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Technische Daten:

Original Besetzung: Ethan Freeman, Lyn Liechty, Susanne Dengler
Musical Theater Bremen
Musik: Frank Wildhorn
Texte: Leslie Bricusse (deutsch von Susanne Dengler unter dem Pseudonym Melitta Edith)
Aufführungsdauer: 180 min.
Uraufführung: 19. Februar 1999
Ende: 31. Dezember 2000

Immer wieder faszinieren die verunstalteten Bösewichte mit Herz die Zuschauer in ganz besonderer Weise. Nun muß es aber nicht immer ein märchenhaftes Biest oder ein in Kellergewölben hausendes Phantom sein - seit Anfang des Jahres verwandelt sich allabendlich in Bremen ein angesehener Doktor in den mordlüsternden Mr. Hyde (diese Geschichte hat mich als promovierter Chemiker mit dem Hang zur Gentechnik immer schon besonders interessiert, so daß dieses Stück seit Veröffentlichung des englischen Konzeptalbums sehr schnell mein persönliches Lieblingsmusical wurde).

Als ich kurz vor der Premiere eine Fernsehdokumentation sah, fiel mir die ultramoderne Ausstattung unangenehm auf: obwohl das Stück 1885 in London spielt, beherrscht ein mit Neonröhren ausgestatteter Kopf als Rahmen die Bühne und das Labor erscheint durch Laserstrahlen kalt und unendlich groß. Doch was zunächst wie ein schriller Anachronismus wirkt, entpuppt sich im Theater als intelligenter und faszinierender Regieeinfall, der zwischendurch zu Szenenapplaus führt, die Schauspieler mit seiner philosophischen Bilderwucht aber nie erschlägt. Hier wurde offensichtlich nicht an Geld gespart - aber der visuelle Eindruck macht bekanntlich noch keinen Musicalhit.

Schon bei der Ouvertüre zeigt sich, daß das im Vergleich zur Broadway-Fassung um einige Instrumente aufgestockte Orchester beeindruckend kraftvoll wie selten in Deutschland aufspielen kann. In Kombination mit einem überdurchschnittlichen Cast kann der zweieinhalb stündige Musicalabend zu einem besonderen Erlebnis werden. Jeder Song ist ein kleines Juwel und ist durch die gefällige Partitur zwischen Pop und “klassischem großen Musical” eingängig (“Dies ist die Stunde” ist in der Originalversion schließlich längst ein Showstopper). Auch die Übertragung ins Deutsche ist überdurchschnittlich gut gelungen. Die Texte sind sehr gut verständlich, was bei einem nahezu durchkomponierten Stück von entscheidender Bedeutung ist, und nur selten wirken sie gekünstelt aufgesetzt oder gar peinlich.

In Amerika floppte die Show, da bei den sehr schönen und häufigen Balladen auf der Bühne einfach nichts passierte - aber müssen denn gleich immer Kronleuchter zu Bruch gehen oder Hubschrauber landen, wenn Musik so wunderbar sein kann? (bei “Memory” oder “Don´t Cry For Me Argentina” steht schließlich auch minutenlang nur ein einzelner Darsteller auf der Bühne) Aber keine Angst, denn bevor man bei Jekyll & Hyde mit glücklichem und zufriedenem Gesichtsausdruck zu tief im Zuschauersessel versinkt, gibt es immer wieder einen aufmunternden Kracher. Besonders eindrucksvoll gestaltet sich die 8 Minuten-Eröffnungssequenz des zweiten Aktes, in der Jekyll auf kreativste Weise seine Konkurrenten u.a. mit Champagner-Flasche, Zug oder Benzin und Streichholz ermordet (passend dazu kann sich der Besucher im Foyer später dann mit dem Badezusatz “Blutbad” eindecken). Und im Rotlichtmilieu der “Roten Ratte” gibt es für die Herren der Schöpfung auch genug zu entdecken...

Fazit: Eine balladenlastige Großproduktion, die ausgezeichnet unterhält.

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© by Stephan Drewianka

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Zwei erste und drei zweite Plätze für die Kölner Produktion
Jekyll & Hyde zählt zu den beliebtesten Musicals

Die Kölner Jekyll & Hyde-Inszenierung zählt zu den beliebtesten bzw. erfolgreichsten Produktionen im deutschsprachigen Raum. Das zumindest ist das Ergebnis einer Leserumfrage durch die Fachzeitschrift „musicals“. Zwei erste und drei zweite Plätze in sieben Kategorien hat kein anderes aktuelles Stück erzielen können.
Nach den besten Hauptdarstellern befragt, hievten die Teilnehmer der Erhebung beide J&H-Protagonisten jeweils auf die beste Position, und das mit deutlichem Abstand zu den Nächstplatzierten. Yngve Gasoy-Romdal, der ja am Rhein inzwischen von Drew Sarich beerbt worden ist, gewann das Rennen vor Uwe Kröger (Elisabeth) und Christopher Murray (The Scarlet Pimpernel); unter den weiblichen Darstellern lag Anna Montanaro, die in dem Wildhorn-Grusical die Prostituierte „Lucy“ verkörpert, unangefochten an der Spitze, vor Maike Boerdam aus „Elisabeth“ und Carolin Fortenbacher P aus „Mamma Mia“.
Einen zweiten Rang erreichte Jekyll & Hyde in der Sparte der  besten Neu-Produktionen punktgleich mit „The Scarlet Pimpernel“ aus Halle und hinter „Mamma Mia“. Ebenfalls  jeweils eine „Silbermedaille gab es für die Regie (Dietrich Hilsdorf) und die Ausstattung (Bühnenbild: Johannes Leiacker; Kostüme: Renate Schmitzer).
Das Resultat der Favoriten-Wahl  ist natürlich keineswegs repräsentativ. Noch offen ist, wie die Leser des wesentlich auflagenstärkeren neuen deutschen Musicalmagazins „Da Capo“ entscheiden. Eine entsprechende Umfrage in dieser Zeitschrift läuft noch bis 4. November.

© by Jürgen Heimann

‚Himmelfahrtskommando’ in rot-schwarz

JEKYLL & HYDE feiert die 200. Vorstellung – Musicaldarsteller ließen 600 Luftballons mit vielen Freikarten steigen

Dr. Jekyll und Mr. Hyde haben Anlass zu feiern: An diesem Wochenende geht die 200. Vorstellung des großen Musicals über die Bühne! Bei strahlend blauem Himmel fanden sich ein knappes Dutzend Musicaldarsteller in ihren opulenten viktorianischen Kostümen auf der Kölner Domplatte ein, über ihnen schwebend eine imposante Traube aus rot-schwarzen Luftballons. Die Luftballons, an denen Gutscheine und Freikarten hingen,  verschenkten die Akteure als Dankeschön für die Zuneigung des Publikums. Unverzüglich waren sie umringt von fotografierenden Touristen und großen und kleinen Kölner Passanten. Schließlich stiegen die 600 Ballons gleichzeitig in den wolkenlosen Kölner Herbsthimmel auf. Der Finder des Ballons, der die längste Strecke zurückgelegt hat, erhält eine ganz besondere Überraschung – natürlich aus der Hand von Dr. Jekyll persönlich.
Das Foto zeigt die Mitglieder des „Jekyll & Hyde“-Ensembles in Kostüm und Maske bei der Luftballon -Aktion vor dem Dom.

©by Stephan Drewianka; Pressetext&Foto: Musical Dome Köln

Foto: Musical Dome

„Zu 100 Prozent im Theater“
Lucy Diakovska stellte sich als neue Hauptdarstellerin der Presse vor

Ein Angebot, zu dem sie einfach nicht „nein“ sagen konnte – so beschrieb Ex-No Angel Lucy Diakovska bei der Pressekonferenz am Dienstag im Kölner Musical Dome ihren Einstieg beim großen Erfolgsmusical JEKYLL & HYDE. „In diesem außergewöhnlichen Musical die ‚Lucy’ spielen zu dürfen, ist eine Riesenehre“, sagte die 27jährige Künstlerin bei dem Pressegespräch. „Ich erachte es als einmalige Chance, die Nachfolge von Anna Montanaro antreten zu dürfen.“
Ursprünglich sei nach der Auflösung der Band eine Auszeit geplant gewesen. Sie habe eine Pause vom aufreibenden Showgeschäft einlegen wollen. Doch untätig zu Hause herumzusitzen? „Dazu hatte ich viel zu viel Energie“, so die gebürtige Bulgarin, „und wie so oft kam alles anders als geplant. Ich bin superfroh, wieder auf der Bühne zu stehen und hoffe, hier im Kölner Musical Dome eine unvergessliche Zeit zu haben. Die No Angels gibt es nicht mehr. Was bleibt, ist die Musik - und jetzt bin ich zu einhundert Prozent im Theater.“
Thomas Krauth, der Produzent des Erfolgsmusicals JEKYLL & HYDE, ist ebenso wie Regisseur Dietrich Hilsdorf begeistert von ihrer Ausstrahlung auf der Bühne. Lucy sei einfach großartig. „Sie singt fantastisch, tanzt fantastisch, ist Künstlerin durch und durch. Eine blendende Darstellerin, die die Rolle wunderbar ausfüllt“, sagte der Produzent vor der Presse, „und wir sind froh, dass wir diese herausragende Künstlerin verpflichten konnten.“
Zu ihrer Zukunftsplanung äußerte die Darstellerin, sie betrachte das Engagement beim Musical zwar als Ausnahme; aber auf lange Sicht sei es die Popmusik, der sie sich verschrieben habe. Doch nun werde Lucy buchstäblich zur Lucy, jeden Tag ein Stückchen mehr. Und das Musical fessele sie, seitdem sie vor acht Jahren erstmals mit der Musik in Berührung gekommen sei. „Ich hätte mir damals nie träumen lassen, einmal selber in diesem wundervollen Stück auf der Bühne zu stehen“, so Lucy Diakovska. „In vielen Situationen auf der Bühne könnte ich selber die ‚Lucy’ sein – ich kann mich tatsächlich gut mit der Rolle identifizieren.“ Und dann lacht sie. „Bei den ‚No Angels’ war ich bis jetzt immer ‚die kleine Lucy’. Bei JEKYLL kann ich die Frau in mir rauslassen, das ist toll. Ich möchte auf der Bühne Angst und Liebe zeigen. Ich möchte Theater leben!“

Mit dem Engagement bei JEKYLL & HYDE legt Lucy Diakovska im Kölner Musical Dome den Grundstein für ihre Solokarriere. Ab dem 16. Januar 2004 wird sie als Prostituierte ‚Lucy’ den Titelhelden betören und von der Verführung bis zum dramatischen Bühnentod alle Facetten ihres Könnens zeigen. Lucy Diakovska wurde am 2. April 1976 in Pleven als Spross einer echten Künstlerfamilie geboren: Vater Lubomir ist Opernsänger, ihre Mutter Rositza Pianistin. Von einer Bühnenkarriere träumte Lucy schon als kleines Mädchen. Hatte sie ursprünglich beabsichtigt, klassischen Gesang zu studieren, so entschied sie sich schließlich zu einer Musicalausbildung in Hamburg an der renommierten Stage School of Music, Dance and Drama. Im Anschluss spielte sie lange und sehr erfolgreich die ‚Brenda Lee’ im Musical Die Buddy Holly Story, bis im Sommer 2000 das Casting für die TV-Sendung ‚Pop Stars’ die Band ‚No Angels’ entstehen ließ.
Die erfolgreichste deutsche Girlband aller Zeiten produzierte fünf Alben und unzählige Nr.1-Hits. Bereits wenige Wochen nach Gründung der Band erschien das Album „Elle’ments“, das sofort auf Platz 1 der Charts stieg. Als zweites Album kam „Now... Us“ (2002) auf den Markt. Es folgten „When the Angels

Swing“ (2002) und „Pure“ (2003). Die ‚No Angels’ lösten sich schließlich im September 2003 auf; als Abschiedsalbum produzierte die Gruppe die CD „Best of No Angels“, die in diesem Dezember auf den Markt kam. Insgesamt wurden über 5 Millionen CDs der Gruppe verkauft. Mit den ‚No Angels’ wurde Diakovska nicht nur mit dem ‚World Music Award’, einem ‚Bambi’ und der ‚Goldenen Kamera’ ausgezeichnet, sie erhielt auch mehrere ‚Goldene Ottos’ von Bravo, dreimal den deutschen Schallplattenpreis ‚Echo’ und zweimal den Medienpreis ‚Comet’.

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©by Stephan Drewianka; Pressetext: Musical Dome

Nicht nur in der „Roten Ratte“ ein Star: Lucy Diakovska glückt im Musical Dome ein Einstand nach Maß.  Foto: Sebstian Drüen

Neues „Dream-Team“ bei Jekyll & Hyde in Köln
Ygve Gasoy-Romdal ist zurück – Lucy Diakovska feierte eine Einstand nach Maß

Die neue „Lucy“, die tatsächlich so heißt, wie die tragische Bühnenfigur, die sie spielt, ist bei ihrem Einstand im Kölner Musical Dome mit großem Beifall gefeiert worden. Sie kam, sang und siegte. Mit der Verpflichtung der ehemaligen „No Angels“-Sängerin ist Jekyll & Hyde -Produzent Thomas Krauth ein geschickter personeller Schachzug geglückt. Dadurch dürften sich ganz neue Besucherschichten mobiliseren lassen. Auch nach der offiziellen Auflösung der erfolgreichen Girlie-Band ist deren Fankreis nämlich riesig. Insofern darf davon ausgegangen werden, dass viele, die eigentlich zur typischen Pop-Klientel zählen, auch einmal den Weg ins Theater finden. So waren schon am ersten Abend zahlreiche Anhänger der Gruppe aus ganz Deutschland angereist.
Frau Diakovskas Debüt als Prostituierte Lucy Harris war eines nach Maß. Stehende Ovationen belohnten die 27-Jährige für ihre bravouröse Darstellung. Unter den Besuchern im ausverkauften „Dome“ fanden sich auch Vater Lubomir, Mutter Rositza, Oma, Opa, Tante und Cousin, die eigens aus Bulgarien gekommen waren, um ihr Mädel agieren zu sehen. Ein richtiges Familienfest. Komplimente gab es auch von den früheren „No Angels“-Kolleginnen Sandy Mölling und Vanessa Petruo. Die „Neue“ tritt natürlich ein schweres Erbe an. Anna Montanaro hat in dieser Rolle ziemlich große Fußstapfen hinterlassen und die Latte extrem hoch gehängt. Das 31-jährige Energiebündel ist nach Düsseldorf gewechselt. Im dortigen Capitol-Club wickelt die broadwaygestählte „Velma Kelly“ als Mädchen Rosemarie die Männerwelt um den kleinen Finger. 
Aber der Extra-Beifall galt nicht allein der neuen Hauptdarstellerin. Da hat sich jemand zurück gemeldet, der zu den ganz Großen der Musical-Szene zählt und die anspruchsvolle J&H-Doppelrolle bereits bei der Premiere im März vergangenen Jahres mit bis dato unerreichter Nachhaltigkeit ausgekleidet hatte: Yngve Gasoy-Romdal. Der sympathische Norweger feierte zeitgleich seine zweite Jekyll & Hyde-Premiere. Er schlüpfte nach dreimonatiger Aus-Zeit wieder in des Monsters zotteligen Mantel und mutiert, nachdem er vom selbstgemixten Wunderelixier „jh 7“ geschlürft hat, vom wohltätigen Doktor zum blutrünstigen Killer. Als solcher ist er besser denn je. Die Rückkehr des charismatischen Künstlers wird der packenden Inszenierungen weiteren Schub verleihen. Euphorisierte Besucher sprachen von einem „neuen Dream-Team“. Beide Künstler bleiben der Produktion auf unbegrenzte Zeit erhalten. Das Wildhorn-Stück soll am Rhein mindestens noch bis April dieses Jahres gespielt werden.

Neues Dream-team im Kölner Musical Dome: Lucy Diakovska und Yngve Gasoy-Romal sind die Zugpferde bei Jekyll & Hyde in Köln. Die ehemalige „No Angels“-Sängerin gab unlängst als Prostituierte Lucy Harris ihren umjubelten Einstand, der Norweger kehrt zur Freude seiner großen Fangemeinde nach dreimonatiger Auszeit zurück. Foto: Sebstian Drüen

Und noch zwei neue Gesichter im viktorinaischen London:  Hans Holzbecher (links) spielt seit wenigen Wochen Utterson, den Anwalt und Freund Henry Jekylls, und steht ferner als Cover für die Titelrolle seinen Mann, Elke Schimbach übernahm als „Nellie“ die Leitung der „Roten Ratte“. Foto: Musical Dome

Und es gibt noch zwei Personalien aus dem Musen-Zelt mit dem blauen Dach zu vermelden. Dort haben sich vor einigen Wochen nach langer Zeit zwei Künstler wieder getroffen, die einst, lang, lang ist’s her, beim Kleinen Horrorladen auf Kölsch zusammen auf der Bühne standen: Elke Schlimbach und Hans Holbecher. Erstere reüssierte bei Walter Bockmayer und hat in der Kölner Kulturszene einen festen Platz, letzterer ist bekannt aus den legendären Kölner „Stunksitzungen“ und wurde erst kürzlich  für „Das Fest“ im Theater am Sachsenring mit dem Kulturpreis 2003 ausgezeichnet.
Elke Schlimbach übernahm im Musical Dome die Leitung eines zwielichtigen Etablissementes, und sagt als „Nellie“ wo es lang geht in der „Roten Ratte“. Die bisherige „Geschäfsführerin“ hat es ebenfalls ins Capitol verschlagen. Dort fliegt Brigitte Oelke inzwischen im Dubnstkreis des Edel-Callgirls Nitribitt als Bordsteinschwalbe „Lilly“ tief. Hans Holzbecher verkörpert bei Jekyll & Hyde Utterson, den Anwalt und Freund des Protagonisten und ist ferner als Cover für die Titelrolle engagiert.

©by Jürgen Heimann

Zu den CD-Kritiken!

Traumpaar: Anna Montanaro und Yngve Gasoy-Romdal treiben in den letzten vier J&H-Shows in Köln noch einmal ihr „Gefährliches Spiel“. Foto: Jürgen Heimann

Die letzten Jekyll & Hyde-Shows in der Premierenbesetzung
Yngve Gasoy-Romdal und Anna Montanaro spielen noch einmal das „Gefährliche Spiel“

Auf der Zielgeraden geht es jetzt noch einmal in die Vollen:  Dr. Jekyll nuckelt nur noch wenige Male am Horror-Elixier „jh7“.  Am 25. April erhält der Zwiegespaltene im Kölner Musical Dome letztmals von seinem Freund Utterson den Fang- und Gnadenschuss. Aus die Maus . Nach 13-monatiger Laufzeit, etwas früher als ursprünglich kalkuliert, läuft das packende Wildhorn-Grusical aus – um an anderer Stelle, jenseits des Kanals, wieder aufzuerstehen. Im nächsten Jahr geht das Meucheln im Londoner Westend weiter – mit Paul Nicholas in der Hauptrolle.

Für die letzten vier Shows haben die Produzenten der rheinischen Inzenierung noch einmal das musical-ische Traumpaar der ersten J&H -Stunde zusammen führen können. Yngve Gasoy-Romdal als Arzt und Monster und Anna Montanaro als Prostituierte Lucy Harris werden zur Freude vieler Fans in den vier finalen Vorstellungen noch einmal gemeinsam auf der Kölner Bühne stehen. Beide hatten bereits zur Premiere und in den ersten Monaten danach das Publikum durch ihr intensives Spiel bezaubert. Nicht wenige sprachen damals von einer „Idealbesetzung“ schlechthin.
Nicht immer zeigte sich das Haus hier so gut gefüllt wie in den letzten Wochen. Denn: So leicht verdaulich, wie es das Vorgängerstück „Saturday Night Fever“ war und der Nachfolger, das Queen-Musical „We will rock you“, es wohl sein wird, kam das auf einer Novelle von Robert Louis Stevenson basierende Drama eben nicht daher. Totzdem hält Produzent Thomas Krauth die Entscheidung, Jekyll & Hyde in der Jecken-Hauptstadt zu spielen, auch im Nachhinein für richtig: „Wir haben damit künstlerisch neue Wege beschritten und mit der Auswahl unserer Darsteller dem Stück neue Dimensionen eröffnet“,  sagte er in einem Interview. Das habe das Publikum letztlich auch honoriert. 15 Monate Laufzeit hatte er trotzdem schon eingeplant.

Der Run auf die Tickets ist aber in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen, was aber, wenn es zum Ende hin zu geht, eine immer zu beobachtende Entwicklung ist. Für die noch verbleibenden Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten. Und mit seiner Einschätzung, dass Hyde ob seines Potenzials nicht für immer von der Bildfläche verschwinden werde, sondern früher oder später andernorts auftauchen würde, lag bzw. liegt Krauth ja richtig. Siehe Westend London.
Inzwischen steht der Premierentermin für die rockige Folgeproduktion auch fest: Die „Bohemian Rhapsody“ wird am Rheinufer erstmals am 12. Dezember aus den Boxen dröhnen. Der Kartenvorverkauf für das Queen-Musical “We Will Rock You” hat bereits begonnen: 
Tickets für WE WILL ROCK YOU im Musical Dome Köln 

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©by Jürgen Heimann

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2007 hatten die Bad Vilbeler Burgfestspiele mit einer eigenwilligen, aber ungemein dichten und stimmigen Version von "Jesus Christ Superstar" aufgewartet. Vorne links Matthias Pagani als Messias. Im
Hintergrund (v.l.) Andreas Wolfram, Maren Reimann, Elisabeth Markstein und Mitglieder der Cheer Dance Company.
Foto: Eugen Sommer

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Dr. Henry Jekyll praktiziert 2008 auch an der Nidda

In der abgelaufenen Saison hatten die Bad Vilbeler bei 159 Veranstaltungen 71.000 zahlende Besucher gezählt – und damit Kostendeckung erzielt. Eine Marke, die die Hessen auch in der Spielzeit 2008 wieder zu erreichen hoffen. Dann gehen die dortigen Burgfestspiele in die 22. Runde. Waren die Freunde des Musik -Theaters im vergangenen Jahr mit Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ mit Matthias Pagani, Brady Swenson und Nadine Hammer in den Hauptrollen bedacht worden, dürfen sie sich nunmehr auf den gruseligen Wildhorn-Klassiker „Jekyll & Hyde“ freuen. Da scheinen die Tecklenburger Freilichtspiele, die 2007 die europaweit ersten Open-Air-Inszenierung dieses Stücks präsentierten, eine kleine Lawine losgetreten haben. Die Bad Hersfelder Festspiele haben den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse für nächstes Jahr ja auch auf den Spielplan gesetzt, von den diversen  Produktionen in Stadt- und Staatstheatern ganz zu schweigen.

„J&H“ zieht immer. Das wissen auch die Verantwortlichen der Burgspiele. Allerdings vermögen sie, was die Besetzung angeht, derzeit Ross und Reiter noch nicht zu nennen. Die Premiere ist auf den 11. Juni 2008 terminiert. Danach riskiert Dr. Jekyll noch 22 mal die Konfrontation mit seinem fiesen zweiten Ich. Regie führt, wie bei J.C. im letzten Jahr, wieder Egon Baumgarten, die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Thomas Lorey. Für die Choreografie zeichnet Angela Hercules-Joseph verantwortlich. Der Kartenvorverkauf für die neue Saison beginnt am 1. November. Tickets können u.a. auch unter www.kultur-bad-vilbel.de geordert werden. Hier gibt es auch weitergehende Infos zu den einzelnen Produktionen.

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Rollentausch: Normalerweise ist Brady Swenson (links) ja auf die Rolle des Gekreuzigten abonniert. In Bad Vilbel übernahm er in diesem Jahr den Part des Judas. Und bei Matthias Pagani  (vorne) war es umgekehrt.
Foto: Eugen Sommer

Die Inszenierungen im malerischen Hof der aus dem 12. Jahrhundert stammenden und direkt an der Nidda gelegenen Wasserburgruine haben einen ganz eigenen Charme, woran auch das homogene Miteinander von Profis und Amateuren aus der Region erheblichen Anteil hat. Das greift gerade bei den Musical-Inszenierungen, bei denen die Vilbeler neben bekannten Namen aus der Theaterwelt stets auch eine eindruckvolle Anzahl an „ehrenamtlichen“ Tänzern, Sängern und Statisten aufbieten können.

Und eine aus dem vergangenen Jahr herrührende Zugabe gibt es auch. Die „Ladies Night“ – ganz oder gar nicht“ steht erneut auf dem Programm. Premiere: 18. Juni. Die spritzige Inszenierung von Corinna Bethge hatte sich 2007 als „Hit der Saison“ erwiesen und eine 95-prozentige Auslastung erzielt. Grund genug für eine zweite Aufführungsreihe. Darüber hinaus gibt es im Rahmen der Burgfestspiele eine Fülle weiterer Shows, Sonderveranstaltungen, Konzerte und Lesungen. So hat sich beispielsweise auch Helen Schneider mit ihrem neuen Programm „Just with Passion“ angesagt. Norma Desmond i.R  hat es ja von ihrer Heimatstadt Wiesbaden nicht weit und gibt sich am 9. Juli in Bad Vilbel die Ehre. Daneben wird auch Richard Rogler, der Alt-Meister des deutschen Kabaretts, erwartet. Er sinniert am 3. September über „Ewiges Leben“. Kabarett vom Feinsten verspricht auch das Ensemble der „Leipziger Pfeffermühle“, das am 8. Juni  an der Nidda zu Gast ist. Romy Haag lässt sich hier am 20. August blicken und hören. Für die jüngeren Besucher gibt es ebenfalls einen ganzen Kessel Buntes, wobei sich die thematische Auswahl von Pettersson und Findus über Pippi Langstrumpf, die „Wilden Hühner“ und „Das kleine Gespenst“ bis zum „Urmel aus dem Eis“ erstreckt. Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ (Premiere 6. Juni) sowie Schillers „Kabale und Liebe“ (ab 3. Juli) sind die klassischen Hauptstücke der Saison.

©by Jürgen Heimann

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Ein Fall für Zwei
»Jekyll & Hyde« in der Staatsoperette Dresden

Im letzten Jahr feierte die Staatsoperette Dresden ihren 60. Geburtstag. Doch wer bei dem Namen des Hauses vermutet, weit im Osten Deutschlands wird ausschließlich der Kunstform Operette gehuldigt, der irrt gewaltig. Das traditionelle Haus galt schon zu DDR-Zeiten als >Musical-Biotop<, das sich immerhin 1997 die deutschsprachigen Rechte von Andrew Lloyd Webbers Romantik-Musical »Aspects Of Love« sichern konnte und danach auch sein Fußball-Musical »The Beautiful Game« aufführen durfte. Selbst Uraufführungen (2000 das Opernmusical »Rasputin« sowie 2007 die Musical-Comedy »Kiss Me, Cole!«) sind keine Seltenheit und sprechen für die hohe Qualität der Produktionen, die im Juni 2007 mit Bernsteins »Candide« einen weiteren Höhepunkt erleben durften.

Bevor am 26. Juni 2008 mit Benny Andersons und Björn Ulvaeus »Chess« ein weiteres Musical-Highlight seinen Weg nach Sachsens Landeshauptstadt finden wird, präsentierte Intendant Wolfgang Schaller am 25. Januar eine Neuinszenierung des Frank Wildhorn-Hits »Jekyll & Hyde«. Das Musical von Leslie Bricusse nach der Novelle »The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde« ist dem deutschen Publikum sicher am stärksten aus den Großproduktionen in Bremen (1999-2000) und Köln (2003-2004) in Erinnerung geblieben. Danach konnte man sich des Musical-Thrillers in diversen Freilichtaufführungen und anderen Stadttheaterinszenierungen erfreuen. Dresden wartet jetzt mit Musical-Star Chris Murray, der zuletzt als Priester Konrad von Marburg in der Eisenacher Premiere von »Elisabeth – Legende einer Heiligen« gefeiert wurde, in der Doppelrolle des ehrgeizigen Wissenschaftlers auf. Murray wurde dieser Charakter bereits während der Spielzeit der Großproduktionen angeboten, doch er lehnte die Angebote damals mit der Begründung ab, er könne diese anspruchsvolle und anstrengende Verwandlung vom Arzt zum Massenmörder nicht achtmal wöchentlich in gleichbleibender Qualität präsentieren. Für die Dresdener Produktion mit seinen unregelmäßigen Aufführungsterminen und den längeren Pausen sagte Murray für diese Traumrolle gerne zu. Davon darf nun der Zuschauer profitieren, denn Chris Murray spielt den schizophrenen Menschen mit den zwei so unterschiedlichen Charakteren mit einer beeindruckenden Intensität. Da ist zunächst Henry Jekyll, dessen Vater an einer Geisteskrankheit gestorben ist und der nun als Forscher die Genehmigung erhalten will, diese Krankheit zu studieren. Als dies durch ein Gremium aus sechs einflussreichen Menschen aus Kirche und Kultur untersagt wird, greift er zur Spritze und injiziert sich im Selbstversuch die Formel >HJ7<, die das Gute vom Bösen im Menschen trennen soll. Zum Vorschein kommt der unheimliche Mr. Hyde, der so ganz anders als Jekyll nicht die Heirat mit der reichen Emma sucht, sondern lüstern die Bordelle Londons besucht und sich grausam an seinen Feinden rächt, die er allesamt auf spektakuläre Weise ins Jenseits befördert. Als Hyde immer mehr die Oberhand gewinnt und selbst bei Jekylls Hochzeit zum Vorschein kommt, nimmt sich Henry das Leben, indem er sich in das gezogene Schwert seines Freundes stürzt. Chris Murray versteht es perfekt, die leisen Töne Henry Jekylls in die krächzenden Misstöne eines Edward Hydes zu verwandeln. Am eindrucksvollsten gelingt ihm dies in der »Konfrontation«, bei der er in beiden Rollen mit zwei völlig unterschiedlichen Stimmen ein Duett schmettert, wie man es so bisher selten gesehen und gehört hat.

Die gerechtfertigten >Bravo<-Rufe des Premierenpublikums teilte sich Murray mit Susanna Panzner (»Elisabeth« in Essen und Wien, »Mamma Mia!« in Berlin und Hamburg, »3 Musketiere« in Berlin) als leichtes Mädel Lucy Harris sowie Ilonka Vöckel (»Anything Goes«, »Das Tagebuch der Anne Frank«, »Die Fledermaus« in Dresden) als emanzipierte Emma Carew. Beide Damen vereinen ähnlich wie Jekyll und Hyde zwei Pole weiblicher Gegensätzlichkeit, die aber in ihren Duetten harmonisch zusammenfließen. Lucy Harris träumt als Prostituierte von einem »neuen Leben«, bevor es im »gefährlichen Spiel« von Mr. Hyde grausam beendet wird. Susanna Panzner versteht es dabei, die Hure liebenswürdig mit Würde und Hoffnung zu spielen, der das harte Leben letztendlich jedoch immer einen Strich durch ihre Träume macht. Ihr mentaler Gegenpol ist das behütete, mit dem goldenen Löffel im Munde aufgewachsene Adelskind Emma, das sich jedoch ganz entgegen ihres Standes in den leicht wunderlichen Wissenschaftler verguckt hat. Ilkona Vöckel präsentiert hier in der Inszenierung von Winfried Schneider und der Dramaturgie von André Meyer erstmals eine erwachsene Emma, die ihren Dickkopf gegenüber ihrem Vater und ihren ehemaligen Verehrern mit Selbstbewusstsein durchsetzt, etwas, das dieser Rolle bisher immer gefehlt hat.

Nicht nur dadurch erscheint die gesamte Geschichte in Dresden wesentlich runder und besser verständlicher als in früheren Versionen. Viele kleine Änderungen in den Text- und Gesangspassagen kommen der Gesamtinszenierung zu Gute, wenn auch viele der Songs, die nicht zuletzt durch die CD -Veröffentlichungen bekannt sein dürften, durch die veränderten deutschen Texte von Susanne Dengler in den teilweise neuen Arrangements von Jason Howland etwas fremd klingen. Eine beeindruckende Wandlung hat z.B. die Hurenhymne »Komm schaff die Männer ran!« erfahren, die an der Staatsoperette mit längerem Instrumentalmittelteil und schmissiger Choreografie zur unterhaltsamen Tanznummer mutiert ist. Ebenfalls interessanter als in anderen Versionen sind die »Fassade«-Reprisen des Ensembles geworden, die hier nicht nur zur Überbrückung von Umbauphasen dienen, sondern in stärkerer Variation durchaus die Handlung weiterbringen. Leider fehlen neben einer »Fassaden«-Reprise auch die emotionale Einstiegssequenz Jekylls »Ich muss erfahr´n«, die rührende Mähr der »Mädchen der Nacht« und das aufpeitschende »Die Welt ist völlig irr« des übermütigen Hydes. Trotz dieser Kürzungen, die einige Zuschauer schmerzlich vermissen werden, kommt das Stück im ersten Akt doch etwas zäh in Gang. Wenn aber Jekyll in seinem schön alchemistisch anmutenden Minilabor (Ausstattung: Ella Späte) zu »Dies ist die Stunde« endlich seine Verwandlung zum Bösen erfährt, sind die wenigen Längen schnell vergessen.

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Natürlich kann eine Stadttheater-Aufführung im Vergleich zu einer Großproduktion nicht mit dem bombastischen Drumherum einer imposanten Bühnenkulisse punkten. Hier beweist Dresden jedoch, dass »Jekyll & Hyde« auch mit einfacheren Mitteln zu realisieren ist. Einige Spiegel und ein Kronleuchter deuten einen Ballsaal auch ohne große Freitreppe an, ein Licht und entsprechende Geräusche reichen auch, um eine Dampflok heraufzubeschwören, gemalte Bücherregale verbreiten die Wärme einer Bibliothek, die im krassen Gegensatz zu den kargen Räumlichkeiten von Lucys Zimmer steht. Und trotzdem muss der Zuschauer nicht auf so manche pyrotechnische Effekte verzichten, die in diesem Umfeld umso verblüffender wirken. Die Kostüme sind operettenhaft der viktorianischen Zeit passend eingesetzt und sehr geschmackvoll.
Ein Pluspunkt in Dresden ist ebenfalls der große Chor und das weitere Ensemble, das immer wieder auch in den kleineren Rollen überzeugen kann. Musikalisch vermengt Andreas Henning die zahlreichen Balladen -Ohrwürmer der lyrischen Wildhorn-Partitur durch Unterstützung des doch recht großen Orchesters der Staatsoperette mit der schlüssigen Spielhandlung zu einem harmonischen Ganzen. Neben den Stars der Premierenbesetzung spielen Marcus Günzel (Jekyll/Hyde), Gabriele Rösel (Emma) und Femke Soetenga (Lucy) alternierend die Hauptrollen und prägen diese spannenden Charaktere mit ihren eigenen, individuellen Zügen.
Dresden hat als historische Stadt mittlerweile viel an touristischen Attraktionen zu bieten und »Jekyll & Hyde« rückt den äußersten Osten Deutschlands einmal mehr ins Zentrum der Welt des Musicals. Dies macht eine Reise nach Sachsen durchaus lohnenswert für den Freund guter Musical-Unterhaltung.

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© Text & Fotos by Stephan Drewianka; dieser Bericht erschein ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 02/08, März-April 2008

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Gefährliches Spiel auf barocken Baugerüsten
»Jekyll & Hyde« in der Stiftsruine Bad Hersfeld

Sie kennen den Thriller vom aristokratischen Wissenschaftler, der Gut und Böse trennen will und dabei selbst zum mordenden Monster wird in der Musicaladaption von Frank Wildhorn noch aus Bremen, Wien, Köln oder einem kleineren Stadttheater? Die aktuelle Neuinszenierung für die 58. Bad Hersfelder Festspiele Open-Air in der Stiftsruine bietet selbst dem eingefleischten »Jekyll & Hyde«-Fan einige interessante Neuerungen, so dass sich ein Besuch des Musicals lohnt.

Mit Regisseur Frank Alva Buecheler engagierte Festspielintendantin Elke Hesse einen echten Kenner dieser Materie, der bereits 1999 die deutsche Erstaufführung des Musicalthrillers in Bremen inszenierte. Vielleicht war es neun Jahre später zur Premiere in Bad Hersfeld am 11. Juni an der Zeit, Handlung, Dramaturgie und deutsche Texte kräftig zu überarbeiten. Die Freiluftbühne der mittelalterlichen Stiftsruine als Spielort eines High-Tech Mega-Musicals stellt bereits eine große Herausforderung dar: hier gibt es keine Möglichkeit eines schnellen Bühnenumbaus, keine Drehbühne, die in der Versenkung verschwinden kann oder Kulissenteile und Requisiten aus dem Nichts erscheinen lässt. Die Aufgabe, die zahlreichen und recht komplexen Szenenorte auf dieser soliden und sehr breiten Bühne entstehen zu lassen, wurde für »Jekyll & Hyde« recht ungewöhnlich umgesetzt. Das Labor, in Bremen noch ein endloser Gang hellerleuchteter Neonröhren, der exklusive Ballsaal von Sir Danvers Carew mit ausladender Freitreppe und strahlendem Kronleuchter oder die schwüle Atmosphäre im Bordell »Die rote Ratte« musste einzig in der Phantasie des Zuschauers entstehen, denn im Bad Hersfelder Bühnenbild von Robert Pfalz gab es ausschließlich nackte Baugerüste, auf denen die Darsteller agierten. Was zunächst einfach unfertig aussah (»Schraubt ihr noch, oder spielt ihr schon?«), entpuppte sich im Verlauf der Show jedoch als pfiffige Idee, die einfach gut funktionierte, war doch auch zur Zeit des Stücks London eine einzige Großbaustelle. Es reichten dann schon kleine Requisiten, wie eine leuchtend rote Laterne, um die »rote Ratte« zu symbolisieren, oder ein kleiner Tisch wurde zu Henrys Labor. Natürlich gab es auch größere Kulissenteile, wie die überdimensionale Säule mit Lord Nelson, um den Londoner Trafalgar Square zu zeigen oder den Gartenpavillon, in dem sich Henry und Lisa verloben, der jedoch einem riesigen, goldenen Vogelkäfig nachempfunden war und somit mehr Henrys Gefühlswelt als tatsächliche Realität widerspiegelte.

Je einfacher das Bühnenbild, desto opulenter fielen die Kostüme aus mit denen Hannelore Nennecke einen wahren Augenschmaus entfesselte. Selbst kurze Sequenzen wie die Mini-Tennis-Sequenz, mit der die aristokratische Lisa Carew verspielt eingeführt und charakterisiert wurde, überraschten immer wieder mit geschmackvoll farbenfrohen Ausflügen in die Modewelt des 19. Jahrhunderts, die schon fast wieder modern wirkte. Getaucht in atmosphärisches Licht (Lukas Kaltenbäck) vergaß der Zuschauer schnell die sterilen Baugerüste und sah problemlos das enge Zimmerchen von Hure Lucy Harris, in das sich der zu Hyde mutierte Jekyll in schwindelnder Höhe wie eine Raubkatze schlich. Eine der größten Änderungen betraf genau diese Transformation Jekyll zu Hyde, die es in Bad Hersfeld strenggenommen gar nicht gab: Dr. Jekyll als charmanter Frauenschwarm erkennt nach seiner Verlobung mit Lisa Carew, dass da noch etwas anderes in ihm steckt, ausgelöst vom erotischen Werben der Prostituierten Lucy Harris. Er will die Schranken und Normen, die ihm von der Gesellschaft aufgezwungen werden, durchbrechen und spritzt sich eine Droge, die diese dunklere Seite in ihm freisetzt. Jetzt kann er ohne Reue Rache nehmen an den Menschen, die ihm seine Träume und Forschungen verweigerten und er ermordet kurzer Hand jeden, der ihm im Weg steht. Ist dies tatsächlich ein anderer Mensch? In Bad Hersfeld änderte sich das Aussehen des Titelhelden eigentlich gar nicht, es gibt keinen Wechsel zwischen gepflegtem Zopf und wildem Strähnenhaar, das sonst immer für den Charakterwechsel steht. Natürlich sprach Hyde anders als Jekyll – obszön und irgendwie tierisch.

Die große Frage, die sich am Premierenabend stellte, war, ob Opernsänger Jan Ammann, der als »Ludwig II« in gleich zwei Versionen in Füssen die Figur des Märchenkönigs prägte, diesen subtilen Wandel überzeugend darstellen konnte. Gleich zu Beginn mit dem Show-Opener »Fern und im Dunkeln« wurde klar , dass Ammann ein perfekter Henry Jekyll war, der mit seiner butterweichen und bis in die höchsten Töne geschmeidigen Stimme den netten Frauenschwarm nicht nur von seiner äußeren Erscheinung verkörpern konnte. Mit »Dies ist die Stunde«, in der Ammann mit dem Rücken zum Publikum bis in die hintersten, dunklen Winkel der Stiftsruine schritt, um dann mit gestärktem Mut und aufflammendem Licht bis vorne an den Bühnenrand zurückzukehren, erlebte der Zuschauer einen Gänsehautmoment, der nicht auf die Schafskälte in zugiger Open-Air Umgebung zurückzuführen war. Mit der Freisetzung des Edward Hyde bei »Die Verwandlung« bis zum finalen »Die Konfrontation« bewies Ammann, dass er auch ganz anders kann: knurrend war die weiche Stimme dahin, ohne jedoch ihre Präzision einzubüßen. Als wahrer Höhepunkt entpuppte sich der Song »Ein gefährliches Spiel«, der bisher in allen deutschen Versionen leider völlig seine erotische Verführung der englischen Originalversion eingebüßt hatte. In Bad Hersfeld war die knisternde Spannung jedoch endlich wieder spürbar als ein Feuerwerk an unterschwelliger Gier. Duettpartnerin ist die Holländerin Maaike Schuurmanns als Lucy Harris, die Ammann gesanglich in keinster Weise nachsteht. Ihre Solonummer »Ein neues Leben« bewegt, die Duette mit Silke Dublinger als Puffmutter Nellie bei »Mädchen der Nacht« oder mit Annemieke van Dam als Lisa Carew bei »Nur sein Blick« setzten weitere Glanzpunkte. Als Jekyll Lucy schließlich erwürgte, war der Verlust auch für die Zuschauer schwer. Leider erreichte Annemieke van Dam als emanzipierte Aristokratentochter Lisa stimmlich nicht ganz das hohe Niveau ihrer Kollegen, ihre Soli »Jemand wie Du« oder das sanfte »Freundlichkeit, Zärtlichkeit« fielen verglichen mit ihrer Leistung in Duetten etwas ab. Zudem war der Ton (Stephan Dittrich, Christian Stader, Ulla Pittermann) während der Premierenvorstellung nicht immer optimal ausgesteuert, so dass das 17 köpfige Orchester des Öfteren den Gesang der Darsteller übertönte. Ausgeglichener erschienen die Chorszenen unter der Leitung von Helga Hahn, die die eigentlich schwächeren Nummern der »Fassaden«-Reprisen oder das grandios mit Zeitungen und Regenschirmen choreografierte (Rüdiger Reschke) »Mörder« aufblühen ließen.

Da in Bad Hersfeld Stücke ohne Pause durchgespielt werden, gilt die strenge Regel einer Spielzeitbegrenzung auf maximal 150 Minuten. Leider fielen dieser Regel zwei Reprisen von »Fassade« sowie Jekylls Song »Die Welt ist völlig irr« zum Opfer. Im Gegensatz dazu wurde die Rolle des John Utterson, hier glänzend besetzt mit Musical-Gast Rory Six, ungewohnt erweitert: John als bester Freund Henry Jekylls erkennt als erster die prekäre Lage, in der sich sein Freund befindet, ist aber ohnmächtig gegenüber der Dominanz von Edward Hyde. Er versucht, Lucy vor deren Ermordung zu warnen und auf der Hochzeitsfeier ist er es, der Jekyll durch zwei Pistolenschlüsse erlöst. Entsetzt von seiner Tat und vom Verlust des Freundes nimmt er sich das Leben. Durch diese inhaltlichen Modifikationen war es auch nicht überraschend, dass einige Songs ihren angestammten Platz im Musical verlassen hatten und verschoben wurden. Auch textlich wurde viel an der ursprünglichen deutschen Version von Susanne Dengler und Eberhard Storz geändert. Herausgekommen ist dabei ein inhaltlich verständlicheres, wenn auch durch das moderne Bühnenbild abstrakteres Musical. Bad Hersfeld zeigt bis zum 03. August in insgesamt 26. Vorstellungen einen anderen »Jekyll & Hyde«. Vielleicht genießen auch Sie diese neue Erfahrung.
Viel Spaß dabei! 

©by Stephan Drewianka, dieser Bericht erschien ebenfalls in der Musical-Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 04/08, Juli-August 2008; Bünenfotos(13): blitzlicht fotostudio, Schlussapplaus(2): Stephan Drewianka

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B a d H e rs fe l d e r F e st s p ie le 2 0 0 8 - A b s c h l u ss b il a n z u n d Z u s c h a u e r p r ei s

Am 3. August 2008 gingen die 58. Bad Hersfelder Festspiele zu Ende. Mit einer grandiosen letzten Vorstellung von "Jekyll & Hyde" und der Verleihung des Zuschauerpreises an den Star des diesjährigen Musicals: Jan Ammann.

Zuschauerpreis für Dr. Henry Jekyll / Mr. Hyde alias Jan Ammann!
Jan Ammann, der mit seiner sängerisch und darstellerisch überzeugenden Präsentation der Doppel-Titelrolle Dr. Jekyll / Mr. Hyde das Publikum bei jeder Vorstellung zu Begeisterungsstürmen und Standing Ovations hinriss, ist der unumstrittene Publikumsliebling der diesjährigen Festspiele und damit Gewinner des Zuschauerpreises 2008.
Der Preis, ein von Juwelier Matthias Laufer-Klitsch eigens gestalteter Ring, wird seit der Zeit des Festspielintendanten Volker Lechtenbrink alljährlich auf der Basis einer Publikumsbefragung verliehen und bildet den Gegenpol zu den von einem Kritiker-Gremium verliehen Hersfeld-Preisen. Er wurde dem Sänger -Darsteller gestern nach der letzten Vorstellung auf offener Bühne überreicht, bevor das inzwischen legendäre Feuerwerk in der Stiftsruine und der unverkennbare Klang der Fanfare die künstlerisch gelungenen 58. Bad Hersfelder Festspiel zu einem glücklichen Ende brachten.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge  kommentiert Intendantin Elke Hesse die Bilanz der diesjährigen Festspiele: "Trotz eines künstlerisch hochstehenden Programms, das von der Presse bundesweit mehrheitlich sehr positiv wahrgenommen und besprochen wurde, konnten die Festspiele die Zuschauerzahlen des letzten Jahres leider nicht halten". Den Hauptgrund dafür sieht die engagierte Intendantin, die die Festspiele 2009 zum letzten Mal verantworten wird, in der gegenwärtig angespannten privaten Finanzlage in der Bundesrepublik. "Das Geld sitzt einfach nicht mehr so locker, und gespart wird immer zuerst an der Kultur", bedauert sie. Dass andere Festspiele unter dem gleichen Phänomen zu leiden haben, sei dabei nur ein schwacher Trost.
Doch das Ergebnis der diesjährigen Spielzeit bietet auch keinen Grund zur Panik. Immerhin 74.000 zahlende Zuschauer besuchten dieses Jahr die drei großen Produktionen in der Stiftsruine, das ergibt bei 60 Vorstellungen  eine beachtliche Auslastung von 77,2%. Dazu kommen die Zuschauerzahlen für die "Eichhof" -Produktion (5.500) und das Kinderstück (8.500). Somit besuchten insgesamt 88.000 zahlende Gäste die Vorstellungen der Bad Hersfelder Festspiele. Gegenüber der Kalkulation für die Saison 2008 bedeutet dies allerdings ein Minus von rund 4000 Karten. Dadurch erhöht sich das finanzielle Engagement der Stadt für das Festspieljahr 2008 auf rund 957,900 EUR.

Produktionen und Zahlen im Einzelnen
Renner der diesjährigen Festspiele war, wie schon in den letzten Jahren, das Musical. Allerdings besuchten "Jekyll & Hyde" weniger Zuschauer als kalkuliert. Bei 43,500 verkauften Karten lag das Musical bei 84,1% Auslastung unter den Zahlen von 2007 - die in dieser Hinsicht verwöhnten Festivalmacher hatten mit den fast 99% des Vorjahres ("Les Miserables") gerechnet. An der künstlerischen Qualität kann das Defizit allerdings nicht gelegen haben - die Kritiken, vor allem für das hinreißende Darsteller/Sänger-Ensemble, waren durchgängig geradezu euphorisch.
Die Eröffnungspremiere "Die Jungfrau von Orleans" von  Friedrich Schiller sahen 17.000 Zuschauer, das entspricht einer Auslastung von 68,2 Prozent. Angesichts des als schwierig verrufenen Klassikers ein beachtliches Resultat. Regisseur Torsten Fischer (Faust 2006 und 2007), seine Protagonistin Anna Franziska Srna (Großer Hersfeldpreis 2008) und das Ensemble, samt den wie immer beachtenswerten Statisten des Bad Hersfelder Chors, boten eine beeindruckende Inszenierung, die durch ihre Stringenz und die Nutzung der ebenso grandiosen wie schwer zu bespielenden Stiftsruine überzeugte.
"Romeo und Julia" hat Publikum wie Kritik sehr gespalten. Wo sich die einen für das fast durchwegs sehr junge Ensemble und seine Frische begeisterten, zeigten sich die anderen von Arie Zingers Inszenierung eher irritiert.  Insgesamt 22.500 Zuschauer sahen die umstrittene Inszenierung, die Auslastung lag bei 79,2%.
"Minna von Barnhelm" im kleinen Freilichttheater Eichhof war der geheime Hit dieser Spielzeit. 8.500 begeisterte Zuschauer sahen Lessings klug inszeniertes und lustvoll gespieltes Lustspiel (Auslastung 98%). Und "Der gestiefelte Kater", ein Gastspiel der Hanauer Märchenfestspiele, lockte 8.500 Besucher in die Stiftsruine (82%).

Gegenmaßnahmen
Um die rückläufigen Zahlen aufzufangen, wurde bereits über entsprechende Maßnahmen nachgedacht.
"Verbesserungen sind immer möglich", meint dazu Intendantin Elke Hesse. So soll für die nächste Spielzeit ein Frühbucherrabatt eingerichtet werden, um den Vorverkauf anzukurbeln. Gleichzeitig ist eine Reduzierung von 60 auf 54 Vorstellungen im Gespräch, was einer Verkürzung der Spielzeit um eine Woche entsprechen würde. Einig sind sich Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, Verwaltungsdirektor Karl Schmidt und Intendantin Elke Hesse, dass sich Bad Hersfeld die Festspiele auf jeden Fall leisten muss.

Vorschau
Elke Hesse gibt sich keineswegs entmutigt. "Wir planen ein tolles Programm für 2009", sagt sie optimistisch, "ich werde in meinem letzten Jahr als Intendantin der Festspiele eine positive Visitenkarte hinterlassen." Noch ist das Programm ein Geheimnis, das erst Anfang September gelüftet wird. Fest steht allerdings, dass Torsten Fischer auch 2009 eine Inszenierung übernehmen wird und ein bekannteres Musical gespielt werden soll.

© Pressestelle Bad Hersfeld; Fotos: Stephan Drewianka

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