AIDASchev1[Scheveningen] [Premiere Essen] [Besuch bei AIDA] [Divas] [2500000. Besucher] [Castwechsel] [Special: Interview mit Florence Kasumba] [Special: Backstage] [Tecklenburg]

Technische Daten:
Original Besetzung: Chaira Bordeslee, Bastiaan Ragas, Antje Monteiro, Frans van Deursen
Fortis Circustheater Scheveningen (Den Haag)
Musik: Elton John
Texte: Tim Rice (Niederländisch von Linda Woolverton, Robert Falls, David Henry, Hwang)
Aufführungsdauer: 160 min.
Uraufführung: 21. Oktober 2001
Letzte Vorstellung: 03. August 2003

AIDA – bekannt als berühmte Oper von Guiseppe Verdi, die als Auftragsarbeit zur Eröffnung des Suezkanals am 24.12.1871 in Kairo seine erfolgreiche, aber umstrittene Premiere feierte.
Operndiva Leontyle Price schrieb über ihre Paraderolle ein Kinderbuch, für das der Disneykonzern die Rechte erwarb. Nach dem sensationellen Erfolg vom „König der Löwen“ plante Disney mit dem Team Elton John und Tim Rice zunächst einen weiteren Zeichentrickfilm, der auf diesem Kinderbuch basierte. Doch die Herren John und Rice entwickelten mit der tragischen Geschichte um die ultimative Aufopferung für die Liebe zweier Menschen bis in den Tod ein Popmusical für Erwachsene:

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Der Heerführer über die ägyptische Armee Radames kehrt von einem Beutezug ins feindliche Nachbarland zurück. Sein Blick fällt auf eine der neuen Sklavinnen und er ist erstaunt über das trotzige und stolze Auftreten der jungen Frau. Er rettet sie vor dem sicheren Tod in den Kupferminen und macht sie seiner Verlobten Amneris, Prinzessin und Tochter des Pharaos, als Zofe zum Geschenk. Als Radames nubischer Diener Mereb die Zofe im Palast abliefern soll, erkennt er in der Sklavin die Tochter des nubischen Königs Aida. Ihre Identität muss aber geheim gehalten werden, da Aida sonst um ihr Leben fürchtet. Im Palast erkennt Aida schnell, dass die Vorliebe von Amneris für extravagante Kleider nur zur Maskierung ihrer Unsicherheit dient.
Bei einem Bankett kündigt der sterbenskranke Pharao die Hochzeit von Amneris und Radames in sieben Tagen an. Radames Vater, der Befehlshaber Zoser, sieht die Pläne für seinen Sohn in greifbare Nähe gerückt – nach neun Jahren Verlobungszeit geht seine Rechnung nun endlich mit der langsamen Vergiftung des Pharaos, die er selbst initiiert hat, auf. Doch sein Sohn sieht seine Freiheit als weitgereister Soldat durch das einengende Leben innerhalb der Palastmauern bedroht. In Aida findet er eine Seelenverwandte zu der er sich immer mehr hingezogen fühlt.

Mereb führt Aida ins nubische Gefangenlager. Hier erkennt sie in der Befreiung ihres Volkes ihre wahre Lebensaufgabe. Sie bittet Radames um Unterstützung für die Nubier. Doch gerade als sich die Lebensumstände im Lager bessern, trifft die Nachricht von der Gefangennahme des nubischen Königs Amonarso ein. Aida ist verzweifelt, doch sie schwört ihren Landsleuten, dass Nubien nicht sterben wird.
Im Gefängnis plant Mereb mit Aida die Befreiung Amonarsons während der Hochzeitsfeierlichkeiten. Zoser hat indessen von der heimlichen Liebe seines Sohnes erfahren und befiehlt seinen Soldaten, Aida zu töten. Im nubischen Lager opfert sich Nehebka für Aida, die jetzt noch entschossener die Befreiung ihres Vaters vorbereitet.
Trotz Merebs Warnung will sie sich von Radames verabschieden. Doch Radames erklärt Aida seine Liebe und möchte seine Hochzeit absagen. Da alle Chancen auf Amonarsons Flucht auf dem Spiel stehen , muss Aida ihre Liebe zu Radames verraten und überzeugt ihn, seine Verlobte zu heiraten. Radames willigt ein, stellt Aida aber gleichzeitig ein Boot für ihre Flucht zur Verfügung. Amneris hat dieses Gespräch belauscht und erkennt, dass ihre Hochzeit nichts als eine Farce ist.
Während der Feierlichkeit erfährt das Brautpaar von der Flucht des nubischen Königs. Als Radames zum Hafen eilt, sieht er Amonarso zu Aida in das Boot steigen und erkennt endlich Aidas wahre Identität. Im Handgemenge tötet Zoser den treuen Mereb, Amonarso kann fliehen während Aida und Radames in Ketten gelegt werden.
Des Landesverrats beschuldigt, steht für die beiden Liebenden das Todesurteil fest. Doch Amneris kann zumindest dafür sorgen, dass die beiden Liebenden gemeinsam in einer Grabkammer lebendig begraben werden. Als der letzte Sauerstoff verbraucht ist, schwört Radames seiner geliebten Aida, dass er sie bis in alle Ewigkeit suchen wird...

Nach dem sensationellen Erfolg von AIDA am Broadway, der mit vier Tonys (Musik, Hauptdarstellerin, Szenendesign und Beleuchtung) und einem Grammy ausgezeichnet wurde, sicherte sich die Stage Holding unter Joop van den Emde die Aufführungsrechte und präsentierte am 21. Oktober 2001 die europäische Premiere im niederländischen Scheveningen bei Den Haag.
Ähnlich dramatisch wie die Story von AIDA gestaltete sich die Produktion des Stückes. Bereits ein Jahr vor der Premiere, als im Fortis Circustheater noch die erfolgreiche Produktion von „Elisabeth“ spielte, die jetzt im Essener Colosseum zu sehen ist, begann das Casting für AIDA. Während die Rollen der Amneris mit Antje Monteiro („Jeans“ und „There ´s No Business Like Show Business“ in den Niederlanden sowie Solokarriere mit Pop und Soul als „Zangtalent 1998“), Frans van Deursen als Zoser (neben Musicals auch Synchronsprecher von Zeichentrickfilmhelden wie Shrek, Hercules oder dem Prinz von Ägypten) und Boygroup-Idol Bastiaan Ragas als Radames (Ex-Leadsänger von „Caught In The Act“, Rolle in der deutschen Fernsehsoap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“) recht zügig besetzt werden konnten, tat man sich bei Hauptfigur Aida schwer.

Drei Kandidatinnen blieben nach dem ersten Vorsingen in engerer Wahl: Chaira Borderslee, die bereits Theatererfahrung aus „West Side Story“, „Miss Saigon“ und „Fame“ mitbrachte, Carolina Dijkhuizen, die als Background-Sängerin im Bereich HipHop/R&B einen Namen hatte, und Leona Philippo, Mitglied der Nits und von Arling & Cameron. Die Produzenten sahen in jeder Kandidatin eine potenzielle Aida und so wurden alle drei zu einer speziellen drei monatigen Musicalausbildung nach Amsterdam geschickt. Das letzte Casting direkt am heiligen Broadway in New York brachte dann den Ausschlag für die charismatische 27 jährige Chaira Borderslee.
Für alle Hauptdarsteller war AIDA die erste große Musicalrolle überhaupt und während der Proben war der Konzert-gewöhnte Bastiaan Ragas überrascht, wie körperlich anstrengend das Musicalgeschäft tatsächlich ist - mehr über das Making Of von AIDA in Scheveningen gibt es auf DVD!.
Doch die Mühen haben sich gelohnt, denn Joop van den Emde war am Premierenabend begeistert über die phantastische Leistung dieser jungen Darsteller. Am 23. April 2002 erhielten Bastiaan Ragas als bester Darsteller und das Musical AIDA für die beste Produktion den niederländischen Musical Award in Amsterdam. Nach der kuren Sommerpause wird ab dem 22. August Bastiaan Ragas nicht mehr als Radames zu sehen sein, da er sich u.a. mit Pia Dowes, Stanley Burleson und Henk Poort auf die Premiere des neuen niederländischen Musicals “3 Musketiers” vorbereitet, das im März 2003 Premiere im neuen Luxor Theater in Rotterdam haben wird.

Nach fast einem Jahr Spielzeit in dem 1768 Zuschauer fassenden Theater an der Nordsee können die Schauspieler immer noch mit ihrem grandiosen Minenspiel überzeugen, wenn auch mittlerweile ihre Stimmen im Vergleich zur CD-Aufnahme aus dem letzten Jahr gelitten haben.
Chaira Borderslee hat als Aida während des ersten Aktes in 11 von 12 Szenen auf der Bühne zu stehen und die gesanglich anspruchsvollen Passagen zu bestreiten. Zudem ist Elton Johns Musik - im krassen Gegensatz zu seinen Kompositionen für „Der König der Löwen“ -  primär auf das Verhältnis der drei Hauptdarsteller ausgerichtet, wobei man imposante Ensemblenummern leider viel zu selten präsentiert bekommt (rühmliche Ausnahme ist das Gänsehaut-Finale des ersten Aktes mit dem Gospel-Song „Gezegend Nubie“).
Elton John sagte in einem Interview, dass das Titellied von AIDA „Elaborate Lives“ bzw. „Verwarrend Bestaan“, das zunächst der Titel des Musicals werden sollte, sein bisher bester Song geworden sei. Doch auch in der zweiten Liebesballade „Ergens In De Sterren“ überwiegen die eher lauten Töne, wo es eigentlich um zärtliche Nähe gehen sollte... AIDA ist nun einmal ein Popmusical, bei dem ein kräftiges Schlagzeug vorherrscht – Anklänge an orientalische Musik mit den typischen Instrumenten vermisst man genauso wie bombastische Orchesterarrangemente, die an Verdis berühmten Triumphmarsch erinnern würden. AIDA ist im Vergleich zu anderen Rockopern nicht durchkomponiert und die Handlung wird durch Dialogpassagen vorangetrieben – zum Verständnis der Show sind daher durchaus gute Kenntnisse der niederländischen Sprache angebracht.
Für humoristische Elemente sorgt einzig und allein die auf Äußerlichkeiten fixierte Amneris in deren Rolle Antje Monteiro mit viel Spaß gleich einer holländischen Veronika Ferres aufgeht. Ihr „was zieh ich heut nur wieder an“-Song „Mijn Pakkie An“ ist der eigentliche Höhepunkt des Musicals und mit der extravaganten Modenshow mit den auf Elton John´s Spleen abzielenden überdimensionierten Kopfbedeckungen ein einmaliges Highlight des Abends. So werden auch die 19 ausgefallenen Abendroben der Pharaonentochter zum weiteren heimlichen Star des Musicals.
Die Bühne selbst ist oftmals nur mit wenigen Requisiten außergewöhnlich leer. Die spektakulär einfache optische Wirkung der Show setzt auf das ausgeklügelte Lichtdesign von Natasha Katz, das mit seinen hunderten mehrfarbigen Spots AIDA in einen Traum aus Karmesin und Purpur tränkt. Hinzu kommen geschickt plazierte Stoffbahnen, die mal ein täuschend echtes dreidimensionales Gefängnis vorgaukeln, mal drei rote Segel der ägyptischen Flotte sind oder sich mit nur wenigen „Handgriffen“ vom violetten Nil in einen Basarbaldachin und anschließend in ein Beduinenzelt verwandeln können.

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Künstlerisch wertvoll ist neben den stimmungsvollen Themenrestaurants mit orientalischen Gerichten die ausgedehnte Kunstsammlung zeitgenössischer ägyptischer Künstler aus Kairo, die im Theaterfoyer zu besichtigen ist.

Fazit: Unvergesslicher Theaterabend, auch wenn man am Ende der 160 minütigen Show keinen Ohrwurm mit nach Hause nimmt.

© by Stephan Drewianka; Theaterfotos: Stephan Drewianka; Produktionsfotos: Joop van den Emde Theaterproduktion

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Stolz, majestätisch, souverän: Florence Kasumba hat die Herausforderung angenommen – und bestanden. In der Titelrolle macht die junge Künstlerin  eine hervorragende Figur.
Fotos: Jürgen Heimann

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Große Gefühle, Dramatik und eine Brise Komik: „Aida“-Premiere in Essen

Vergoldet von der Sonne Nubiens, veredelt von Elton John: Romeo und Julia am Nil

Über Essen strahlt die Sonne Nubiens. Der Ruhrpott hat eine neue Kaiserin - und das ist eine afrikanische Sklavin. Deren Lebenserwartung ist zumindest in der Geschichte, wie sie im Colosseum-Theater ungemein spannend und farbenfroh erzählt wird, nicht so hoch wie die der gekrönten Vorgängerin. Aber das muss  ja , bezogen auf die erhoffte Laufzeit, nichts heißen. Die Dame, um die sich die der Inszenierung zu Grunde liegende Legende rankt, heißt, wie das Stück auch – „Aida“. Black ist beautiful - „Aida“ auch. Wie die bessere Hälfte des österreichischen Regenten stirbt auch sie schließlich eines gewaltsamen Todes – allerdings nicht verhärmt und einsam, sondern vorzeitig, in der Blüte ihres kurzen Lebens stehend, vereint mit und in den Armen ihres Geliebten. Und das auch ein paar Jährchen früher - rund 1.500 Jahre vor unserer christlichen Zeitrechnung.

Mit dem Disney-Epos, das bis auf den Namen und das Grundmotiv wenig mit der gleichnamigen Verdi -Oper gemein hat, ist es der Deutschen Stage Holding gelungen, ein adäquates Nachfolgestück für „Elisabeth“ zu platzieren, eines, das sich als kaum weniger attraktiv, hochklassig und zugkräftig erweisen dürfte. Der Vorhang hatte sich noch gar nicht gehoben, da hatte „Aida“ bereits einen ersten Zuschauerrekord eingefahren: Über 14 Millionen Menschen sahen zu – allerdings im Fernsehn, bei Gottschalks Thommy. In „Wetten, dass ....“  in Karlsruhe präsentierte das Ensemble am Vorabend der Premiere einige Szenenausschnitte, um unmittelbar danach wieder gen Essen zu eilen. Nach dem offiziellen Startschuss am 5. Oktober 2003 steht fest: Die kurzweilige und packende Inszenierung wird im Gegensatz zur „Titanic“ garantiert nicht vorzeitig untergehen und dürfte, wie bereits am Broadway und in den Niederlanden, zum Kassenschlager werden. „Aida“  (Regie: Robert Falls/Keith Batten) muss man erlebt haben!

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Sie hat Sinn für Stil: Maricel als Pharonentochter Amneris. Ihre Modenschau zählt zu den Highlights  der AIDA-Inszenierung.

Optisch und musikalisch ein Hochgenuss

Die stimmige Show ist sowohl optisch als auch musikalisch ein Genuss. Dafür garantieren schon allein  die 22 eingängigen Hit -Songs von Sir Elton. „Sie gehören zu den Besten, die ich je geschrieben habe“, sagt der Komponist selbst. Mal treibend, rockig und fetzig, mal balladenhaft, verhalten, die Melodien gehen unter die Haut – und in die Beine. Aber nicht nur ausgewiesene Fans des geadelten Brillen-Freaks kommen hier auf ihre Kosten. Mag die Story auch uralt sein, die Partitur ist es nicht. Sie besteht aus einer Aneinanderreihung von Ohrwürmern. Selbige, exzellent orchestriert von Paul Bogaev und perfekt umgesetzt von einem bestens aufgelegten Orchester unter der Leitung von Bob Edwards, klingen noch lange nach dem Schlussvorhang nach. Sie dienen in erster Linie dazu, die Handlung voran zu treiben, nicht sie zu ersetzen.
Die modern erzählte Story von Romeo und Julia im Schatten der Pyramiden basiert auf einer Erzählung des französischen Ägyptologen Auguste Mariette Bay. Die beiden Protagonisten durften eigentlich nicht zusammen kommen, taten’s aber dennoch - und erstickten in einem Sandgrab. Aber das war kein Unglücksfall, sondern der Vollzug eines Todesurteils.

Opulent, aber nicht überladen
Die (ziemlich freie) Übersetzung der Originaltexte  von Tim Rice ins Deutsche stammt von Michael Kunze. Germaniens erfolgreichster Librettist hat auch dabei wieder ganze Arbeit geleistet. Die Bühnenbilder und Kostüme (Bob Crowley) sind märchenhaft schön und eindrucksvoll, das Lichtdesign (Natascha Katz) stimmungsvoll, atmosphärisch bestechend, aber nie aufdringlich oder gar überladen. Die junge, international besetze Cast (41 Künstler aus acht Nationen) zeigt sich voller Dynamik, was sich vor allem in der Umsetzung der ungemein packenden Choreografie von Wayne Cilento offenbart. „Aida“ beweist, dass es keiner vordergründigen Effekthascherei bedarf, um eine Geschichte wie diese so zu erzählen, dass sie nahe geht und emotional berührt. Die Technik ist hier dezent eingesetztes Mittel zum Zweck und eben nicht Selbstzweck. Dennoch wirkt die Show opulent, ohne andererseits überfrachtet zu erscheinen. Sie nimmt gefangen, hat keine Durchhänger und macht, trotz des tragischen Ausgangs der Geschichte, einfach Spaß. Mehr kann man eigentlich nicht verlangen.

In der altägyptischen Abteilung eines nicht näher beschriebenen Museums der Neuzeit begegnen sich zu Beginn des Stücks zufällig zwei junge Leute. Und sie sehen jenen beiden Liebenden von vor 3000 Jahren, von denen das Stück in Folge erzählt, verblüffend ähnlich . . . Eine Statue erwacht zu Leben und beginnt zu singen: „Jede Geschichte handelt von der Liebe“. Die Wände des Museums verwandeln sich, simsalabim, in eine Landschaft im Nildelta - und wir befinden uns im Ägypten des Jahres 1550 vor unserer Zeitrechnung, als die Armeen des von Expansionsgelüsten und Eroberungsdrang getrieben Pharao die Völker ringsum unterjochten und ausbeuteten. Die Statue entpuppt sich als Amneris, die Tochter des gottgleichen Herrschers, der ihr Dauer-Verlobter, ein gewisser Radames, einst Hörner aufgesetzt hatte..
Radames war kein unbedeutendes Kerlchen, sondern der militärische Führer der alles plattwalzenden ägyptischen Kriegsmaschine. Und er war strategisch äußerst geschickt und erfolgreich. Dummerweise verliebt er sich in Aida, eine nubische Prinzessin, von der er aber nicht weiß, dass sie eine solche ist. Er verschleppt sie als Sklavin aus ihrer Heimat und macht sie seiner Verlobten zum Geschenk. Die tiefen Gefühle der beiden zu- und füreinander entwickeln sich erst allmählich, aber dann mit finaler Wucht. Erst fängt es ganz langsam an, aber dann . . .
Der Erwartungs-Druck, der vor allem auf den beiden jungen Protagonisten Florence Kasumba und Mathias Edenborn lastet, ist enorm. Warum sie sich hier und jetzt unbedingt an den großen Broadway-Vorbildern messen lassen sollten, ist nicht ganz verständlich. New York ist weit weg, und unter der deutschen Zielgruppe dürfte das Stück in den USA nur ein verschwindend geringer Prozentsatz gesehen haben. Insofern  ist es auch müßig und überflüssig, Parallelen oder personelle Vergleiche zu ziehen. Die Essener Inszenierung soll schließlich dem deutschen Publikum gefallen - und nicht dem Musical-Jet-Set. Und sie wird es.

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Tolle Stimme und grandioses Spiel: Maricel ist der Joker der Inszenierung. In der Rolle der Amneris kann die Hannoveranerin die ganze Bandbreite ihres Talents offenbaren - und zeigt jede Menge Sinn für Stil. Ihre rasante Modenschau ist zum Brüllen.
Fotos: Jürgen Heimann

Maricel macht Amneris zum Star der Show

Trotz des klassischen Liebes-Sujets ist Aida in Essen eher ein Stück über zwei gegensätzliche starke Frauen, die Nubierin auf der einen, und die Pharaonen -Tochter auf der anderen Seite. Es ist aber letztere und weniger die Titelheldin, die am nachhaltigsten abräumt. Durch Maricel gewinnt diese Figur das mit am Abstand stärkste Profil. Stimmlich wie von der Darstellung her ist die Hannoveranerin bestechend und die dominierendste Persönlichkeit auf der Bühne. Maricel macht ihre Amneris zum unbestrittenen Star der Show: verwöhnt, verzogen, selbstverliebt, ein klein wenig unterbelichtet und nur auf modische Äußerlichkeiten fixiert.
Ihre turbulente Modenschau („Mein Sinn für Stil“/“My strongest suit“) ist einfach zum Brüllen und das urkomischten Element der gesamten Aufführung. Man hätte sich noch mehr von diesen comedyhaften Einfällen gewünscht, ebenso wie von der grandiose Gospel-Hymne zum Finale des erste Aktes, die die Sonne Nubiens aufgehen ließ.
Amneris zeigt sich mal komisch, mal verletzlich, mal arrogant, mal weinerlich und ein klein wenig schwer von Begriff, das aber stets in feinen Dosierungen. Erst ganz allmählich (und zu spät) reift die Erkenntnis, dass es auch jenseits von Schminke und teuren Klamotten noch Bedeutungsvolles und wirklich Wichtiges im Leben gibt. Als sie kurz vor der geplanten Hochzeit dahinter kommt, dass „ihr“ Radames mit der schwarzen Perle angebandelt hat, verurteilt sie die Beiden dazu, gemeinsam zu sterben. Sie schüttet viel Sand in deren Lebensgetriebe. Immerhin erweist sich die Blondine nach der Thronbesteigung – Papi war von Radames Vater Zoser vergiftet worden – als weise Herrscherin, was ihr niemand zugetraut hätte.

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Sie haben die Sterne gegen sich: Aida  (Florence Kasumba) und Radames (Mathias Edenborn) dürfen zusammen nicht kommen, tun es aber doch. Das kostet sie das Leben.
Foto: Jürgen Heimann

Ein Tandem mit viel Potenzial

Die junge Florence Kasumba verleiht der Titelrolle viel Würde und Authentizität, agiert überzeugend und besticht durch eine umwerfende Mimik. Ob als Prinzessin oder Sklavin, sie bewahrt majestätische Haltung. Ihr Bühnen- Boyfriend Radames (Mathias Edenborn) hat viel vokale PS, kämpft aber noch mit der Aussprache. Ob als (sympathischer) Krieger ohne Furcht und Tadel oder als Lover, bei den Dialogen wirkt er noch etwas unsicher, was etwas auf Kosten der Glaubwürdigkeit geht. Doch der Schwede wird sicherlich noch mit dieser schwierigen Aufgabe – es ist seine erste große Hauptrolle in Deutschland – wachsen. Er und seine Partnerin haben viel Potenzial.

Kristian Vetter - ein bärenstarker Bösewicht
Unter den Herren der Schöpfung macht Kristian Vetter die mit Abstand beste Figur, stimmlich wie darstellerisch. Sein „Zoser“, der Papi von Radames, ist der am stärksten und glaubwürdigsten ausgebildete Charakter. Der auf böse und gemeine Rollen abonnierte dänische Rock-Tenor gibt dem intrigenhaften, skrupellosen Strippenzieher, der seinen Bub (als Marionette) unbedingt auf dem Pharao-Thron sehen möchte und dabei über Leichen geht, ein herrlich fieses, gnadenlos überzeugendes Gesicht. Die anderen Rollen sind weniger entwickelt. So erhalten Lutz Ulrich Flöth (als siechender Pharao), Joel Karie (Radames’ Haus-Faktotum Mereb) und Daniel White (Aidas Vater und König von Nubien) nur wenig Gelegenheit, ihre Begabungen durchscheinen zu lassen.

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Nachdem Maricel (Amneris) Mathias Edenborn (Radames) und Florence Kasumba (Aida) aus der Hand von Regisseur Robert Falls das Script offiziell in  Empfang genommen hatten (oberes Foto v.l.n.r.), griffen die drei Hauptdarsteller zum Messer, um die obligatorische Probenstart-Torte anzuschneiden.
Fotos: Jürgen Heimann

CD-Aufnahme der Essener Produktion geplant - die Aida-Songs in Deutsch
Die deutsche „Aida“-Übersetzung stammt von Michael Kunze. Der Erfolgs-Librettist lieferte zwei Versionen ab, eine, die sich dicht am Original orientierte, und eine etwas freiere Fassung. Die Produzenten entschieden sich für letztere. Nachfolgend die deutschen Titel. Die Entsprechungen von der Original-Broadway-Aufnahme jeweils in Klammern. Auch von der Essener Produktion ist eine Cast-CD erschienen.

1. Akt:
Jede Geschichte handelt von der Liebe  (Every story is a love story)
Wer viel wagt, der gewinnt  (Fortune favors the brave)
Ein fernes Land  (The past is another land)
Eine Pyramide mehr  (Another Pyramid)
Ich kenn dich (How I know you)
Mein Sinn für Stil (My strongest suit)
Wer viel wagt (Reprise)
Von einem Traum entführt (Enchantment passing through)
Mein Sinn für Stil  (Reprise)
Manteltanz  (Dance of the robe)
Nicht ich, ich nicht  (Not me)
Durch das Dunkel der Welt (Elaborate Lives)
Die Sonne Nubiens (The gods love Nubia)

2. Akt:
Einen Schritt zu weit (A step too far)
So einfach, so schwer (Easy as life)
Wie Vater, so Sohn (Like father, like son)
Radames Brief (Radames letter)
Ich kenn dich (Reprise)
Sind die Sterne gegen uns (Written in the stars)
Die Wahrheit (I know the truth)
Durch das Dunkel der Welt (Reprise)
Von einem Traum entführt (Reprise)
Jede Geschichte handelt von der Liebe (Reprise)

© by Jürgen Heimann

Lesen Sie das große Interview mit Hauptdarstellerin Florence Kasumba!
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Aida und Gunther hinter den Kulissen

„Deutschland sucht den Superstar“-Kandidaten bald Musicalstars?

Aida und Gunther verwandelten sich für einen Tag in die nubische Prinzessin Aida und den ägyptischen Heerführer Radames
Großer Wunsch der DSDS-Kandidaten ging im Essener Colosseum Theater in Erfüllung

„Einmal auf der Musicalbühne Aida und Radames spielen“ – das wünschten sich die DSDS-Kandidaten Aida und Gunther. Am letzten Mittwoch ging dieser Wunsch endlich in Erfüllung. Im Colosseum Theater Essen, wo Elton John und Tim Rice’s Hitmusical AIDA seit dem 5. Oktober 2004 die Zuschauer begeistert, studierten die beiden unter der Leitung von Bob Edwards (musikalischer Leiter AIDA) und Daniel Witzke (künstlerischer Leiter AIDA) den AIDA-Ohrwurm „Sind die Sterne gegen uns?“ ein.
Zusammen mit Aida-Darstellerin Florence Kasumba und ihrem Bühnenpartner Mathias Edenborn (Radames) probten die beiden unermüdlich in den Original-Kulissen und versuchten sich auf den ‚Brettern, die die Welt bedeuten’. Doch damit nicht genug – in der Kostüm- und Maskenabteilung des Theaters am Berliner Platz wurden Aida und Gunther in die nubische Prinzessin und den ägyptischen Kriegshelden verwandelt und fühlten sich sofort ins alte Ägypten zurückversetzt. Aida-Darstellerin Florence Kasumba zeigte sich begeistert: „Aida und Gunther sind toll! Sie haben richtig gute Pop-Stimmen und performen mit viel Gefühl. Vielleicht stehen wir irgendwann einmal gemeinsam auf einer Bühne….“. Auch Pharaonen-Tocher Amneris alias Maricel bat Aida und Gunther in ihre Gemächer. In Maricels Garderobe wurden Kostüme ausprobiert, Songs aus AIDA angesungen und geheime ägyptische Schminktipps ausgetauscht. Natürlich ließen es sich Aida und Gunther nicht nehmen, ihren Musical-Kollegen bei der abendlichen Vorstellung zuzujubeln. Ob die beiden demnächst auf einer Musicalbühne zu sehen sein werden, steht in den Sternen. Den Termin für das AIDA-Casting haben sie sich auf jeden Fall notiert…

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Bei der RTL II Sendung "El der Millionär" hat Amors Pfeil nicht ins Schwarze getroffen. Und so ging der Essener Elmar Grabowski bei AIDA im Colosseum Theater erneut auf Brautschau. Nachdem er die Maskenbildnerinnen mit seinem Charme becircte, ging er mit Florence Kasumba (Aida) und Anke Fiedler (alternierende Amneris) auf Tuchfühlung.
Ob der Funke im Colosseum Theater über gesprungen ist, wollte uns El aber nicht verraten...

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Mädchenschwarm Benjamin Boyce war in geheimer Mission im Colosseum Theater Essen. Begleitet von einem Pro7-Taff-Team versuchte sich der Sänger als Musicaldarsteller. Noch kämpft Benjamin aber mit Chris Norman und Coolio um den Gewinn eines Plattenvertrages bei der Come -Back-Show  auf Pro7. Bei AIDA wandelte der Ex-"Caught In The Act"-Sänger auf den Spuren von Band-Kollege Bastian Ragas und schlüpfte in das begehrte Radames-Kostüm. Beim Fotoshooting mit Florence Kasumba gab sich der Sunnyboy betont lässig. Ob es eine Musicalkarriere für Benjamin Boyce geben wird steht derzeit aber noch in den Sternen. Erst gilt es eine Entscheidung in der Come-Back-Show abzuwarten.

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Die deutsche Fassung auf CD bei JPC.de oder Amazon.de bestellen!

© by Stephan Drewianka; Pressetext und Fotos: Stage Holding

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10000€ für den guten Zweck von den Divas & Friends
Foto: Stage Holding

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Sixpack: Mal solo, mal zu zweit, zu dritt oder gemeinsam mit allen anderen ließen es die Frontladies über zwei Stunden lang mächtig krachen. Oben von links Dominique Aref, Anke Fiedler und Oceana, unter Natascha Cecillia Hill, Maricel und Ana Milva Gomes.
Fotos: Detlef Krentscher

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Benefiz-Gala erbrachte 10.000 Euro für das Hundertwasser-Haus

Frauenpower im Colosseum: Die „Diven“ drehten mächtig auf

Montags im Colosseum: Für die Besucher im nahezu ausverkauften Theater stand schon nach der ersten Halbzeit fest: Das schreit nach Wiederholung! Wird und soll es in der ein oder anderen Form wohl auch geben. Dann allerdings sind die Herren der Schöpfung am Zuge. Resonanz und Publikumsreaktionen gaben den Verantwortlichen Recht. Die von viel Frauenpower  angetriebene Essener Benefiz-Gala zu Gunsten der McDonald’s Kinderhilfe entpuppte sich als Volltreffer. Und da erscheint es völlig gleichgültig, dass die ebenso stimmstarken wie gutaussehenden Front-Ladies des Aida-Ensembles als „Divas“ und nicht, wie es richtig gewesen wäre, „Diven“ angekündigt worden waren. Der Definition des Dudens zufolge pflegen Diven ja durch eigensinniges, exzentrisches Verhalten aufzufallen. Und das, mit Verlaub, kann man weder Maricel, noch Anke Fiedler, Dominique Aref, Natascha Hill, Oceana und Ana Milva Gomes nachsagen. Andererseits wusste aber jeder im Saal, was gemeint war. Dass es sich bei Diven, um noch ein weiteres Mal die Bibel der deutschen Sprache zu bemühen, um gefeierte Künstlerinnen handelt, trifft’s schon eher. Das war unüberhör- und –sehbar.

Und die sechs Mädels hatten, ebenso wie ihre männlichen Mitstreiter („Friends“), einen guten Tag erwischt, trotz aller Nervosität und Anspannung. Sie hatten das außergewöhnliche Programm wochenlang in ihrer Freizeit erarbeitet und einstudiert und, Ehrensache, natürlich auf Gage verzichtet, um sich so in den Dienst der guten Sache zu stellen. Auch an einer maßgeschneiderten, von William Centurion entworfenen Choreografie war nicht „gespart“  worden. Das 13-köpfige Orchester unter der Leitung von Ethan Popp nicht mitgerechnet, standen an diesem Abend 22 Akteure auf der Bühne, Sängerinnen, Sänger, Tänzer und Tänzerinnen.
Ägypten und Nubien waren da weit weg. Nichts erinnerte an das Romeo & Julia-Drama im Schatten der Pyramiden, das hier ansonsten achtmal die Woche abläuft. Auch musikalisch schöpften man/frau aus ganz anderen Quellen als denen Elton Johns. Dabei heraus kam ein spannender und unterhaltsamer Streifzug durch die Welt des Pop, des Soul und des Rock,  wobei sich viele klangvolle Perlen aneinanderreihten, bekannte und weniger bekannte.

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With a little help from her friends: Unterstützt wurden die „Diven“ von zahlreichen anderen Kollegen/innen des „Aida“-Ensembles. Insgesamt standen 22 Sängerinnen, Sänger, Tänzer du Tänzerinnen auf der Bühne. Links Anke Fiedler, rechts Oceana.

Lady in Red: Dominique Aref  machte auch beim Zweispännerfahren eine gute Figur.
Fotos: Detlef Krentscher

Prickelnde Mischung aus Pop, Soul und Rock
Die von Popp und Bob Edwards neu arrangierter Titel und Hits international renommierter Interpretinnen summierten sich zu einer prickelnden Mischung, die auch durch die Teils eigenwilligen Interpretationen bestach. Da kamen Aretha Franklin oder Celine Dion ebenso zu neuen Ehren wie Donna Summer, Cheryl Lynn, Christina Aguilera , Debora Cox, Chaka Khan oder Madonna.
Es war keine auf Perfektion und sterilen Schliff getrimmte Hochglanz-Revue, was in der Kürze der Vorbereitungszeit auch gar nicht möglich gewesen wäre. Das ein oder andere kleine Patzerchen, ob nun in Ausführung oder Soundaussteuerung, fiel kaum auf, oder, wenn vielleicht doch, störte keinen. Es war live und es war sympathisch. Und es blieb genügend Raum für Spontanität.

Als Girl-Group wären sie unschlagbar
Nicht nur dem Publikum, sondern samt und sonders auch den Protagonistinnen machte das Ganze erkennbar Spaß. Losgelöst vom starren Ablauf- und Regieplan ihres musical-ischen Alltagsgeschäftes konnten die Künstlerinnen mehr als sonst zeigen, was in ihnen steckt und ihren eigenen Präferenzen freien Lauf lassen. Ihr eigentliches Potenzial offenbart sich ja ob des vorgezeichneten Rollenprofils in der aktuellen Inszenierung mitunter nur bedingt und allenfalls ansatzweise. Hier konnten es die Damen ausleben. Würde man sie in eine Girl-Group stecken, so manche aus Pieps-Gören zusammengestoppelte, talent-deifizitäre Retorten-Combo, die es dank raffinierter Studio-Tricks doch zum Charterfolg gebracht hat, müsste sich die Kugel geben (oder hinter den Zug werfen). Maricel, Anke Fiedler, Dominique Aref, Natascha Hill, Oceana und Ana Milva Gomes singen mit Sicherheit über 99 Prozent der Möchtegern-Sternchen am Hitparadenhimmel locker an die Wand und wieder runter. Und sie haben Charisma, Charme und (Sinn für) Stil.

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Powerfrauen mit viel Temperament, Charme und Gold in der Kehle: Maricel, Oceana, Natascha Cecillia Hill (obere Reihe von links nach rechts), Dominique Aref, Anke Fiedler und Ana Milva Gomes (untere Reihe) feierten bei der Benefiz-Gala im Colosseum ein umjubeltes Heimspiel und servierten ihre Favoriten aus Pop, Rock und Soul. Fotos: Detllef Krentscher

Vorweggenommenes Finale: Maricel hatte sich den „Prinz von Ägypten“ geangelt. Oliver Nagy, 14-jähriges Stimmwunder aus Köln, war Hahn im Korb. Sein Duett mit „Amneris“ zählte zu den Höhepunkten der Show.

Geballte Ladung
Trotz dieser geballten Ladung an Talent,  Stimm- und Ausdruckskraft artete der Spaß nicht in einen Wettstreit aus. Der Akzent lag auf dem Bemühen um eine geschlossene Gesamt- und Ensembleleistung. Niemand versuchte sich in den Vordergrund zu spielen. Es fällt schwer und wäre unfair, irgendeinen der 24 Programmpunkte, während derer die Divas, pardon, Diven, alleine, gemeinsam mit den anderen oder von diesen im Hintergrund unterstützt, agierten, besonders zu qualifizieren und hervorzuheben. Das von allen sechs Damen angestimmte Hohelied auf die Freundschaft, „You´ve got a friend“  (Carol King), mag dennoch als personal- und wertneutraler „Anspieltipp“ angeführt werden.
Davon abgesehen bedarf auch die vorweggenommene Finalnummer „When you believe“ aus dem „Prinz von Ägypten“ besondere Erwähnung. Dafür hatte Maricel das 14-jährige Kölner Stimmwunder Oliver Nagy als Duettpartner gewinnen können. Nicht wenige sagen dem sympathischen Vokaltalent eine große Zukunft voraus. In Dinslaken, bei der „Sommernacht des Musicals“ und „Musical on Ice“, zählt der Bub ja inzwischen schon zu den Stammgästen. Und auch in Essen flogen ihm die Herzen des Publikums zu, was nicht nur der begeisterte Beifall zum Schluss, sondern auch der immer wieder aufbrausende Zwischenapplaus bewies. Nicht nur die Künstler, sondern auch die Besucherzeigten sich an diesem Abend bestens disponiert.

Jetzt sind die „Herrn der Schöpfung“ am Zug
Und in der „Kriegskasse“ klingelte und raschelte es schließlich auch beträchtlich. 8635 Eurodollars waren an Eintrittsgeldern zusammengekommen. Die Stage Holding als Betreiber des Theaters stockte den Betrag auf 10.000 EUR auf. Das Geld fließt zweckgebunden in die Errichtung des neuen Hunderwasser-Hauses am Essener Universitätsklinikum. Dabei handelt es sich um ein Familienzentrum für Eltern schwerkranker Kinder. Baubeginn wird noch im Laufe dieses Monats sein.
Nach diesem Erfolg werden sich auch die „Aida“-Frontmänner wohl nicht lange zieren und lumpen lassen. Potenzial und Power für solch abenfüllende „Eskapaden“ sind in dieser Cast ja allemal ausreichend vorhanden. Das wird spannend. Schaun ‚mer mal.

©by Jürgen Heimann

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Schon 2,5 Millionen Besucher, ließen sich im Colosseum Theater Essen von Musical-Stars wie Maike Boerdam (ELISABETH), Florence Kasumba, Patrick Stanke, Maricel (alle drei AIDA) und Andreas Bieber (JOSEPH) bezaubern.

[Scheveningen] [Premiere Essen] [Besuch bei AIDA] [Divas] [2500000. Besucher] [Castwechsel] [Special: Interview mit Florence Kasumba] [Special: Backstage] [Tecklenburg]

Musicaltheater feiert den 2,5 millionsten Besucher

Publikumsmagnet COLOSSEUM THEATER

Strukturwandel von der Werkshalle zum Musicaltheater ● COLOSSEUM THEATER gefeierte Spielstätte im Ruhrgebiet ● Stage Holding in Essen auf Erfolgskurs

Wo einst das stählerne Herz des Ruhrgebiets schlug, lauschen am 30.05.04 Tausende den Melodien internationaler Musicalproduktionen. Schon 2,5 Millionen Zuschauer lockte das COLOSSEUM THEATER Essen in die Ruhrmetropole. In der einstigen VIII. Mechanischen Werkstatt wurden noch bis 1988 Turbinengehäuse, Kurbelwellen und Lokomotivrahmen gefertigt. Seit der Umgestaltung in ein Theater hat sich das COLOSSEUM THEATER zu einem Publikumsmagneten für Musicalbegeisterte aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarländern entwickelt . Die Kombination aus klassischer Industriearchitektur und moderner Kunst sorgt für eine einzigartige Atmosphäre und macht das Gebäude zu einer der außergewöhnlichsten Spielstätten im Ruhrgebiet.
Die Karriere der ehemaligen Krupphalle als Musicaltheater begann im Dezember 1996 mit Andrew Lloyd Webbers „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ mit Andreas Bieber in der Titelrolle. Es folgte ein Gastspiel des Musicalklassikers „Jesus Christ Superstar“. Im August 2000 gab der Niederländer Joop van den Ende, Gründer der Stage Holding – The Theatre Company, dem Theater eine neue Zukunft. Im März 2001 begann mit „Elisabeth“ eine Erfolgsgeschichte im Herzen des Ruhrgebiets, mit der sich das COLOSSEUM THEATER als kulturelles Highlight der Region etabliert hat. Mit Musicalstars wie Pia Douwes, Uwe Kröger oder der letzten amtierenden Kaiserin Maike Boerdam wurde das Theater zur Impuls gebenden Musicalspielstätte im Ruhrgebiet. Seit Oktober 2003 erobert nun Elton Johns AIDA die Herzen der Zuschauer. Dazu Aida-Darstellerin Florence Kasumba: „Ich liebe es im COLOSSEUM THEATER auf der Bühne zu stehen! Ich bin stolz darauf ein Teil des Hauses zu sein und dazu beigetragen zu haben, dass so viele Zuschauer den Weg in ‚mein’ Theater gefunden haben!“

©by Stephan Drewianka; Pressetext und Foto: Stage Holding

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Castwechsel im Colosseum Theater Essen

Neuer Superstar bei Elton Johns AIDA: Judith Lefeber

Premiere von Judith Anfang Oktober - Proben beginnen Ende August - Neue Judith-CD im Herbst

Die Entscheidung ist gefallen: Judith Lefeber ist die neue Aida in Elton John und Tim Rices gleichnamigen Musical-Hit, der seit Oktober 2003 allabendlich mit Standing Ovations im Colosseum Theater in Essen gefeiert wird. Die Produzenten der Stage Holding und das Disney Kreativteam haben sich für die stimmgewaltige in Indien geborene Künstlerin entschieden. Judith wird mit der Rolle in die Fußstapfen von Toni Braxton und Michelle Williams treten, die am Broadway in der Rolle der nubischen Prinzessin frenetisch gefeiert wurden. Burkhard Koch, Geschäftsführer der Stage Holding Essen zur Entscheidung: „Judith kam, sang und siegte. Wir sind sehr stolz darauf, sie für diese außergewöhnliche Rolle gewonnen zu haben. Ihre Stimme und ihre Ausstrahlung haben uns überzeugt: Judith ist die perfekte Aida.“ Judith Lefeber zu ihrer ersten Musicalrolle: “Ich bin ein großer Fan von Elton John und kann es kaum erwarten, als Aida auf der Bühne zu stehen.“ Judith wird Anfang Oktober ihre Premiere als Aida im Colosseum Theater Essen feiern. Bevor die Proben Ende August beginnen, wird Judith in Berlin ihre zweite CD einsingen, die im Oktober erscheint.

Judith Lefeber wurde 1981 in Manipal, im Bundesstaat Karnataka, Indien geboren und mit sechs Monaten von deutschen Eltern adoptiert. 1995 gewann Judith beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" in der Kategorie Klavier den ersten Platz. 1997 belegte sie den zweiten Platz in der Kategorie Gesang. Nach ihrem Schulabschluss studierte Judith als Jungstudentin an der Detmolder Musikhochschule Gesang (Mezzo-Sopran) und Klavier. Später wechselte sie zur Folkwang Hochschule in Essen. Das deutsche Publikum kennt Judith aus der ersten Staffel der RTL-Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Im Herbst 2003 veröffentlichte Judith ihre erste CD mit dem Titel „In My Dreams“.

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AIDA spielte von Oktober 2003 bis Juli 2005 im Colosseum Theater in Essen und begann eine einjährige Tournee in veränderter Fassung im Deutschen Theater in München (19.11.05 bis 15.01.06), wohin es 2007 noch einmal für 3 Monate zurückkehrte. Momentan wird AIDA leider nicht in Deutschland gespielt.

©by Stephan Drewianka; Pressetext und Foto: Stage Holding

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Ein prächtiges Paar: Patrick Stanke als “Radames“ und Zodwa Selele als „Aida“.

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Das klassische Aida-Motiv: Der berühmte Manteltanz

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Die Nacht der langen Messer: Die Kampfszenen sind perfekt choreografiert

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Wandlung und Reife: Aus der selbstverliebten und zickigen Modepuppe wird eine weise Herrscherin. Willemijn Verkaik ist die dominierendste Bühnenpersönlichkeit der Tecklenburger AIDA-Inszenierung.

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Die Sonne Nubiens: Eindrucksvoller hat man den Sklavenchor der verschleppten Nubier nie gehört und gesehen. In dieser packenden Szene können  die Tecklenburger ihr großes Personalpotential voll ausschöpfen.

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Wie Vater, so Sohn? Marc Clear (links) zeigt inTecklenburg einen herrlich fiesen und intigranten „Zoser“. Doch der Filius (Patrick Stanke) muckt auf und durchkreuzt die Pläne seines alten Herrn

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Romeo und Julia an den Ausläufern des Teutourger Waldes
Aida: Die Sonne Nubiens scheint über dem Münsterland

Ägypten liegt im Teutoburger Wald, die Pyramiden sind nur angedeutet und den Wüstensand muss man sich denken. Der mächtige Pharao schwächelt, doch seine Heerscharen sind munter dabei, die Nachbarvölker zu unterjochen – beispielsweise die Nubier. Die hausen in der Nähe von Osnabrück. Und in diesem geografischen und menschlichen Spannungsfeld entwickelt sich die schönste und bewegendste Liebesgeschichte der Menschheit, eine Love-Story, die die Zeiten überdauert und deren auf so tragische Weise umgekommenen Protagonisten sich in einem anderen Leben zum Happy-End vereinen. Es ist die ans Herz gehende Geschichte von Romeo und Julia, die in diesem Falle allerdings als Radames und Aida daherkommen. Letztere gab dem Drama auch seinen Namen, der seit Guiseppe Verdis 1869 uraufgeführtem Geniestreich bei Opernfreunden in aller Welt einen guten Klang hat. Doch diese Klientel wird derzeit in Tecklenburg weniger bedient. Hier sind es die Musical-Fans, die in diesem Sommer die beiden Toten im Sandgrab beweinen.

Basierend auf dem Verdi-Sujet haben Elton John und Tim Rice dem Stoff, aus dem die Träume und Tränen sind, ein neues, peppig-poppiges Gewand verpasst und daraus ein Weltklasse-Musical gestrickt. Das Publikum an Deutschlands Sommer-Broadway genießt in der aktuellen Spielsaison die deutsche Erstaufführung des Stücks unter freiem Himmel. Was Regisseur Dean Welterlen, der sich neben seinem beruflichen Hauptstandbein als Musicaldarsteller immer mehr zum Regie-Ass mausert, aus dem Disney -Epos gemacht hat, nötigt Respekt und Bewunderung ab. Dabei heraus kam eine opulente, nachgerade grandiose Inszenierung, die alles in den Schatten stellt, was man/frau bislang von Amneris und Co. gewohnt war. Mit dieser Produktion haben sich die dortigen Freilichtspiele erneut selbst übertroffen und das wuchtige Vorjahresstück (Mozart) noch einmal toppen können. Neben dem farbenfrohen und pfiffig inszenierten Webber-Klassiker “Evita“ gerät es zum Saison-Hit.

Melodien, die ans Herz und unter die Haut gehen
Die Musical-Version weicht von der Storyline her gesehen stellenweise deutlich von der Opernvorlage ab, wenngleich die dramaturgischen Grundelemente deckungsgleich sind. „Aida“ hat alles, was ein modernes Musical braucht: Große Gefühle, Spannung, Dramatik, eine Brise Witz und Tempo. Sir Elton hat dafür einen ganzen Strauß packender und eingängiger Melodien gebunden, die sowohl ins Ohr, als auch unter die Haut, in den Bauch und in die Beine gehen. Mag die Geschichte auch uralt sein, die Partitur ist es nicht. Die Lieder kommen mal treibend, rockig und fetzig, mal balladenhaft und verhalten daher und klingen noch lange nach dem Schlussvorhang nach. Sie dienen in erster Linie dazu, die Handlung voran zu treiben, nicht sie zu ersetzen. Andererseits funktionieren sie auch, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt für sich alleine. Das gilt in erster Linie für „Sind die Sterne gegen uns“, trifft aber auch ohne Abstriche auf  „Ein Schritt zu weit“, „Durch das Dunkel der Welt“ oder“ So einfach, so schwer“ zu.
Die Partitur mit ihren 23 Songs (Reprisen mitgezählt) war und ist bei Klaus Hillebrecht und seinem stattlichen Orchester in den besten Händen. Im Instrumentalisten-Käfig unter der Bühne gehen die  Damen und Herren mit viel Drive und Gespür an die Arbeit. Fast jedes Lied hat Ohrwurmqualität. „Sie gehören zu den Besten, die ich je geschrieben habe“, sagt der Komponist selbst. Die einzelnen Charaktere sind sauber heraus gearbeitet, die Dialoge entsprechend pointiert und treffend. Die (ziemlich freie) Übersetzung der Original-Texte von Tim Rice ins Deutsche stammt von keinem Geringeren als Dr. Michael Kunze. Und Germaniens Libretto-Papst hat dabei wieder ganze Arbeit geleistet.

Die modern erzählte Story von Romeo und Julia im Schatten der Pyramiden basiert auf einer Erzählung des französischen Ägyptologen Auguste Mariette Bay. Die beiden „Helden“ des Stücks durften eigentlich nicht zusammen kommen, taten’s aber dennoch - und erstickten in einem Sandgrab. Aber das war kein Unglücksfall, sondern der Vollzug eines Todesurteils.
In der altägyptischen Abteilung eines nicht näher beschriebenen Museums der Neuzeit begegnen sich zu Beginn des Stücks zufällig zwei junge Leute. Und sie sehen jenen beiden Liebenden von vor 3000 Jahren, von denen das Musical in Folge erzählt, verblüffend ähnlich. Eine Statue erwacht zu Leben und beginnt zu singen: „Jede Geschichte handelt von der Liebe“. Die Wände des Museums verwandeln sich, simsalabim, in eine Landschaft im Nildelta - und wir befinden uns im Ägypten des Jahres 1550 vor unserer Zeitrechnung, als die Armeen des von Expansionsgelüsten und Eroberungsdrang getrieben Pharao die Völker ringsum unterjochten und ausbeuteten. Die Statue entpuppt sich als Amneris, die Tochter des gottgleichen Herrschers, der ihr Dauer-Verlobter, ein gewisser Radames, einst Hörner aufgesetzt hatte.
Radames war kein unbedeutendes Kerlchen, sondern der militärische Führer der alles platt  walzenden ägyptischen Kriegsmaschine. Und er war strategisch äußerst geschickt und erfolgreich. Dummerweise verliebt er sich in Aida, eine nubische Prinzessin, von der er aber nicht weiß, dass sie eine solche ist. Er verschleppt die kaffeebraune Schönheit als Sklavin aus ihrer Heimat und macht sie seiner Verlobten zum Geschenk. Die tiefen Gefühle der beiden zu- und füreinander entwickeln sich erst allmählich, aber dann mit finaler Wucht. Erst fängt es ganz langsam an, aber dann . . .

Zwei starke Frauen
Trotz des klassischen Liebes-Sujets ist Aida eher ein Stück über zwei gegensätzliche starke Frauen, die Nubierin auf der einen, und die Pharaonen-Tochter auf der anderen Seite. Aber es ist letztere (und nicht die Titelheldin), deren Profil im Stück am ausgeprägtesten ausfällt. In dieser (dankbaren) Rolle hatte sich Maricel bei der deutschen Erstaufführung in Essen seinerzeit den musicalischen Ritterschlag geholt. In Tecklenburg erweist sich die Niederländerin  Willemijn Verkaik als würdige Erbin der Hannoveranerin. Stimmlich wie von der Darstellung her ist das vokalstarke Meisje die dominierendste Persönlichkeit auf der Bühne. Verkaik  macht ihre Amneris zum unbestrittenen Star der Show: verwöhnt, verzogen, selbstverliebt, ein klein wenig unterbelichtet und nur auf modische Äußerlichkeiten fixiert.
Ihre turbulente Modenschau („Mein Sinn für Stil“) ist einfach zum Brüllen und das urkomischte Element der gesamten Aufführung. Man hätte sich noch mehr von diesen comedyhaften Einfällen gewünscht, ebenso wie von der grandiose Gospel-Hymne zum Finale des erste Aktes, die die Sonne Nubiens aufgehen ließ. Ein Song, bei dem sich einem die Nackenhaare aufstellen.

Sand im Lebensgetriebe
Amneris zeigt sich mal komisch, mal verletzlich, mal arrogant, mal weinerlich und ein klein wenig schwer von Begriff, das aber stets in feinen Dosierungen. Erst ganz allmählich (und zu spät) reift die Erkenntnis, dass es auch jenseits von Schminke und teuren Klamotten noch Bedeutungsvolles und wirklich Wichtiges im Leben gibt. Als sie kurz vor der geplanten Hochzeit dahinter kommt, dass „ihr“ Radames mit der schwarzen Perle angebandelt hat, verurteilt sie die Beiden dazu, gemeinsam zu sterben. Sie schüttet viel Sand in deren Lebensgetriebe. Immerhin erweist sich die Blondine nach der Thronbesteigung – Papi war von Radames Vater Zoser vergiftet worden – als weise Herrscherin, was ihr niemand zugetraut hätte.

Prinzessin und Sklavin – aber immer majestätisch
Mit der ebenso hübschen wie talentierten Zodwa Selele ist er Part der gekidnappten nubischen Königstochter trefflich besetzt. Dass die Rolle quasi maßgeschneidert für sie ist, hatte die junge Südafrikanerin in selbiger bereits 2008 bei den Wörthersee-Festspielen bewiesen. Sie verleiht der Figur viel Würde und Authentizität. Ob als Prinzessin oder Sklavin, Selele agiert überzeugend und bewahrt stets majestätische Haltung. Nur ein einziges Mal bekommt ihre weiße Weste den Hauch eines Fleckens: als des intriganten Zosers Mordbuben in das Gefangenenlager eindringen, um die schwarze Prinzessin auftragsgemäß zu eliminieren. Da lässt Aida ihre treueste Freundin für sich den Kopf hinhalten, ohne auch nur den Versuch zu machen, ihre wahre Identität zu lüften. In Essen war das anders. Da musste Aida mehr oder weniger mit Gewalt von ihren Mitgefangenen zurück gehalten werden, damit sie sich nicht selbst ans Messer liefert.

Leidenschaftlicher Krieger
Aidas Bühnen-Boyfriend Radames ist ein Feldherr wie aus dem Bilderbuch. Stark, selbstbewusst, bisweilen arrogant  - aber mit einer weichen Schale unter dem harten Kern.  Selten hat man Patrick Stanke leidenschaftlicher und intensiver aufspielen sehen. Der Wuppertaler Überflieger bringt als ägyptischer Wüstenkrieger ja bereits hinlängliche Erfahrungen aus Essen mit und hatte als solcher im Colosseum die damalige Erstbesetzung alt aussehen lassen. In Tecklenburg legt der Vorjahres-Mozart noch einen Zahn zu und haucht seiner Figur mit starker  Stimme, großer, theatralischer Gestik und wuchtigem Agieren Leben und Glaubwürdigkeit ein.
Marc Clear, die Vielzweckwaffe der Tecklenburger Freilichtspiele, stand vor großen Fußstapfen. Die hatte sein Kollege Kristan Vetter weiland als Chef-Intrigant und Radames-Papi „Zoser“ hinterlassen. Doch mit „fiesen“ Rollen kennt sich auch der Brite bestens aus. Und so machte der Wahl-Däne unter den Herren der Schöpfung neben Stanke die mit Abstand beste Figur, stimmlich wie darstellerisch. Sein „Zoser“ ist denn auch der am stärksten und am glaubwürdigsten ausgebildete Charakter, ein skrupellosen Strippenzieher, der seinen Bub (als Marionette) unbedingt auf dem Pharao-Thron sehen möchte und dabei über Leichen geht. Er verordnet dem „Sohn der Isis“ eine Langzeit-Therapie mit Arsen, was dieser nicht überlebt. Aber auch Zosers Lebenskerze wird jäh ausgeblasen. Die anderen Charaktere sind weniger entwickelt. So erhalten Ansgar Schäfer (als siechender Pharao), Thada Suanduanchai (Radames’ Haus-Faktotum Mereb) , Mario Mariano (Aidas Vater und König von Nubien) und Milica Jovanovic (Nehebka) nicht so viel Gelegenheit, ihre Potentiale auszuleben.

Bühnenbilder und Kulisse (Susanna Buller) sind schlicht, aber funktionell, das Lichtdesign stimmungsvoll, atmosphärisch dicht, aber nie aufdringlich oder gar überladen. Eine besonderen Pep bekommt diese Inszenierung noch durch die rasante, ideenreiche Choreografie von Doris Malis, während Karin Alberti (Kostüme) ihrem inzwischen schon legendären Ruf als „Coco Chanel des Musicals“ wieder alle Ehre macht.

„Aida“ steht in Tecklenburg noch bis Anfang September auf dem Spielplan. Am 05.09.09 geht die Sonne Nubiens über dem Münsterland letztmals auf und unter. Wer auf gute, niveauvolle und packende Unterhaltung steht, sollte die Gelegenheit nutzen und sich von ihr bräunen lassen.

 

 

 

 

 

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©Text by Jürgen Heiman; Fotos by Heiner Schäffer

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