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Robert will ein Kind - einen Sohn (was anderes kommt gar nicht in Frage), seine Frau Charlotte nicht,
jedenfalls noch nicht (frau hat schließlich einen Job, in dem frau erfolgreich ist) - oder ist es vielleicht schon zu spät für ein Kind (es darf auch eine Martha werden, auch wenn der Name nach Roberts fetter Tante
klingt, in jedem Fall ziemlich unsportlich). Die biologische Uhr tickt bereits Uhr für das Paar in den besten “Sex and the City”-Mittdreissiger Jahren. Charlotte legt ihre Horrorvisionen von bis über die Knie
hängenden Schwangerschaftsstreifen auf Eis und ist bereit für zwei zusätzliche Quadratmeter Bauchoberfläche, doch nun zieht Robert im wahrsten Sinne des Wortes den Schwanz ein: kann er ein guter
Vater sein? Und wieso fühlt er sich plötzlich auf eine reine Samenschleuder reduziert? Charlottes Hormone kochen, kaum ist die Spirale raus und der Sex wird zum Pflichtprogramm, passend zum Eisprung. Ist doch
klar, dass mann unter diesem Druck kaum noch seinen Mann stehen kann...
Das Pärchen auf der Bühne ist authentisch wie Du und ich - nicht selten kommen am Ende der Vorstellung Zuschauer auf die beiden Darsteller zu, um zu bemerken, dass sie das, was sie eben auf der Bühne gesehen hätten, genauso erlebt haben. Ein Grund mehr für Frau Funke und Herrn Scherbel, denen die Rolle des streitsüchtigen Ehepaares nach einer Aufführungsstaffel im April 2002 bereits als waschechte Traumrollen ans Herz gewachsen sind, wirklich alles zu geben, was ein Schauspieler auf der Bühne leisten kann. Ohne den gewaltigen Pomp eines Mega-Musicals kommt BabyTalk mit einem netten Vielzweckbühnenbild aus, das Wohnzimmer, Bad, Küche und durch hereinfahrende vertikale Betten natürlich auch “Tatort” Schlafzimmer sein kann. Hier ist alles Selfmade und beide Darsteller sind sich nicht zu schade, vor Vorstellungsbeginn auch persönlich die Bühne zu schrubben. Veranstaltungsort dieser Staffel ist das Kulturzentrum Tor2 in Hagen, dem Heimatort von Birge Funke in einer alten Industriehalle, die von Außen nicht viel her macht, im Innenraum jedoch mit nobler Biergartenatmosphäre einen besonderen Charme versprüht. Der Zuschauer sitzt auf Plastikstühlen (mit weichem Kissenpolster) an kleinen Tischen, an denen bereits 90 Minuten vor Vorstellungsbeginn vom reichlichen Büffet genascht werden kann. Früh sollte man schon erscheinen, da es im ca. 300 Personen fassenden Saal keine Platzkarten gibt und es besonders viel Spaß macht, das Minenspiel der Darsteller oder das Wirken des vier Mann Orchesters (Klavier, Klarinette, Kontrabass und Gitarre) aus der ersten Reihe zu genießen. Fazit: Sehenswerte enthusiastische Produktion, die Lust auf das pure Musicalvergnügen jenseits der Megaproduktionen macht (und das für familienfreundliche 14,30 Euro)! Lesen Sie die Interviews mit Birge Funke und Uli Scherbel! Mehr Informationen unter www.tor2.de. © by Stephan Drewianka [Home] [Neuigkeiten] [Theater] [CD] [DVD] [Literatur] [Internet] [Interaktiv] [Forum] |