnet unterhält.
Alles zum Thema Jekyll & Hyde bei Sound Of Music. © by Stephan Drewianka
Zwei erste und drei zweite Plätze für die Kölner Produktion Die Kölner Jekyll & Hyde-Inszenierung zählt zu den beliebtesten
bzw. erfolgreichsten Produktionen im deutschsprachigen Raum. Das zumindest ist das Ergebnis einer Leserumfrage durch die Fachzeitschrift „musicals“. Zwei erste und drei zweite Plätze in sieben Kategorien hat kein anderes aktuelles Stück erzielen können. © by Jürgen Heimann
JEKYLL & HYDE feiert die 200. Vorstellung – Musicaldarsteller ließen 600 Luftballons mit vielen Freikarten steigen Dr. Jekyll und Mr. Hyde haben Anlass zu feiern: An diesem Wochenende geht die 200. Vorstellung des großen Musicals
über die Bühne! Bei strahlend blauem Himmel fanden sich ein knappes Dutzend Musicaldarsteller in ihren opulenten viktorianischen Kostümen auf der Kölner Domplatte ein, über ihnen schwebend eine imposante Traube aus
rot-schwarzen Luftballons. Die Luftballons, an denen Gutscheine und Freikarten hingen, verschenkten die Akteure als Dankeschön für die Zuneigung des Publikums. Unverzüglich waren sie umringt von
fotografierenden Touristen und großen und kleinen Kölner Passanten. Schließlich stiegen die 600 Ballons gleichzeitig in den wolkenlosen Kölner Herbsthimmel auf. Der Finder des Ballons, der die längste Strecke
zurückgelegt hat, erhält eine ganz besondere Überraschung – natürlich aus der Hand von Dr. Jekyll persönlich. ©by Stephan Drewianka; Pressetext&Foto: Musical Dome Köln
Lucy Diakovska stellte sich als neue Hauptdarstellerin der Presse vor Ein Angebot, zu dem sie einfach nicht „nein“ sagen konnte – so beschrieb Ex-No Angel Lucy Diakovska bei der Pressekonferenz
am Dienstag im Kölner Musical Dome ihren Einstieg beim großen Erfolgsmusical JEKYLL & HYDE. „In diesem außergewöhnlichen Musical die ‚Lucy’ spielen zu dürfen, ist eine Riesenehre“, sagte die
27jährige Künstlerin bei dem Pressegespräch. „Ich erachte es als einmalige Chance, die Nachfolge von Anna Montanaro antreten zu dürfen.“ Mit dem Engagement bei JEKYLL & HYDE legt Lucy Diakovska im Kölner Musical Dome den
Grundstein für ihre Solokarriere. Ab dem 16. Januar 2004 wird sie als Prostituierte ‚Lucy’ den Titelhelden betören und von der Verführung bis zum dramatischen Bühnentod alle Facetten ihres Könnens zeigen. Lucy
Diakovska wurde am 2. April 1976 in Pleven als Spross einer echten Künstlerfamilie geboren: Vater Lubomir ist Opernsänger, ihre Mutter Rositza Pianistin. Von einer Bühnenkarriere träumte Lucy schon als
kleines Mädchen. Hatte sie ursprünglich beabsichtigt, klassischen Gesang zu studieren, so entschied sie sich schließlich zu einer Musicalausbildung in Hamburg an der renommierten Stage School of Music, Dance and
Drama. Im Anschluss spielte sie lange und sehr erfolgreich die ‚Brenda Lee’ im Musical Die Buddy Holly Story, bis im Sommer 2000 das Casting für die TV-Sendung ‚Pop Stars’ die Band ‚No Angels’ entstehen
ließ. Swing“ (2002) und „Pure“ (2003). Die ‚No Angels’ lösten sich schließlich im September 2003 auf; als Abschiedsalbum produzierte die Gruppe die CD „Best of No Angels“, die in diesem Dezember auf den Markt kam. Insgesamt wurden über 5 Millionen CDs der Gruppe verkauft. Mit den ‚No Angels’ wurde Diakovska nicht nur mit dem ‚World Music Award’, einem ‚Bambi’ und der ‚Goldenen Kamera’ ausgezeichnet, sie erhielt auch mehrere ‚Goldene Ottos’ von Bravo, dreimal den deutschen Schallplattenpreis ‚Echo’ und zweimal den Medienpreis ‚Comet’. Alles zum Thema Jekyll & Hyde bei Sound Of Music. ©by Stephan Drewianka; Pressetext: Musical Dome
Ygve Gasoy-Romdal ist zurück – Lucy Diakovska feierte eine Einstand nach Maß Die neue „Lucy“, die tatsächlich so heißt, wie die tragische Bühnenfigur,
die sie spielt, ist bei ihrem Einstand im Kölner Musical Dome mit großem Beifall gefeiert worden. Sie kam, sang und siegte. Mit der Verpflichtung der ehemaligen „No Angels“-Sängerin ist Jekyll & Hyde
-Produzent Thomas Krauth ein geschickter personeller Schachzug geglückt. Dadurch dürften sich ganz neue Besucherschichten mobiliseren lassen. Auch nach der offiziellen Auflösung der erfolgreichen Girlie-Band
ist deren Fankreis nämlich riesig. Insofern darf davon ausgegangen werden, dass viele, die eigentlich zur typischen Pop-Klientel zählen, auch einmal den Weg ins Theater finden. So waren schon am ersten
Abend zahlreiche Anhänger der Gruppe aus ganz Deutschland angereist.
Elke Schlimbach übernahm im Musical Dome die Leitung eines zwielichtigen Etablissementes, und sagt als „Nellie“ wo es lang geht in der „Roten Ratte“. Die bisherige „Geschäfsführerin“ hat es ebenfalls ins Capitol verschlagen. Dort fliegt Brigitte Oelke inzwischen im Dubnstkreis des Edel-Callgirls Nitribitt als Bordsteinschwalbe „Lilly“ tief. Hans Holzbecher verkörpert bei Jekyll & Hyde Utterson, den Anwalt und Freund des Protagonisten und ist ferner als Cover für die Titelrolle engagiert. ©by Jürgen Heimann Zu den CD-Kritiken!
Yngve Gasoy-Romdal und Anna Montanaro spielen noch einmal das „Gefährliche Spiel“ Auf der Zielgeraden geht es jetzt noch einmal in die Vollen: Dr. Jekyll nuckelt nur noch wenige Male am Horror-Elixier „jh7“. Am 25. April erhält der Zwiegespaltene im Kölner Musical Dome letztmals von seinem Freund Utterson den Fang- und Gnadenschuss. Aus die Maus . Nach 13-monatiger Laufzeit, etwas früher als ursprünglich kalkuliert, läuft das packende Wildhorn-Grusical aus – um an anderer Stelle, jenseits des Kanals, wieder aufzuerstehen. Im nächsten Jahr geht das Meucheln im Londoner Westend weiter – mit Paul Nicholas in der Hauptrolle. Für die letzten vier Shows haben die Produzenten der rheinischen Inzenierung noch einmal das musical-ische Traumpaar der ersten J&H
-Stunde zusammen führen können. Yngve Gasoy-Romdal als Arzt und Monster und Anna Montanaro als Prostituierte Lucy Harris werden zur Freude vieler Fans in den vier finalen Vorstellungen noch
einmal gemeinsam auf der Kölner Bühne stehen. Beide hatten bereits zur Premiere und in den ersten Monaten danach das Publikum durch ihr intensives Spiel bezaubert. Nicht wenige sprachen damals von
einer „Idealbesetzung“ schlechthin. Der Run auf die Tickets ist aber in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen, was aber, wenn es zum
Ende hin zu geht, eine immer zu beobachtende Entwicklung ist. Für die noch verbleibenden Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten. Und mit seiner Einschätzung, dass Hyde ob seines Potenzials nicht für immer
von der Bildfläche verschwinden werde, sondern früher oder später andernorts auftauchen würde, lag bzw. liegt Krauth ja richtig. Siehe Westend London.
©by Jürgen Heimann
Dr. Henry Jekyll praktiziert 2008 auch an der Nidda In der abgelaufenen Saison hatten die Bad Vilbeler bei 159 Veranstaltungen 71.000 zahlende Besucher gezählt – und damit Kostendeckung erzielt. Eine Marke, die die Hessen auch in der Spielzeit 2008 wieder zu erreichen hoffen. Dann gehen die dortigen Burgfestspiele in die 22. Runde. Waren die Freunde des Musik -Theaters im vergangenen Jahr mit Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ mit Matthias Pagani, Brady Swenson und Nadine Hammer in den Hauptrollen bedacht worden, dürfen sie sich nunmehr auf den gruseligen Wildhorn-Klassiker „Jekyll & Hyde“ freuen. Da scheinen die Tecklenburger Freilichtspiele, die 2007 die europaweit ersten Open-Air-Inszenierung dieses Stücks präsentierten, eine kleine Lawine losgetreten haben. Die Bad Hersfelder Festspiele haben den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse für nächstes Jahr ja auch auf den Spielplan gesetzt, von den diversen Produktionen in Stadt- und Staatstheatern ganz zu schweigen. „J&H“ zieht immer. Das wissen auch die Verantwortlichen der Burgspiele. Allerdings vermögen sie, was die Besetzung angeht, derzeit Ross und Reiter noch nicht zu nennen. Die Premiere ist auf den 11. Juni 2008 terminiert. Danach riskiert Dr. Jekyll noch 22 mal die Konfrontation mit seinem fiesen zweiten Ich. Regie führt, wie bei J.C. im letzten Jahr, wieder Egon Baumgarten, die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Thomas Lorey. Für die Choreografie zeichnet Angela Hercules-Joseph verantwortlich. Der Kartenvorverkauf für die neue Saison beginnt am 1. November. Tickets können u.a. auch unter www.kultur-bad-vilbel.de geordert werden. Hier gibt es auch weitergehende Infos zu den einzelnen Produktionen.
Und eine aus dem vergangenen Jahr herrührende Zugabe gibt es auch. Die „Ladies Night“ – ganz oder gar nicht“ steht erneut auf dem Programm. Premiere: 18. Juni. Die spritzige Inszenierung von Corinna Bethge hatte sich 2007 als „Hit der Saison“ erwiesen und eine 95-prozentige Auslastung erzielt. Grund genug für eine zweite Aufführungsreihe. Darüber hinaus gibt es im Rahmen der Burgfestspiele eine Fülle weiterer Shows, Sonderveranstaltungen, Konzerte und Lesungen. So hat sich beispielsweise auch Helen Schneider mit ihrem neuen Programm „Just with Passion“ angesagt. Norma Desmond i.R hat es ja von ihrer Heimatstadt Wiesbaden nicht weit und gibt sich am 9. Juli in Bad Vilbel die Ehre. Daneben wird auch Richard Rogler, der Alt-Meister des deutschen Kabaretts, erwartet. Er sinniert am 3. September über „Ewiges Leben“. Kabarett vom Feinsten verspricht auch das Ensemble der „Leipziger Pfeffermühle“, das am 8. Juni an der Nidda zu Gast ist. Romy Haag lässt sich hier am 20. August blicken und hören. Für die jüngeren Besucher gibt es ebenfalls einen ganzen Kessel Buntes, wobei sich die thematische Auswahl von Pettersson und Findus über Pippi Langstrumpf, die „Wilden Hühner“ und „Das kleine Gespenst“ bis zum „Urmel aus dem Eis“ erstreckt. Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ (Premiere 6. Juni) sowie Schillers „Kabale und Liebe“ (ab 3. Juli) sind die klassischen Hauptstücke der Saison. ©by Jürgen Heimann
Ein Fall für Zwei Im letzten Jahr feierte die Staatsoperette Dresden ihren 60. Geburtstag. Doch wer bei dem Namen des Hauses vermutet, weit im Osten Deutschlands wird ausschließlich der Kunstform Operette gehuldigt, der irrt gewaltig. Das traditionelle Haus galt schon zu DDR-Zeiten als >Musical-Biotop<, das sich immerhin 1997 die deutschsprachigen Rechte von Andrew Lloyd Webbers Romantik-Musical »Aspects Of Love« sichern konnte und danach auch sein Fußball-Musical »The Beautiful Game« aufführen durfte. Selbst Uraufführungen (2000 das Opernmusical »Rasputin« sowie 2007 die Musical-Comedy »Kiss Me, Cole!«) sind keine Seltenheit und sprechen für die hohe Qualität der Produktionen, die im Juni 2007 mit Bernsteins »Candide« einen weiteren Höhepunkt erleben durften. Bevor am 26. Juni 2008 mit Benny Andersons und Björn Ulvaeus »Chess« ein weiteres Musical-Highlight seinen Weg nach Sachsens Landeshauptstadt finden wird, präsentierte Intendant Wolfgang Schaller am 25. Januar eine Neuinszenierung des Frank Wildhorn-Hits »Jekyll & Hyde«. Das Musical von Leslie Bricusse nach der Novelle »The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde« ist dem deutschen Publikum sicher am stärksten aus den Großproduktionen in Bremen (1999-2000) und Köln (2003-2004) in Erinnerung geblieben. Danach konnte man sich des Musical-Thrillers in diversen Freilichtaufführungen und anderen Stadttheaterinszenierungen erfreuen. Dresden wartet jetzt mit Musical-Star Chris Murray, der zuletzt als Priester Konrad von Marburg in der Eisenacher Premiere von »Elisabeth – Legende einer Heiligen« gefeiert wurde, in der Doppelrolle des ehrgeizigen Wissenschaftlers auf. Murray wurde dieser Charakter bereits während der Spielzeit der Großproduktionen angeboten, doch er lehnte die Angebote damals mit der Begründung ab, er könne diese anspruchsvolle und anstrengende Verwandlung vom Arzt zum Massenmörder nicht achtmal wöchentlich in gleichbleibender Qualität präsentieren. Für die Dresdener Produktion mit seinen unregelmäßigen Aufführungsterminen und den längeren Pausen sagte Murray für diese Traumrolle gerne zu. Davon darf nun der Zuschauer profitieren, denn Chris Murray spielt den schizophrenen Menschen mit den zwei so unterschiedlichen Charakteren mit einer beeindruckenden Intensität. Da ist zunächst Henry Jekyll, dessen Vater an einer Geisteskrankheit gestorben ist und der nun als Forscher die Genehmigung erhalten will, diese Krankheit zu studieren. Als dies durch ein Gremium aus sechs einflussreichen Menschen aus Kirche und Kultur untersagt wird, greift er zur Spritze und injiziert sich im Selbstversuch die Formel >HJ7<, die das Gute vom Bösen im Menschen trennen soll. Zum Vorschein kommt der unheimliche Mr. Hyde, der so ganz anders als Jekyll nicht die Heirat mit der reichen Emma sucht, sondern lüstern die Bordelle Londons besucht und sich grausam an seinen Feinden rächt, die er allesamt auf spektakuläre Weise ins Jenseits befördert. Als Hyde immer mehr die Oberhand gewinnt und selbst bei Jekylls Hochzeit zum Vorschein kommt, nimmt sich Henry das Leben, indem er sich in das gezogene Schwert seines Freundes stürzt. Chris Murray versteht es perfekt, die leisen Töne Henry Jekylls in die krächzenden Misstöne eines Edward Hydes zu verwandeln. Am eindrucksvollsten gelingt ihm dies in der »Konfrontation«, bei der er in beiden Rollen mit zwei völlig unterschiedlichen Stimmen ein Duett schmettert, wie man es so bisher selten gesehen und gehört hat. Die gerechtfertigten >Bravo<-Rufe des Premierenpublikums teilte sich Murray mit Susanna Panzner (»Elisabeth« in Essen und Wien, »Mamma Mia!« in Berlin und Hamburg, »3 Musketiere« in Berlin) als leichtes Mädel Lucy Harris sowie Ilonka Vöckel (»Anything Goes«, »Das Tagebuch der Anne Frank«, »Die Fledermaus« in Dresden) als emanzipierte Emma Carew. Beide Damen vereinen ähnlich wie Jekyll und Hyde zwei Pole weiblicher Gegensätzlichkeit, die aber in ihren Duetten harmonisch zusammenfließen. Lucy Harris träumt als Prostituierte von einem »neuen Leben«, bevor es im »gefährlichen Spiel« von Mr. Hyde grausam beendet wird. Susanna Panzner versteht es dabei, die Hure liebenswürdig mit Würde und Hoffnung zu spielen, der das harte Leben letztendlich jedoch immer einen Strich durch ihre Träume macht. Ihr mentaler Gegenpol ist das behütete, mit dem goldenen Löffel im Munde aufgewachsene Adelskind Emma, das sich jedoch ganz entgegen ihres Standes in den leicht wunderlichen Wissenschaftler verguckt hat. Ilkona Vöckel präsentiert hier in der Inszenierung von Winfried Schneider und der Dramaturgie von André Meyer erstmals eine erwachsene Emma, die ihren Dickkopf gegenüber ihrem Vater und ihren ehemaligen Verehrern mit Selbstbewusstsein durchsetzt, etwas, das dieser Rolle bisher immer gefehlt hat. Nicht nur dadurch erscheint die gesamte Geschichte in Dresden wesentlich runder und besser verständlicher als in früheren Versionen. Viele kleine Änderungen in den Text- und Gesangspassagen kommen der Gesamtinszenierung zu Gute, wenn auch viele der Songs, die nicht zuletzt durch die CD -Veröffentlichungen bekannt sein dürften, durch die veränderten deutschen Texte von Susanne Dengler in den teilweise neuen Arrangements von Jason Howland etwas fremd klingen. Eine beeindruckende Wandlung hat z.B. die Hurenhymne »Komm schaff die Männer ran!« erfahren, die an der Staatsoperette mit längerem Instrumentalmittelteil und schmissiger Choreografie zur unterhaltsamen Tanznummer mutiert ist. Ebenfalls interessanter als in anderen Versionen sind die »Fassade«-Reprisen des Ensembles geworden, die hier nicht nur zur Überbrückung von Umbauphasen dienen, sondern in stärkerer Variation durchaus die Handlung weiterbringen. Leider fehlen neben einer »Fassaden«-Reprise auch die emotionale Einstiegssequenz Jekylls »Ich muss erfahr´n«, die rührende Mähr der »Mädchen der Nacht« und das aufpeitschende »Die Welt ist völlig irr« des übermütigen Hydes. Trotz dieser Kürzungen, die einige Zuschauer schmerzlich vermissen werden, kommt das Stück im ersten Akt doch etwas zäh in Gang. Wenn aber Jekyll in seinem schön alchemistisch anmutenden Minilabor (Ausstattung: Ella Späte) zu »Dies ist die Stunde« endlich seine Verwandlung zum Bösen erfährt, sind die wenigen Längen schnell vergessen.
Natürlich kann eine Stadttheater-Aufführung im Vergleich zu einer Großproduktion nicht mit dem
bombastischen Drumherum einer imposanten Bühnenkulisse punkten. Hier beweist Dresden jedoch, dass
»Jekyll & Hyde« auch mit einfacheren Mitteln zu realisieren ist. Einige Spiegel und ein Kronleuchter deuten
einen Ballsaal auch ohne große Freitreppe an, ein Licht und entsprechende Geräusche reichen auch, um eine Dampflok heraufzubeschwören, gemalte Bücherregale verbreiten die Wärme einer Bibliothek, die im
krassen Gegensatz zu den kargen Räumlichkeiten von Lucys Zimmer steht. Und trotzdem muss der Zuschauer nicht auf so manche pyrotechnische Effekte verzichten, die in diesem Umfeld umso verblüffender
wirken. Die Kostüme sind operettenhaft der viktorianischen Zeit passend eingesetzt und sehr geschmackvoll.
Alles zum Thema Jekyll & Hyde bei Sound Of Music. © Text & Fotos by Stephan Drewianka; dieser Bericht erschein ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 02/08, März-April 2008
Gefährliches Spiel auf barocken Baugerüsten Sie kennen den Thriller vom aristokratischen Wissenschaftler, der Gut und Böse trennen will und dabei selbst zum mordenden Monster wird in der Musicaladaption von Frank Wildhorn noch aus Bremen, Wien, Köln oder einem kleineren Stadttheater? Die aktuelle Neuinszenierung für die 58. Bad Hersfelder Festspiele Open-Air in der Stiftsruine bietet selbst dem eingefleischten »Jekyll & Hyde«-Fan einige interessante Neuerungen, so dass sich ein Besuch des Musicals lohnt. Mit Regisseur Frank Alva Buecheler engagierte Festspielintendantin Elke Hesse einen echten Kenner dieser Materie, der bereits 1999 die deutsche Erstaufführung des Musicalthrillers in Bremen inszenierte. Vielleicht war es neun Jahre später zur Premiere in Bad Hersfeld am 11. Juni an der Zeit, Handlung, Dramaturgie und deutsche Texte kräftig zu überarbeiten. Die Freiluftbühne der mittelalterlichen Stiftsruine als Spielort eines High-Tech Mega-Musicals stellt bereits eine große Herausforderung dar: hier gibt es keine Möglichkeit eines schnellen Bühnenumbaus, keine Drehbühne, die in der Versenkung verschwinden kann oder Kulissenteile und Requisiten aus dem Nichts erscheinen lässt. Die Aufgabe, die zahlreichen und recht komplexen Szenenorte auf dieser soliden und sehr breiten Bühne entstehen zu lassen, wurde für »Jekyll & Hyde« recht ungewöhnlich umgesetzt. Das Labor, in Bremen noch ein endloser Gang hellerleuchteter Neonröhren, der exklusive Ballsaal von Sir Danvers Carew mit ausladender Freitreppe und strahlendem Kronleuchter oder die schwüle Atmosphäre im Bordell »Die rote Ratte« musste einzig in der Phantasie des Zuschauers entstehen, denn im Bad Hersfelder Bühnenbild von Robert Pfalz gab es ausschließlich nackte Baugerüste, auf denen die Darsteller agierten. Was zunächst einfach unfertig aussah (»Schraubt ihr noch, oder spielt ihr schon?«), entpuppte sich im Verlauf der Show jedoch als pfiffige Idee, die einfach gut funktionierte, war doch auch zur Zeit des Stücks London eine einzige Großbaustelle. Es reichten dann schon kleine Requisiten, wie eine leuchtend rote Laterne, um die »rote Ratte« zu symbolisieren, oder ein kleiner Tisch wurde zu Henrys Labor. Natürlich gab es auch größere Kulissenteile, wie die überdimensionale Säule mit Lord Nelson, um den Londoner Trafalgar Square zu zeigen oder den Gartenpavillon, in dem sich Henry und Lisa verloben, der jedoch einem riesigen, goldenen Vogelkäfig nachempfunden war und somit mehr Henrys Gefühlswelt als tatsächliche Realität widerspiegelte. Je einfacher das Bühnenbild, desto opulenter fielen die Kostüme aus mit denen Hannelore Nennecke einen wahren Augenschmaus entfesselte. Selbst kurze Sequenzen wie die Mini-Tennis-Sequenz, mit der die aristokratische Lisa Carew verspielt eingeführt und charakterisiert wurde, überraschten immer wieder mit geschmackvoll farbenfrohen Ausflügen in die Modewelt des 19. Jahrhunderts, die schon fast wieder modern wirkte. Getaucht in atmosphärisches Licht (Lukas Kaltenbäck) vergaß der Zuschauer schnell die sterilen Baugerüste und sah problemlos das enge Zimmerchen von Hure Lucy Harris, in das sich der zu Hyde mutierte Jekyll in schwindelnder Höhe wie eine Raubkatze schlich. Eine der größten Änderungen betraf genau diese Transformation Jekyll zu Hyde, die es in Bad Hersfeld strenggenommen gar nicht gab: Dr. Jekyll als charmanter Frauenschwarm erkennt nach seiner Verlobung mit Lisa Carew, dass da noch etwas anderes in ihm steckt, ausgelöst vom erotischen Werben der Prostituierten Lucy Harris. Er will die Schranken und Normen, die ihm von der Gesellschaft aufgezwungen werden, durchbrechen und spritzt sich eine Droge, die diese dunklere Seite in ihm freisetzt. Jetzt kann er ohne Reue Rache nehmen an den Menschen, die ihm seine Träume und Forschungen verweigerten und er ermordet kurzer Hand jeden, der ihm im Weg steht. Ist dies tatsächlich ein anderer Mensch? In Bad Hersfeld änderte sich das Aussehen des Titelhelden eigentlich gar nicht, es gibt keinen Wechsel zwischen gepflegtem Zopf und wildem Strähnenhaar, das sonst immer für den Charakterwechsel steht. Natürlich sprach Hyde anders als Jekyll – obszön und irgendwie tierisch. Die große Frage, die sich am Premierenabend stellte, war, ob Opernsänger Jan Ammann, der als »Ludwig II« in gleich zwei Versionen in Füssen die Figur des Märchenkönigs prägte, diesen subtilen Wandel überzeugend darstellen konnte. Gleich zu Beginn mit dem Show-Opener »Fern und im Dunkeln« wurde klar , dass Ammann ein perfekter Henry Jekyll war, der mit seiner butterweichen und bis in die höchsten Töne geschmeidigen Stimme den netten Frauenschwarm nicht nur von seiner äußeren Erscheinung verkörpern konnte. Mit »Dies ist die Stunde«, in der Ammann mit dem Rücken zum Publikum bis in die hintersten, dunklen Winkel der Stiftsruine schritt, um dann mit gestärktem Mut und aufflammendem Licht bis vorne an den Bühnenrand zurückzukehren, erlebte der Zuschauer einen Gänsehautmoment, der nicht auf die Schafskälte in zugiger Open-Air Umgebung zurückzuführen war. Mit der Freisetzung des Edward Hyde bei »Die Verwandlung« bis zum finalen »Die Konfrontation« bewies Ammann, dass er auch ganz anders kann: knurrend war die weiche Stimme dahin, ohne jedoch ihre Präzision einzubüßen. Als wahrer Höhepunkt entpuppte sich der Song »Ein gefährliches Spiel«, der bisher in allen deutschen Versionen leider völlig seine erotische Verführung der englischen Originalversion eingebüßt hatte. In Bad Hersfeld war die knisternde Spannung jedoch endlich wieder spürbar als ein Feuerwerk an unterschwelliger Gier. Duettpartnerin ist die Holländerin Maaike Schuurmanns als Lucy Harris, die Ammann gesanglich in keinster Weise nachsteht. Ihre Solonummer »Ein neues Leben« bewegt, die Duette mit Silke Dublinger als Puffmutter Nellie bei »Mädchen der Nacht« oder mit Annemieke van Dam als Lisa Carew bei »Nur sein Blick« setzten weitere Glanzpunkte. Als Jekyll Lucy schließlich erwürgte, war der Verlust auch für die Zuschauer schwer. Leider erreichte Annemieke van Dam als emanzipierte Aristokratentochter Lisa stimmlich nicht ganz das hohe Niveau ihrer Kollegen, ihre Soli »Jemand wie Du« oder das sanfte »Freundlichkeit, Zärtlichkeit« fielen verglichen mit ihrer Leistung in Duetten etwas ab. Zudem war der Ton (Stephan Dittrich, Christian Stader, Ulla Pittermann) während der Premierenvorstellung nicht immer optimal ausgesteuert, so dass das 17 köpfige Orchester des Öfteren den Gesang der Darsteller übertönte. Ausgeglichener erschienen die Chorszenen unter der Leitung von Helga Hahn, die die eigentlich schwächeren Nummern der »Fassaden«-Reprisen oder das grandios mit Zeitungen und Regenschirmen choreografierte (Rüdiger Reschke) »Mörder« aufblühen ließen. Da in Bad Hersfeld Stücke ohne Pause durchgespielt werden, gilt die strenge Regel einer Spielzeitbegrenzung auf maximal 150 Minuten. Leider
fielen dieser Regel zwei Reprisen von »Fassade« sowie Jekylls Song »Die Welt ist völlig irr« zum Opfer. Im Gegensatz dazu wurde die Rolle des John Utterson,
hier glänzend besetzt mit Musical-Gast Rory Six, ungewohnt erweitert: John als bester Freund Henry Jekylls erkennt als erster die prekäre Lage, in der sich
sein Freund befindet, ist aber ohnmächtig gegenüber der Dominanz von Edward Hyde. Er versucht, Lucy vor deren Ermordung zu warnen und auf der Hochzeitsfeier ist er es, der Jekyll durch zwei
Pistolenschlüsse erlöst. Entsetzt von seiner Tat und vom Verlust des Freundes nimmt er sich das Leben. Durch diese inhaltlichen Modifikationen war es auch nicht überraschend, dass einige Songs ihren
angestammten Platz im Musical verlassen hatten und verschoben wurden. Auch textlich wurde viel an der ursprünglichen deutschen Version von Susanne Dengler und Eberhard Storz geändert.
Herausgekommen ist dabei ein inhaltlich verständlicheres, wenn auch durch das moderne Bühnenbild abstrakteres Musical. Bad Hersfeld zeigt bis zum 03. August in insgesamt 26. Vorstellungen
einen anderen »Jekyll & Hyde«. Vielleicht genießen auch Sie diese neue Erfahrung. ©by Stephan Drewianka, dieser Bericht erschien ebenfalls in der Musical-Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 04/08, Juli-August 2008; Bünenfotos(13): blitzlicht fotostudio, Schlussapplaus(2): Stephan Drewianka
Am 3. August 2008 gingen die 58. Bad Hersfelder Festspiele zu Ende. Mit einer grandiosen letzten Vorstellung von "Jekyll & Hyde" und der Verleihung des Zuschauerpreises an den Star des diesjährigen Musicals: Jan Ammann. Zuschauerpreis für Dr. Henry Jekyll / Mr. Hyde alias Jan Ammann! Mit einem lachenden und einem weinenden Auge Produktionen und Zahlen im Einzelnen Gegenmaßnahmen Vorschau © Pressestelle Bad Hersfeld; Fotos: Stephan Drewianka
Alles zum Thema Jekyll & Hyde bei Sound Of Music.
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